Viva Media AG Wer wusste vorher Bescheid?

Hohe Umsätze vor der Fusions-Meldung deuten auf Insider-Handel hin. Nun ermittelt das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel.
Von Clemens von Frentz

Hamburg - Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat erneut ein Insiderverfahren eingeleitet. Die Untersuchung soll klären, ob es im Vorfeld der Fusion von Viva Media AG  und Brainpool AG zu illegalen Insiderkäufen kam.

Am 6. November 2001 hatte die am Neuen Markt notierte Mediengesellschaft Viva Media nachbörslich gemeldet, dass sie ihren ebenfalls am Neuen Markt gehandelten Wettbewerber Brainpool ("TV Total") übernehmen wolle. Die Aktien beider Unternehmen gerieten trotz dieser positiven Nachricht am nächsten Tag bei hohen Umsätzen kräftig unter Druck. Brainpool schloss nach zweistelligen Gewinnen am frühen Morgen mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 3,80 Euro, Viva brachte es sogar auf einen Verlust von 15,4 Prozent und beendete den Handel mit 8,80 Euro.

Plötzlich kam Leben in die Aktie

Noch höher allerdings waren die Umsätze in den Tagen vor der Ad-hoc-Meldung. Insbesondere die Brainpool-Aktie fiel dadurch auf, dass sie ab Mitte Oktober rege gehandelt wurde und deutlich zulegte. Dies war vor allem deshalb ungewöhnlich, weil die Aktie unter Fachleuten bis dahin für ihre relativ niedrigen Handelsvolumina bekannt war.

Nach einer längeren Prüfung des Sachverhaltes hat das Frankfurter Bundesaufsichtsamt nun ein förmliches Insider-Verfahren eingeleitet. BAWe-Sprecherin Regina Nößner gegenüber manager-magazin.de: "Unsere Experten haben sich am heutigen Freitag noch einmal zusammengesetzt und den Fall beraten. Da unsere Analysen darauf hindeuten, dass möglicherweise einige Marktteilnehmer vorab informiert waren und sich vor der Fusions-Meldung mit Brainpool-Aktien eingedeckt haben, wurde heute mit einem offiziellen Untersuchungsverfahren begonnen."

Einen konkreten Verdächtigen gibt es nach den Angaben der BAWE-Sprecherin bislang nicht. Nößner: "Wir werden nun Kontakt mit dem Unternehmen aufnehmen und versuchen, bei den Banken die Käufer festzustellen und Verbindungen zu den Wissensträgern herzustellen."

Viva-Sprecher zeigt sich überrascht

Bei Viva zeigte man sich vom eingeleiteten Verfahren äußerst überrascht. "Wir können mit guten Gewissen sagen, dass wir alles getan haben, dass es nicht zu einem Insiderhandel kommt", sagte Sprecher Michael Armbrust. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass da etwas rauskommt", fügte er hinzu.

Die Brainpool-Gruppe ist ein Entertainment- und Medien-Konzern mit den Schwerpunkten Film- und TV-Produktionen, Internet, Merchandising und Events. Sie produziert TV Shows wie "Die Wochenshow" und "TV total" mit Stefan Raab.

Nach der Übernahme durch Viva Media hat die TV-Produktionsfirma den Neuen Markt zum 11. Januar verlassen. Seit dem 14. Januar wird sie nur noch am Geregelten Markt gehandelt.


Die Liste der Pleiten und Skandal am Neuen Markt

Verwandte Artikel