SAP Geringer Anstieg der Lizenzerlöse erwartet

Einen Tag vor den Zahlen wiederholt Merrill Lynch seine Empfehlung.

Frankfurt am Main - Wenn SAP am Mittwoch seine vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2001 vorlegt, dürften negative Überraschungen ausbleiben. Diese hat der Software-Konzern bereits im November geliefert, als er die Prognosen für das Geschäftsjahr 2001 herabgesetzt hat.

Nachdem unmittelbar nach den Terroranschlägen in den USA noch beteuert wurde, dass der Umsatz um 20 Prozent und die operative Marge auf bis zu 22 Prozent wachsen würden, ruderte SAP fünf Wochen später zurück. Das Erlöswachstum sollte "nur" noch 15 Prozent und die Rendite unverändert 20 Prozent betragen.

Am Dienstag hat Merrill-Lynch-Analyst Daud Khan seine Kaufempfehlung für SAP wiederholt und das langfristige Kursziel von 185 Euro bestätigt. Eine Erholung in den USA sollte der Aktie starken Rückenwind geben. Der schrittweise Rückzug von Commerce One sei nicht überraschend.

Gute Eckdaten veröffentlicht

Dass die Korrektur der Zahlen - zumindest beim Umsatz - etwas tief gestapelt war, zeigte die Verlautbarung Anfang Januar, als die Walldorfer den erwarteten Umsatzanstieg auf mindestens 16 Prozent anhoben. Die Lizenzerlöse lagen allein im vierten Quartal über einer Milliarde Euro und damit weit über den Konsensschätzungen von 788 Millionen Euro. Allerdings dürften sie damit kaum gestiegen sein, verglichen mit 1,056 Milliarden Euro im Vorjahr.

Gleichzeitig wurde die prognostizierte operative Marge von 20 Prozent bekräftigt. Somit dürfte diese im Schlussquartal bei über 30 Prozent gelegen haben. Berücksichtigt man das schwierige wirtschaftliche Umfeld, sind das insgesamt solide Zahlen.

Sparen, heißt die neue Devise in Walldorf

Da das Umsatzwachstum nicht mehr das frühere Tempo aufweist, müssen die Unternehmenslenker Hasso Plattner und Henning Kagermann verstärkt auf die Kostenbremse treten. Einsparpotenziale werden auch bei den galoppierenden Personalkosten gesehen. Als Gegenmaßnahmen wurden in den USA bereits 300 Stellen abgebaut, in Deutschland sollen leistungsschwächere Mitarbeiter gehen. Am Mittwoch dürfte sich deshalb das Augenmerk auf die Kostenseite, das weiterhin problembehaftete US-Geschäft sowie die schleppenden Erlöse mit Softwarelizenzen richten.

Letztere sanken im dritten Quartal um sieben Prozent, in den USA sogar um 34 Prozent. Für das vierte Quartal ist konzernweit sogar mit einem weitaus stärkeren Rückgang zu rechnen. Nach neun Monaten wurde ein Wachstum der Lizenzeinnahmen von elf Prozent gemeldet, während in den USA ein Minus von 13 Prozent heraussprang. Vor allem interessiert aber, welche Wachstumsraten das Unternehmen bei Umsatz und Ergebnis für das Gesamtjahr 2002 oder zumindest für die ersten sechs Monate erwartet.

Von vwd befragte Analysten rechnen beim 2001er-Umsatz mit einer Erhöhung zwischen 16 und 16,5 Prozent auf 7,268 bis 7,300 (Vorjahr: 6,266) Milliarden Euro. Die Lizenzerlöse dürften dabei um 3,7 bis 4,4 Prozent auf 2,551 bis 2,566 (2,459) Milliarden Euro klettern. Das Ebit vor dem Mitarbeiterbonusprogramm Star wird auf 1,392 bis 1,460 (1,235) Milliarden Euro geschätzt, ein Anstieg zwischen 12,7 und 18,2 Prozent. Daraus ergibt sich eine erwartete operative Marge zwischen 19,2 und 20,0 Prozent. Inklusive Star-Aufwendungen, die im Vorjahr noch relativ heftig zu Buche schlugen, dürfte das Ebit um 59,3 bis 68,1 Prozent auf 1,270 bis 1,340 (0,797) Milliarden Euro angezogen haben.

Beim Vorsteuerergebnis rechnen die Analysten mit einem Wachstum zwischen 6,9 und 18,7 Prozent auf 1,096 bis 1,217 (1,025) Milliarden Euro. Das erwartete Ergebnis nach Steuern wird auf 0,577 Milliarden bis 0,718 (0,626) Milliarden Euro beziffert. Damit reichen die Prognosen von einem Rückgang um 7,8 Prozent bis zu einem Anstieg um 14,7 Prozent.


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