Neuer Bankenriese Santander und BCH vor der Fusion

In Spanien entsteht das zehntgrößte Geldinstitut Europas. Der Zusammenschluß hat bereits Spekulationen über weitere Fusionen angeheizt. Im Gespräch sind die Großbanken Bilbao Vizcaya, Argentaria und Banco Popular.

Madrid - Die spanischen Großbanken Santander und Central Hispanoamericano (BCH) verschmelzen zu dem mit Abstand mächtigsten Geldinstitut des Landes und zum zehntgrößten Europas. Die Zustimmung der Verwaltungsräte steht noch aus, gilt aber als sicher.

Beide Unternehmen kündigten am Freitag eine Fusion "auf der Grundlage der Gleichberechtigung" an. Sie soll nach Angaben aus Börsenkreisen über einen Aktientausch erfolgen. Für fünf BCH-Titel würden drei der Banco Santander geboten.

Der Zusammenschluß wäre der bislang größte in der Geschichte spanischer Banken. Die traditionsreiche Banco Santander war gemessen an ihren Aktiva bislang schon das größte Geldinstitut Spaniens, die BCH die drittgrößte.

Die Bilanzsumme des neuen Finanzkonzerns summiert sich auf rund 40 Billionen Peseten (476 Mrd. Mark). Der konsolidierte Nettogewinn beträgt per 30. September 1998 fast 170 Milliarden Peseten. Die neue Bankengruppe namens Banco Santander Central Hispano ist zudem mit Investitionen von 600 Milliarden Pesetas das größte ausländische Geldinstitut in Lateinamerika. Beide Unternehmen beschäftigen in 8000 Filialen mehr als 50.000 Mitarbeiter und verfügen über zehn Millionen Kunden.

Nach Bekanntwerden der Fusionspläne setzte die Börsenaufsicht umgehend die Notierung der Aktien beider Unternehmen aus, die bereits jetzt zu den fünf Großen des Landes gehören. Um die Einzelheiten auszuhandeln, kamen die Verwaltungsräte der zwei Banken am Nachmittag zu getrennten Sitzungen zusammen. Wie es hieß, soll die neue Gruppe zunächst gemeinsam vom Santander-Präsidenten Emilio Botin (64) und vom BCH-Präsidenten José Maria Amusátegui (66) geführt werden.

Nach Ansicht von Analysten ist die Konsolidierung des Bankenwesens und dessen strategische Entwicklung in Spanien nur über Fusionen dieser Art zu erreichen. Das Zusammengehen von Santander und BCH war noch nicht besiegelt, als bereits Spekulationen über weitere Fusionen laut wurden. Der zweite Bankenriese des Landes, die Banco Bilbao Vizcaya (BBV/Bilbao) sucht bereits seit längerem nach geeigneten Partnern. Im Gespräch sind die Großbanken Argentaria oder Banco Popular.

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