SEC Die Geldmaschine des Thomas J. McWhortle III

Im Kampf um den Anlegerschutz beschreitet die US-Börsenaufsicht neue, unkonventionelle Wege. Wer will schon zurückstehen, wenn ein Hersteller tragbarer Milzbrand-Detektoren an die Börse geht?

New York - Den amerikanischen Anlegern saß der Schock der tödlichen Milzbrand-Attacken noch in den Knochen, als sie vor einigen Wochen in diversen Finanz-Foren auf eine hochinteressante Investment-Chance stießen. Ein Unternehmen namens McWhortle Enterprises, so war in den Boards zu lesen, habe tragbare Detektoren für biologisch gefährliche Stoffe entwickelt und wolle am 30. Januar 2002 an die Börse gehen.

Für alle Aktionäre eine großartige Chance, die katastrophalen Verluste des Börsenjahrs 2001 mit einem netten Zeichnungsgewinn zu kompensieren. Und offenbar war auch die Fachwelt angetan. Auf der Homepage von McWhortle Enterprises fanden sich mehrere euphorische Statements verschiedener Finanzexperten, und die Referenzen des Firmengründers Thomas J. McWhortle III lasen sich erstklassig.

In wenigen Tagen verzeichnete die Homepage  des Unternehmens über 100.000 Zugriffe, und alle Anleger hatten nur einen Wunsch: Soviele Aktien wie möglich zu zeichnen. Kein Wunder - schliesslich war am 25. Januar über den renommierten Dienst "PRNewswire" eine offizielle Ankündigung  des Börsengang verbreitet worden, die sich wirklich vielversprechend las.

Die Sache hatte allerdings einen Haken. Es gab keine Konsortialbank für den Börsengang, es gab keine Aktien, und es gab auch keine Firma namens McWhortle Enterprises. Die ganze Sache war ein Fake, eine kunstvoll inszenierte Erfindung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission).

Die hatte auf ihrer Homepage  immer wieder vor Betrügern in Diskussions-Foren gewarnt und den Anlegern eindringlich geraten, nicht jedem "todsicheren Tipp" im Internet zu glauben. Da es trotz dieser Warnungen immer wieder zu folgenreichen Betrugsfällen kam, heckten die listigen SEC-Experten den Schwindel mit McWhortle aus.

Die Börsenaufseher gingen sogar soweit, dass sie eine Pressekonferenz inszenierten, auf der die Medienvertreter Möglichkeit zu einer Fragestunde mit Unternehmensgründer Thomas J. McWhortle III hatten. Dargestellt wurde der erfolgreiche CEO von keinem geringeren als Harvey Pitt - dem ehemaligen New Yorker Wirtschaftsanwalt, der seit einigen Monaten die SEC leitet.

Bedenken wegen der ungewöhnlichen Aktion hatte der SEC-Chairman nicht. "In einer perfekten Welt", so Pitt, "würden alle Anleger zuerst unsere Broschüren lesen, bevor sie derartige Entscheidungen treffen. Aber leider tun sie es nicht." Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich das nun ändert...

CvF

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