Lehman Brothers Schwieriges Marktumfeld für Geldhäuser

"Buy British", raten die Analysten. Im Bankensektor hinkt der Kontinent hinterher.

London - Die Investmentbank Lehman Brothers sieht im europäischen Bankensektor in diesem Jahr keine besonderen Investitionsanreize. In einer am Freitag veröffentlichten Studie schrieben die Analysten, die Branche werde sich im Jahr 2002 insgesamt seitwärts bewegen und zum Teil kleinere Abgaben verzeichnen. Die Aussichten des Bankensektors seien 2002 jedoch immerhin "signifikant weniger schlecht" als noch vor zwölf Monaten.

Bei einer Anlage in Bankentitel rät Lehman Brothers uneingeschränkt zur Befolgung des Mottos "Buy British". Die britischen Banken seien weit besser positioniert. Die Investmentbanker rieten, britische Bankenaktien im Vergleich zu europäischen Titeln "aggressiv überzugewichten".

Im Gegensatz zur kontinentaleuropäischen Konkurrenz hätten die meisten britischen Banken schon Wertberichtigungen vorgenommen, die das schwieriger werdende Marktumfeld und die nachlassende Profitabilität im kommenden Jahr berücksichtigten.

Der Schlüssel zur Bewertung der Bankentitel sei die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Europa werde es bis in das zweite Quartal hinein schwach bleiben. Danach werde ein gewisses Wachstum einsetzen.

Die Papiere der meisten Banken hätten diesen Aufschwung jedoch bereits in den Kursen eingepreist. "Die Erholung von den Tiefständen des vergangenen Jahres (...) ist jetzt abgeschlossen", urteilen die Experten. Deshalb werde der europäische Bankensektor eher seitwärts tendieren.

Insgesamt werden nach Einschätzung von Lehman Brothers die Performance-Unterschiede zwischen Top-Titeln und marktdurchschnittlichen Titeln geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Deshalb sei es für die Anleger noch wichtiger als in der Vergangenheit, tagesaktuelle Nachrichten zu berücksichtigen, um Banken mit höherer Performance herauszufiltern. Das lohnende "Stock Picking" werde somit noch schwieriger als bisher.


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