Comroad Der Anfang vom Ende?

Nach dem Abgang der Wirtschaftsprüfer von KPMG will sich das Unternehmen einer Sonderprüfung unterziehen. Die Aktie bricht weiter ein. Hat CEO Bodo Schnabel gelogen?
Von Clemens von Frentz

Frankfurt - Die Aktie der im Nemax 50 notierten Comroad AG Comroad  hat auch am Freitag ihre Talfahrt fortgesetzt. Zum Abend notierte das Papier rund 13 Prozent leichter auf 2,01 Euro. Schon am Donnerstag brach die Aktie nach Wiederaufnahme des Handels um 22,7 Prozent ein.

Auslöser der Talfahrt: Die Wirtschaftprüfungs-Gesellschaft KPMG hat ihr Mandat bei Comroad fristlos gekündigt. "Es bestehen begründete Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Comroad", sagte ein KPMG-Sprecher.

In den vergangenen Tagen waren am Markt seit langem schwelende Gerüchte über mögliche Bilanzfälschungen bei Comroad wieder verstärkt in Umlauf gebracht worden. Dabei muss sich das Unternehmen unter anderem vorwerfen lassen, nicht existierende Geschäftsbeziehungen nach Asien verbucht und zu hohe Umsätze ausgewiesen zu haben.

Suche nach neuem Prüfer

Weil KPMG den Unterschleißheimern nach Einschätzung von Branchenkennern offenbar ein Testat für das Geschäftsjahr 2001 verweigert hat, will Comroad nach eigenen Angaben nun einen neuen renommierten Wirtschaftsprüfer einstellen und sich bis zum 31. März einer Sonderprüfung unterziehen. Zudem werde vor Gericht eine neue Jahresabschlussprüfungsgesellschaft beantragt.

Unternehmenschef Bodo A. Schnabel hat laut einem Pressebericht inzwischen eingeräumt, dass das Unternehmen über Abschreibungs- und Wertberichtigungsbedarf nachdenken müsse. Trotz aller Vorwürfe pocht der Chef immer wieder darauf, dass sein Unternehmen gesund sei. Für Ende März hatte Schnabel detaillierte Informationen über seine Partner angekündigt.

Ein Comroad-Sprecher sagte, Comroad sei von dem Rückzug der KPMG überrascht, zumal man am Vortag zugesichert habe, die von KPMG geforderten zusätzlichen Dokumente vorzulegen. Es sei "unüblich, während der Prüfung die Pferde zu wechseln", räumte der Sprecher ein.

KPMG-Mandat endete bereits am Dienstag-Abend

"Das Mandat wurde gestern Abend niedergelegt", bestätigte Comroad-Vorstandschef Bodo Schnabel wenig später auf Anfrage. Die Wirtschaftsprüfer hätten in einigen Punkten Bedenken an den Geschäftsbeziehungen der Comroad angemeldet. Es sei vor allem darum gegangen, dass mehrere angegebene Adressen von Partnerfirmen "nicht da sein sollen".

Konsortialführer verteidigt Comroad

Kenner der Materie bewerteten die Vorgänge bei Comroad Comroad  unterschiedlich. "Das spricht schon für sich, wenn der Wirtschaftsprüfer sein Mandat niederlegt", hieß es in Branchenkreisen.

Damit werde auch die Richtigkeit der Mitte Januar veröffentlichten Umsatzverdopplung 2001 auf 93,6 Millionen Euro nach vorläufigen Zahlen in Frage gestellt. Die Geschäftsidee von Comroad sei "zwar sexy", möglicherweise habe die Gesellschaft aber ihre Partner nicht ausreichend geprüft, hieß es in den Kreisen.

Ein anderer Händler wurde deutlicher: "Die Zahlen passen bei denen hinten und vorne nicht zusammen", sagte er. "Welcher Prüfer kann schon feststellen, ob da irgendeine Pommesbude in Asien auch wirklich existiert?"

Nach Aussagen weiterer Marktbeobachter ist Comroad am Markt für Telematik-Lösungen überhaupt nicht präsent. "Fragen Sie mal bei der GAP AG nach", "sagte ein Börsianer. "Die kennen Comroad überhaupt nicht, obwohl sie Konkurrenten sein müssten."

Rüdiger Vogel, Analyst bei Concord Effekten in Frankfurt, sagte hingegen: "Die Vorwürfe, die ich in der Vergangenheit gehört habe, waren nicht vollständig fundiert." Comroad weise die Anschuldigungen bereits seit über einem halben Jahr zurück. "Warum sollte ein Unternehmen, das nicht seriös arbeitet, noch immer an dieser Story festhalten", fragte er.

Für den Rückzug der Wirtschaftsprüfer gebe es zwei mögliche Erklärungen. Entweder seien die Vorwürfe berechtigt, oder die Mandatsniederlegung hänge mit der allgemeinen Diskussion um die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach dem Enron-Zusammenbruch in den USA zusammen.

Zur Einordnung dieser Stellungnahme muss man wissen, dass Concord beim Börsengang der Comroad AG am 26. November 1999 als Konsortialführer auftrat. Der Ausgabepreis wurde damals auf 20,50 Euro festgelegt. Splitt-bereinigt entspricht dies einem Preis von 5,13 Euro.

Comroad: "Kurseinbruch maßlos übertrieben"

Erst am vergangenen Montag war die Aktie des Telematikanbieter um fast 33 Prozent eingebrochen. Grund war die Nachricht von der Insolvenz des britischen Comroad-Partners Skynet Telematics.

Comroad selbst bemühte sich umgehend um Schadensbegrenzung. Die Reaktion des Marktes sei "maßlos übertrieben" gewesen, erklärte ein Sprecher der Unterschleißheimer Firma am Dienstag. Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf des Unternehmens seien durch die Insolvenz nicht zu erwarten.

Gibt es die Comroad-Partner wirklich?

Die Beteiligung von fünf Prozent zum Kaufpreis von einer Million Dollar hätte ohnehin abgeschrieben werden müssen, da die in New York notierte Skynet Telematics ihrerseits in den zurückliegenden Monaten einen starken Kursverfall verzeichnen musste.

Die jetzt vorgenommene Abschreibung werde in den Jahresabschluss 2001 einfließen, der wie geplant am 25. Februar vorgelegt werde. Im Geschäftsjahr 2000 hatte Comroad Comroad  bei einem Umsatz von 43,9 Millionen Euro ein Ebit von 7,3 Millionen Euro gemeldet.

Die Aktie des Unternehmens ist bereits seit einigen Tagen massiv unter Druck. Händler begründeten den Kursverfall damit, dass einige institutionelle Anleger offenbar um fast jeden Preis aus der Aktie heraus wollten.

Ausgelöst wurde die Verkaufswelle unter anderem durch Berichte um angeblich nicht existierende Geschäftsbeziehungen. Das Magazin "Börse-Online" hatte Partnerschaften von Comroad in Zweifel gezogen und dem Vorstandsvorsitzenden Bodo Schnabel vorgeworfen, er hätte eine falsche eidesstattliche Versicherung zu den Geschäftszahlen 2000 abgegeben.

Hintergrund: Comroad hatte im November 2001 eine Liste vor Gericht vorgelegt, um die Zahl seiner Partner zu belegen. Zuvor hatte das Telematikunternehmen rechtliche Schritte gegen den "Börse-Online"-Artikel "Phantompartner in Asien" eingeleitet, da das Magazin die Höhe der Asien-Umsätze im Jahr 2000 angezweifelt hatte. Nach Angaben der Chefredaktion hatten die Recherchen der Zeitschrift nur Hinweise auf zwei der angeblich acht Partner ergeben.

Comroad verweist auf KPMG-Testate

Die Aktiengesellschaft selbst wies diese Anschuldigungen vehement von sich. Comroad-Sprecher Stefan Mehler sagte am 15. Februar, sein Unternehmen befinde sich in einem Rechtstreit mit dem Anlegermagazin.

"Wir haben testierte Abschlüsse seit 1995 von KPMG", fügte er hinzu. Der Vorstand werde die Bilanzpressekonferenz im März nutzen, um alle Verträge mit den 37 Partnern offen zu legen und weitere Beweise für die Partnerschaften vorlegen.

Die Aktionäre dürften mit Spannung auf diese Beweise warten, zumal auch die Angaben auf der Homepage des Unternehmens das eine oder andere Mal Anlass zu Zweifeln gegeben haben. Dort heißt es vollmundig: "Die Comroad Aktiengesellschaft, gegründet 1995, ist weltweit führend im Aufbau und der Kommerzialisierung von Telematik-Netzwerken. Durch die Integration global verfügbarer Technologien (...) hat das Unternehmen ein weltumspannendes Netzwerk für Telematikdienstleistungen geschaffen, das bereits in 20 Ländern installiert ist."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.