Softmatic Wer waren die Verkäufer?

Außerordentlich hohe Umsätze vor der jüngsten Insolvenz-Meldung deuten darauf hin, dass offenbar einige Anleger wieder etwas besser informiert waren.
Von Clemens von Frentz

Hamburg - Erneut gibt es am Neuen Markt Hinweise auf mögliche Insider-Geschäfte. Vor der gestrigen Insolvenz-Meldung der am Neuen Markt notierten Softmatic AG  fiel die Aktie des Unternehmens durch ungewöhnlich hohe Umsätze auf.

Ob dieser rege Handel auf Insider zurückzuführen ist, die rechtzeitig vor der Insolvenz verkauften, muss nun das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) klären, das in den kommenden Tagen eine routinemäßige Untersuchung der jüngsten Umsätze bei Softmatic einleiten wird.

Das Unternehmen, das Softwarelösungen für die Prozessindustrie und IT-Consulting anbietet, hatte am gestrigen Mittwoch gegen 11.40 Uhr per Ad-hoc-Meldung mitgeteilt, dass der Vorstand am Morgen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Norderstedt die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt hatte. Etwa 20 Minuten vorher war die Aktie der Firma vom Handel ausgesetzt worden.

Ab dem 7. Februar wurde emsig gehandelt

Zuvor jedoch war die Aktie dadurch aufgefallen, dass sie sehr rege gehandelt wurde, und zwar bereits ab dem 7. Februar 2002. Das gilt vor allem für den Handel am Neuen Markt in Frankfurt.

In Zahlen: Noch am 6. Februar lag die Zahl der gehandelten Papiere bei 20.894. Am Folgetag explodierte der Umsatz plötzlich auf 1.029.190 Aktien. Der Trend setzte sich fort: Am 8. Februar lag die Zahl bei 225.205, am 11. Februar bei 63.589 und am 12. Februar bei 249.844 Aktien.

Kurz vor Handelsaussetzung gab es kein Halten mehr

Auch am Tag der Insolvenz-Meldung waren die Volumina außergewöhnlich hoch. In den wenigen Stunden vor Handelsaussetzung erreichte der gehandelte Nennwert am Frank-furter Neuen Markt eine Größenordnung von 321.024 Aktien. Das entspricht einem Volumen von 93.898 Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Volumen der letzten 30 Tage lag bei lediglich 38.623 Euro pro Tag.

Die Prüfung des Sachverhaltes ist nun Sache des Bundesaufsichtsamtes. BAWe-Sprecherin Regina Nößner gegenüber manager-magazin.de: "Bei der Analyse, die wir nach der Insolvenz-Meldung routinemäßig einleiten, werden sich unsere Experten die jüngsten Umsätze sehr genau ansehen, um zu klären, ob es hier möglicherweise Hinweise auf illegale Geschäfte gibt."

Die Spur führt nach Bayern

Das Unternehmen selbst hat für die Umsatzexplosion keine Erklärung. CEO Karl-Heinz Claes gegenüber manager-magazin.de: "Uns sind diese hohen Volumina natürlich auch aufgefallen. Wir haben dann umgehend mit unseren Designated Sponsors darüber gesprochen, aber auch sie haben für das Phänomen keine Erklärung." Betreut wird Softmatic  von der Gontard & Metallbank  und der Lang & Schwarz Wertpapierhandel AG.

Nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden kam ein Teil der Orders aus dem Großraum München. Claes: "Was dahinter steckt, wissen wir auch nicht. Die Vorgänge sind für uns nicht nachvollziehbar. Wir haben den Fall intern geprüft und sind uns sicher, dass es bei uns kein Informationsleck gab. Der Kreis der Informierten war sehr klein."

Noch Ende 2001 positive Prognosen

Die Insolvenz-Meldung von Softmatic kam für einige Marktteilnehmer etwas überraschend. Das 1984 gegründete Software-Unternehmen hatte noch Ende vergangenen Jahres positive Prognosen für den weiteren Geschäftsverlauf abgegeben.

Gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" sagte Karl-Heinz Claes vor etwa zwei Monaten, sein Unternehmen habe für Anfang 2002 Aufträge im Wert von 870.000 Euro gesichert. Auch für die Zukunft zeigte sich der CEO sehr zuversichtlich. Claes wörtlich: "Softmatic spürt eine hohe Investitionsbereitschaft des Mittelstandes für Produktivität steigernde Softwarelösungen. Nach den bisher schon guten Verkäufen schließen sich in 2002 weitere große Aufträge an."

Hagenuk-Sequester soll Sanierung ausarbeiten

Diese Aussagen verfehlten ihre Wirkung nicht. In den folgenden Tagen stieg der Kurs um rund 30 Prozent an, ehe die Aktie ihre Talfahrt weiter fortgesetzte.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter für das angeschlagene Unternehmen wurde der Hamburger Sanierungs-Spezialist Hans-Jürgen Beil eingesetzt, der bereits einschlägige Erfahrung hat. Er betreute den insolventen Telefonhersteller Hagenuk - und das gleich zweimal nacheinander: Erst trat er 1997 als Vergleichsverwalter für das Kieler Unternehmen auf, dann musste er zwei Jahre später erneut nach Schleswig-Hostein reisen, da der neue Hagenuk-Eigner Tiptel am 9. Dezember 1999 Konkursantrag für seine neue Tochter stellte.

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