Clearstream Übernahme so gut wie sicher

Die Deutsche Börse wird den Abwickler komplett übernehmen. Konkurrent Euroclear hat das Nachsehen.

Frankfurt - Die Deutsche Börse  wird voraussichtlich den Luxemburger Abwickler von Börsengeschäften Clearstream komplett übernehmen. Damit hätten sich die Frankfurter gegen den Brüsseler Konkurrenten Euroclear durchgesetzt.

Wie die Betreiber der Börse am Freitag in Frankfurt mitteilten, habe sich ihr Aufsichtsrat und der Vorstand der Holding Cedel International auf ein Übernahmeangebot für die 50 Prozent Anteile von Cedel an Clearstream geeinigt.

Clearstream werde mit 3,2 Milliarden Euro bewertet, daher biete die Deutsche Börse den Cedel-Aktionären für die 50 Prozent 1,6 Milliarden Euro. Die Übernahme bedürfe der Zustimmung von zwei Drittel der Cedel-Aktionäre sowie der Aufsichtsbehörden und des Aufsichtsrats der Deutschen Börse.

Der Clearstream-Aufsichtsrat hatte bereits Anfang Dezember den Cedel-Aktionären empfohlen, das Angebot zu akzeptieren. Die Deutsche Börse hält bereits 50 Prozent an Clearstream.

Sollte das Angebot angenommen werden, werde Cedel liquidiert, hieß es. Über die 1,6 Milliarden-Offerte hinaus sollen die Cedel-Aktionäre dann einen Betrag in Höhe des zu liquidierenden Bar-Restwertes der Holding erhalten. Dieser werde auf etwa 150 Millionen Euro geschätzt.

Cedel-Aktionäre haben das Wahlrecht

Den Aktionären stehe es frei, zwischen einer Barzahlung oder einem Tausch gegen Aktien der Deutschen Börse zu wählen. Aktien der Deutschen Börse werden bis zu einer Maximalzahl von acht Millionen Anteilsscheinen geboten. Ihre Offerte will die Deutsche Börse bis spätestens 28. Februar unterbreiten, gültig sei sie von da an für sechs Wochen. "Da wir eine Einigung mit den Eigentümern von Cedel erreicht haben, sind wir sehr zuversichtlich, dass das Angebot angenommen wird", sagte Börsensprecher Frank Hartmann.

Die Deutsche Börse schätzt den Jahresüberschuss von Clearstream vor Synergien und Restrukturierungsaufwendungen auf rund ein Zwangzigstel der Bewertung von 3,2 Milliarden Euro. Für das erste volle Geschäftsjahr nach der Übernahme geht die Börse zudem davon aus, dass der Cash flow ihrer Aktie um rund 50 Prozent pro Stück steigen wird.

Euroclear hat das Nachsehen

Mit dem Kauf von Clearstream hat sich die Deutsche Börse gegen den Brüsseler Abwickler Euroclear durchgesetzt, der ebenfalls sein Interesse angemeldet hatte. Clearstream war aus dem Zusammenschluss der Deutsche Börse Clearing und dem Abwickler Cedel hervorgegangen.

Heute ist Clearstream neben Euroclear der führende Abwickler von Wertpapiergeschäften in Europa. Abwickler sorgen unter anderem dafür, dass Aktien bei An- und Verkäufen tatsächlich den Besitzer wechseln.