Deutsche Bank Nervenprobe

Anhaltende Gerüchte um einen Wechsel nach London drücken den Titel kräftig ins Minus.

Frankfurt - Der Rücktritt von Thomas Fischer aus dem Vorstand der Deutschen Bank  ist an der Börse offenbar nur auf mäßiges Interesse gestoßen. Die Aktie leide vielmehr unter anhaltenden Gerüchten, die größte deutsche Privatbank könnte wesentliche Teile ihres Geschäfts nach London verlagern.

Zudem wurden sämtliche Bankentitel von Sorgen belastet, dass nach der Pleite des US-Energiekonzerns Enron weitere Firmeninsolvenzen bevorstehen könnten. In diesem Fall müßten auch die deutschen Kreditinstitute weitere Rückstellungen bilden. Der Titel der Deutschen Bank gab einen Tag vor Bekanntgabe ihrer Bilanz 3,4 Prozent ab und gehörte gemeinsam mit dem Finanzdienstleister MLP zu den schwächsten Werten im Dax.

"Die Kunden werden wohl kaum mit umziehen"

Die Deutsche Bank hatte sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Top-Manager Fischer getrennt. Der oberste Risikokontrolleur, der seit 1999 als Vorstandsmitglied in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank sitzt, galt in Bankenkreisen als einziger erklärter Gegner der neuen Führungsstruktur unter dem designierten Vorstandschef Josef Ackermann und der weiteren Gewichtsverlagerung des Geldinstituts nach London.

"Ob Herr Fischer geht oder nicht, ist egal", sagte ein Händler. Schon Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer habe bei seinem Amtsantritt die Bank verändern wollen, jetzt trete Ackermann an, um Veränderungen herbeizuführen. "Der Rücktritt Fischers ist das erste Zeichen", sagte der Börsianer.

Vor allem aber belasteten die anhaltenden Gerüchte, dass die Frankfurter Großbank Teile des Geschäfts nach London verlagern könnte, hieß es. "Das betrifft uns", sagte ein Händler. Ein anderer meinte, eine mögliche Verlagerung hätte Auswirkungen auf die Kundenstruktur. "Die Deutsche hat einen starken Mittelstands-Bestand, und die Mittelständler werden wohl kaum mitgehen nach London", meinte er.