Thyssen Krupp Konjunktureller Gegenwind

Die Stahlkrise geht auch an dem neuen Ruhrgiganten nicht spurlos vorbei, erklärten die Chefs Schulz und Cromme. Kurz vor dem gemeinsamen Start stellten sie das neue Logo vor.

Düsseldorf - Der steile Gewinnanstieg der letzten Jahre werde sich angesichts der Stahlkrise im Geschäftsjahr 1998/99 voraussichtlich nicht fortsetzen. Das machten der Thyssen-Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz und Krupp-Chef Gerhard Cromme am Donnerstag gemeinsam in Düsseldorf deutlich.

Cromme sagte, der Krupp-Konzern habe angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Entwicklung in seinen Planungen bereits Abschläge gegenüber dem sehr guten Jahr 1998 vorgenommen. Der Außenumsatz habe im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bei Krupp mit 5,5 Milliarden Mark um sechs Prozent unter dem Quartalsdurchschnitt des Rumpfgeschäftsjahres 1998 gelegen.

Bei Thyssen blieb das Ergebnis Schulz zufolge nach dem Rekordjahr 1997/98 auch in den ersten beiden Monaten des laufenden Geschäftsjahres "auf einem hohen Niveau". Allerdings sank der Umsatz im Unternehmensbereich Stahl, der im abgelaufenen Jahr den Löwenanteil des Gewinns erwirtschaftete, um zehn Prozent. Die Rohstahlerzeugung bei Thyssen Krupp Stahl ging im Vorjahresvergleich um 22 Prozent zurück. Nun hofft Schulz für die zweite Jahreshälfte auf eine Entspannung der Situation bei den Billigstahl-Importen durch die Anti-Dumping-Klage der europäischen Stahlunternehmen in Brüssel.

Das neue Unternehmen soll am 1. März mit rund 173.000 Beschäftigten und 70 Milliarden Umsatz rückwirkend zum 1. Oktober seine Arbeit aufnehmen, falls es nicht noch zu Verzögerungen durch Anfechtungsklagen mehrerer Aktionäre gegen die Fusion kommt. Jeder Monat Verzögerung werde den Konzern rund 40 Millionen Mark kosten, warnte Cromme. Die Unternehmen wollen dies mit Eilverfahren vor den Landgerichten in Essen und Duisburg verhindern.

Trotz der Unsicherheiten sind die Unternehmen allerdings längst dabei, die Weichen für die weitere Expansion des Unternehmens auf dem Weltmarkt zu stellen. Zusammen wollen die Unternehmen in den nächsten drei Jahren zehn Milliarden Mark investieren. Das Kerngeschäftsfeld Aufzüge wurde im Januar bereits durch den Kauf der nordamerikanischen Aktivitäten der Dover Corporation gestärkt. In der globalen Rangliste stehe die Sparte nun auf dem dritten Platz hinter Otis und Schindler, sagte Schulz.

Auch die Handelsaktivitäten sollen zügig ausgebaut werden. Geplant ist der Erwerb von Mannesmann Handel mit einem Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Mark. Außerdem gebe es Gespräche mit der Münchner Viag über den möglichen Erwerb des Werkstoffbereichs von Klöckner & Co mit einem Umsatzvolumen von über zehn Milliarden Mark.

Das ebenfalls in Düsseldorf vorgestellte neue Logo des Gemeinschaftsunternehmens Thyssen Krupp bietet den traditionellen Krupp-Ringen ein Dach unter dem weltbekannten Thyssen-Bogen. Doch sei dies nicht so zu verstehen, daß Krupp bei Thyssen Unterschlupf gefunden habe, betonte Cromme. Das neue Logo verbinde vielmehr die bekannten Firmenzeichen zu einem kraftvollen neuen Symbol.

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