Euro Doch kein Teuro?

Die Verbraucherpreise sind "im normalen Rahmen" um 2,1 Prozent gestiegen. Dennoch sehen viele Bürger den Euro als "Teuro": Preise für Obst und Gemüse gehören zu den Aufregern.

Frankfurt/Main - Der Euro scheint insgesamt doch kein "Teuro" zu sein, auch wenn dies viele Menschen anders empfinden. Zahlreichen Preiserhöhungen im Zuge der Währungsumstellung hatten für Unmut gesorgt.

Das Statistische Bundesamt versucht die Wogen zu glätten. Das Amt berichtete am Donnerstag, die Verbraucherpreise seien im Januar 2002 nach ersten Berechnungen um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Gegenüber Dezember 2001 wurde eine Preiserhöhung um 0,9 Prozent festgestellt. Preistreiber seien Obst, Gemüse und die Steuererhöhungen gewesen. Der Einzelhandelsverband HDE und der DIHK erklärten, der verhaltene Anstieg der Inflation zeige, dass der Euro kein Teuro sei.

Obst, Gemüse und Steuern als Preistreiber

Laut Statistischem Bundesamt verteuerten sich die Preise für frisches Obst und Gemüse wegen der "ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse in Südeuropa". Die Statistiker schätzen diesen Einfluss auf rund 0,4 Prozentpunkte beim Gesamtindex.

Höhere Steuern auf Tabak und Treibstoff

Die ab Januar gültigen Steuererhöhungen - Tabaksteuer mit einem Cent je Zigarette, Mineralölsteuer mit 3,1 Cent je Liter Benzin und Energiesteuer mit gut 0,2 Cent je Kilowattstunde sowie die Versicherungssteuer - könnten die Rate im Vormonatsvergleich um etwa 0,4 Prozentpunkte und im Jahresvergleich um etwa 0,1 Prozentpunkte erhöht haben.

"Ohne die gestiegenen Preise für Obst und Gemüse sowie ohne die Preiswirkungen der Steuererhöhungen wären die Verbraucherpreise rechnerisch gegenüber dem Vorjahr um etwa 1,6 Prozent und gegenüber dem Vormonat um etwa 0,1 Prozent gestiegen", so das Bundesamt. Diese Entwicklung lasse den Schluss zu, `dass der Übergang auf Euro-Preise Anfang Januar den Gesamtindex in Deutschland nicht erheblich beeinflusst hat". Zusätzliche Analysen zu den Einflüssen des Euro-Starts wollten die Statistiker Ende Februar vorlegen.

Topmanager sehen Euro dennoch als "Teuro"

Nichtsdestotrotz scheint die Umstellung auf Euro von vielen Bundesbürgern als Preistreiber empfunden zu werden. So berichteten Verbraucherzentralen bundesweit bereits Anfang der Woche, dass seit Anfang Januar bis jetzt Tausende Beschwerden über Preiserhöhungen eingegangen sein.

Auch die Führungskräfte in den Unternehmen haben nach einer Umfrage für den "Handelsblatt"-Business-Monitor offensichtlich den Eindruck, dass der Euro preistreibend wirkt. 44 Prozent der Top-Manager haben den Eindruck, es habe "auf breiter Front" Preiserhöhungen gegeben, 40 Prozent sind der Ansicht, es gebe vereinzelte Preisanstiege.

Der Chefvolkswirt des Einzelhandelverbandes HDE, Robert Weitz, stellte aufgrund der Daten aus Wiesbaden fest: "Der Anstieg der Inflationsrate im Januar geht auf das Konto von Dienstleistern und Staat. Der Einzelhandel hat den Euro nicht zu Preiserhöhungen genutzt." Nur die Preise für Obst und Gemüse seien hier – aus saisonalen Gründen - gestiegen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, offenkundig lasse der harte Wettbewerb auf den Märkten insgesamt keinen starken Preisanstieg zu. Der DIHK forderte dazu auf, allein den Preisindex der Lebenshaltung als Indikator zu verwenden. Dieser erfasse einen Warenkorb, der repräsentativ die Güternachfrage der privaten Haushalte abbilde. Untauglich seien dagegen Versuche, den Einfluss des Euros durch die Beobachtung willkürlich ausgewählter Produktpreise zu messen.