Börse Bessere Preise für Privatanleger?

Mit einem neuen Handelssystem will die Deutsche Börse Kleinanleger locken. Doch tatsächlich hätte die Börse damit vor den Banken kapituliert, sagen Analysten.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse will Marktteilnehmern eine zusätzlichen Handelsmöglichkeit für Aufträge von Privatanlegern auf der elektronischen Plattform Xetra anbieten. Das neue Angebot namens "Xetra Best Execution" (Xetra Best) soll dafür sorgen, dass die Orders von Privatanlegern sofort ausgeführt werden. Nach diesem Modell sollen Banken die Aufträge der Kleinanleger zu Kursen ausführen können, die für die Privatanleger günstiger seien als die Kurse im offenen Xetra-Orderbuch.

Xetra Best biete eine Preisverbesserung gegenüber dem Preis, der aktuell im Xetra-Orderbuch entstanden wäre, sagte Börsenvorstand Volker Potthoff. Das neue Produkt soll den Marktteilnehmern im Herbst zur Verfügung stehen - falls der Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse zustimmt.

Xetra Best kein Börsenhandel im engeren Sinne

Die Xetra-Best-Preise seien zwar Börsenpreise, allerdings kein Börsenhandel im engeren Sinne, fügte Potthoff hinzu. Um die Sicherhiet für das Xetra-Orderbuch zu gewährleisten, müsse der Intermediär, der Xetra-Best nutze, auch im Xetra-Orderbuch als "Liquidity Provider" auftreten. Für die Nutzung von Xetra Best werde es eine Gebühr geben. Weitere Details nannte Potthoff nicht. Er verwies darauf, dass Limitorders und das institutionelle Geschäft von diesem Angebot nicht berührt seien. Auch für Privatanleger bleibe die Limitorder eine Alternative zur Sofortigkeit im Xetra-Best-Modell.

Banken machten Druck

In der Vergangenheit hatten Banken immer mehr auf die Möglichkeit gedrängt, ihren Strom von Privatorders gegen den eigenen Bestand verrechnen zu können. Ein großer Marktteilnehmer arbeitete sogar an einer eigenen Plattform hierzu.

Mit Xetra Best will die Deutsche Börse nach eigenen Angaben auch eine Fragmentierung des Marktes verhindern. Durch das neue Angebot bleibe die Liquidität auf der Xetra-Handelsplattform gebündelt. Marktbeobachter haben dies am Freitag allerdings bezweifelt und warnten vor einem "Micky-Mouse-Markt".

Analyst: "Die Börse hat kapituliert"

Analysten haben die Xetra-Best-Plattform der Deutschen Börse als Strategiewechsel gewertet. "Das ist eindeutig so", unterstrich ein Analyst. Zuvor habe die Börse stets betont, dass eine interne Verechnung des Privatorderstroms der Banken keine Alternative zur börslichen Preisfeststellung sei. "Nun hat die Börse vor diesem Trend kapituliert", sagte ein Branchenexperte.

Jörn Kissenkötter (M.M. Warburg) zeigte sich etwas positiver gestimmt. Falls der Trend zur internen Verrechnung bei den Banken nicht aufzuhalten sei, dann sei der nun eingeschlagene Weg der Deutschen Börse der richtige, sagte er. Dadurch, dass solche Geschäfte durch Xetra-Best auf Xetra verblieben, verdiene die Deutsche Börse zumindest noch an den Gebühren für die Plattformnutzung. Allerdings gebe die Deutsche Börse schon Geschäft an die Banken ab, stellte Kissenkötter klar.

Dies sah auch eine Analystin der Bankgegsellschaft Berlin so. Allerdings treffe dieses Problem nicht nur die Deutsche Börse, sondern alle Marktplätze weltweit. Auch sie wertete positiv, dass die Börse in Frankfurt mit dem neuen Modell wenigstens an den Gebühren verdiene. Insofern passe sich die Deutsche Börse an die realen Verhältnisse an. Und Anpassungsfähigkeit sei im Allgemeinen ja nichts Schlechtes.

Die Banken sparen Geld

Für die Banken sei das Xetra-Best-Angebot indes "sehr profitabel", erläuterte Kissenkötter. So rechnet der Analyst damit, dass der Branchenprimus Deutsche Bank die immer wieder kolportierten Pläne zum Aufbau einer eigenen Plattform fallen lässt und das Angebot der Deutschen Börse nutzen wird. "Es ist erheblich billiger, sich an eine Plattform anzuschließen, als selbst eine solche Infrastruktur zu entwickeln", so Kissenkötter.

Zugleich versprechen sich die Banken von der internen Abwicklung höhere Margen. Die Institute können von dem Orderstrom, der bei ihnen ankommt profitieren, indem sie an der Preisdifferenz zwischen An- und Verkaufsorders (Spread) Geld verdienen.

Hauptsächliche Leidtragende von Xetra Best seien vor allem die Freimakler, hieß es auf Frankfurter Finanzkreisen. Die von ihnen betreuten eher kleineren Orders, würden nun von den Banken an sich gezogen. Für die Banken bringe dies zwar immense Ersparnisse, hieß es unter Verweis auf die wegfallenden Maklercourtagen. Die Freimakler seien dann aber nicht mehr existenzfähig.

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