Schnäppchen Pro Sieben schluckt ddpADN

Für Pro Sieben hat der Winterschlußverkauf bereits begonnen. Der TV-Konzern hat sich die Nachrichtenagentur ddpADN einverleibt, für einen einstelligen Millionenbetrag.

München/Berlin - Der Medienkonzern Pro Sieben hat sich mit der Übernahme der deutschen Nachrichtenagentur ddpADN ein weiteres Standbein geschaffen. Mit dem Zukauf will Pro Sieben sein News-Angebot im Bereich Videotext und Online-Dienste ausbauen.

Pro Sieben verstärke sein Engagement im Bereich aktuelle Information, sagte Vorstandschef Georg Kofler am Freitag. ddpADN werde in das Geschäftsfeld Multimedia der Pro Sieben-Gruppe integriert, bleibe aber auch als klassische Nachrichtenagentur bestehen, hatte ein Pro Sieben-Sprecher bereits am Vorabend erklärt.

ddpADN entstand Ende 1993 aus dem Zusammenschluß der ehemaligen amtlichen DDR-Nachrichtenagentur ADN und der 1971 in Bonn gegründeten Agentur Deutscher Depeschen Dienst (ddp). Vereinigt wurden die beiden Agenturen unter dem damaligen Eigentümer, der Düsseldorfer Effecten-Spiegel AG. Bereits Ende 1994 übernahm ddpADN-Geschäftsführer Wolf E. Schneider alle Anteile.

Schneider solle auch künftig das Unternehmen leiten, hieß es. Er zeigte sich auf Nachfrage zufrieden mit der neuen Partnerschaft. Das klassische Nachrichtengeschäft solle ausgebaut werden, vor allem die Landesdienste. Den Mitarbeitern sei eine Arbeitsplatzgarantie bis März 2001 zugesichert worden. Der Kauf sei bereits mit Wirkung zum 31. Dezember 1998 erfolgt.

Zur aktuellen Ertragslage und zur Zahl der Kunden von ddpADN machte Pro Sieben keine Angaben. Die Agentur beschäftigt derzeit bundesweit 80 festangestellte und rund 70 freie Mitarbeiter. Die Zentralredaktion sitzt in Berlin. 1997 wurde ein Wirtschafts-Nachrichtendienst als Tochterunternehmen gegründet.

Zum ProSieben-Konzern gehört neben dem gleichnamigen TV- Flaggschiff auch der Fernsehsender Kabel 1. ProSieben ist der erste und bislang einzige börsennotierte TV-Sender Deutschlands. Die stimmberechtigten Aktien hält zu 58,4 Prozent Thomas Kirch, der Sohn des Mediengrossisten Leo Kirch. Die übrigen 41,6 Prozent gehören dem Rewe-Konzern. Pro Sieben-Chef Kofler äußerte bereits mehrfach Interesse, die Senderfamilie durch Übernahme eines Konkurrenten zu erweitern.

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