Netzwerkausrüster Glasfaser - Glück in Scherben

Noch vor zwei Jahren waren sie die absoluten Favoriten der internationalen Finanzmärkte, dann kam der Absturz. Die Aktien aus dem Glasfaser-Bereich wurden vom Platzen der "New-Economy"-Blase besonders hart getroffen. Die Anleger-Frage heißt heute: Ist der Boden endlich erreicht?

Von der Goldgräberstimmung an den Hightech-Märkten profitierten die Kurse der Anbieter von Glasfasern und Netzwerktechnik am stärksten. Wenn das Internet die Welt verändern soll, dann braucht es auch die entsprechende Infrastruktur - das war das Argument, mit dem Analysten Werte wie Lucent, Corning, Cisco, Ciena, Juniper, JDS Uniphase, Nortel oder Alcatel über den grünen Klee lobten.

Schnee von gestern. Im S&P-500-Index finden sich JDS Uniphase, Corning, Ciena und Applied Micro Circuits unter den 20 Werten mit den höchsten Kursverlusten. Heute beurteilen Experten die Lage der Glasfaser-Unternehmen als düster. "Nur drei Prozent der weltweit verbuddelten Kabel werden genutzt", sagt David Milleker von der Dresdner Bank. "Da ist allein schon die Instandhaltung ein sehr teurer Kostenfaktor", ergänzt der Analyst. Gewinnwarnungen und -einbrüche wie zuletzt bei Lucent und Ciena scheinen die logische Folge.

Das Wachstum des Internets sollte sich eigentlich auch in der Zahl der verkauften Rechner niederschlagen - doch mit einem Rückgang von 4,6 Prozent sind die PC-Verkäufe stattdessen im vergangenen Jahr erstmals seit 1985 geschrumpft, hat das renommierte Marktforschungsinstitut Gartner Dataquest ermittelt. Auch wenn der Absatz in 2002 laut Gartner-Prognose wieder um vier Prozent steigt, kennzeichnet dies doch eher eine stetige denn eine revolutionäre Entwicklung. Welche Chancen können die Netzwerk- und Glasfaser-Konzerne sich angesichts der schwachen Nachfrage noch ausrechnen?

Die häufig von hohen Schuldenlasten gedrückten Telekommunikations-Konzerne haben ihre Nachfrage im dritten Quartal abrupt gedrosselt. Das zeigt sich symptomatisch an der optoelektronischen Sparte des Global Player Alcatel. Hatte der Sektor in den ersten drei Quartalen 2001 noch einen Gewinn von 40 Millionen Euro gemeldet (10 Prozent vom Umsatz), liefen im vierten Quartal bereits 9,9 Millionen Euro Verlust auf. Der Umsatz schrumpfte um ein Viertel.

Ob und wann sich die Auftragslage wieder verbessern könnte, mag Niel Ransom, Chef von Alcatel Optronics, nicht konkret beantworten. "Eine Belebung könnte in der zweiten Jahreshälfte erfolgen, wenn es zu einem Durchbruch des Breitbandgeschäfts kommt", sagt Ransom. Mit Sicherheit lasse sich der Trendwechsel aber nicht vorhersagen. Die Voraussetzung wäre, dass Unternehmen und Privathaushalte den Bedarf für einen schnelleren und wesentlich umfangreichen Datenfluss via Glasfaser erkennen und abfordern.

Der japanische Hersteller von Glasfaser-Komponenten Furukawa nennt als Zeitpunkt für einen möglichen Aufschwung "frühestens das Jahr 2003". Trotzdem kauften die Japaner im November die verlustreiche Glasfaser-Sparte des US-Telekomausrüsters Lucent Technologies für 2,3 Milliarden Dollar. Die Belegschaft dieser Abteilung soll allerdings um mehr als 50 Prozent reduziert werden. Analysten äußerten sich trotz eines kurzfristig um 225 Millionen Dollar reduzierten Preises kritisch zu der Übernahme.

Wenn die Glasfaser-Technik sich allerdings tatsächlich international etablieren kann und das Geschäft mit Komponenten und Service-Leistungen in der Folge anzieht, könnten die zuletzt stark gesunkenen Aktien in diesem Sektor einen zweiten Frühling erleben. Branchen-Analysten, die dieses Szenario vorzeichnen, gibt es aber nur noch wenige - schließlich will man sich nicht zweimal an derselben Flamme die Finger verbrennen.

Christian Buchholz