Schienenverkehr Bahn frei

Die Post und der private Kurierdienst UPS können künftig mit eigenen Zügen auf dem Netz der Deutschen Bahn Pakete und Frachtsendungen transportieren.

Bonn - Beide Unternehmen hätten sich jetzt mit der Netzgesellschaft der Bahn über die Preise für eine Trassenbenutzung verständigt. Das teilte am Donnerstag das Bundesverkehrsministerium in Bonn mit. Eine Entscheidung über den sogenannten Express Shuttle ist damit aber noch nicht getroffen. Möglicherweise werde man auch darauf verzichten, den geplanten Nachttransport in Eigenregie zu betreiben, und dies statt dessen durch die Bahn abwickeln lassen, sagte ein Sprecher der Bonner Post-Zentrale auf Anfrage.

Die Deutsche Post AG und UPS hatten bereits im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, mit einem gemeinsamen Projekt wieder mehr Frachtsendungen von der Straße auf die Schiene zu bringen. Beginnen wollen sie mit dem Aufbau einer Nord-Süd-Verbindung, auf der Sendungen im Nachtsprung zu ihren Zielen befördert werden sollen. Später sollen weitere Strecken hinzukommen. Beide Unternehmen wollen in der Endausbaustufe des neuen Systems etwa ein Drittel ihres inländischen Frachtverkehrs per Bahn transportieren. Zur Zeit liegt dieser Anteil bei der Post je nach Aufkommen zwischen zehn und 20 Prozent, bei UPS sogar bei nur fünf Prozent.

Während sich beide Partner noch im vergangenen Jahr fest entschlossen zeigten, den Express Shuttle selbst auf die Schiene zu setzen, ist dies jetzt nicht mehr sicher. "Es gibt mehrere Optionen", betonte Postsprecher Martin Dopychai. Wenn die Bahn ein konkurrenzfähiges Angebot vorlege, sei es auch möglich, daß der Staatskonzern den Nachttransport im Auftrag übernehme. Darüber habe es parallel zu den Planungen für den Express Shuttle bereits Verhandlungen zwischen dem Konzernvorstand der Post und der Cargo- Tochter der Bahn gegeben. Die endgültige Entscheidung falle in Kürze.

Offen ist die Entscheidung auch noch bei UPS. "Aber wir bevorzugen den Express Shuttle", sagte der UPS-Vertreter in Bonn, Hans-Peter Teufers. Entscheidend sei, daß der Bahntransport mindestens dieselben Anforderungen an Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit erfülle wie der Lastwagen.

Ähnlich dem Cargo-Sprinter der Deutschen Bahn soll der Express Shuttle mit zwei Triebköpfen ausgerüstet werden und sowohl mit Diesel als auch Strom fahren können. Diese Züge könnten selbst rangieren und auch auf kleineren, nicht elektrifizierten Trassen fahren. Langstrecken sollen sie - zusammengekoppelt zu einem Zug - mit bis zu Tempo 160 zurücklegen. Die Investitionskosten des Gesamtprojektes belaufen sich nach Angaben Teufers auf rund 250 Millionen Mark. Dafür könne man im Endausbau bis zu 70 Shuttle-Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Da die Verhandlungen mit der Bahn lange Zeit schleppend verliefen, ist mit dem ursprünglich erwarteten Start des Express Shuttles im Herbst nicht mehr zu rechnen. Teufers geht jetzt von Anfang nächsten Jahres aus.

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