3sat-Börse Neue Arbeit für die Wertpapieraufsicht

"Umsatz-Auffälligkeiten" vor der Börsensendung haben die Wertpapieraufsicht auf den Plan gerufen. Nun wurde ein Insider-Verfahren eingeleitet.
Von Clemens von Frentz

Hamburg - Das Frankfurter Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat ein förmliches Insider-Verfahren eingeleitet, um zu prüfen, ob es im Zusammenhang mit dem "3satBörsenspiel" im August 2001 zu Insiderkäufen kam.

Bei dem Börsenspiel der "3satBörse" wurde am 10. August 2001 die Aktie der am Neuen Markt notierten Brain International AG  in das Depot der Teilnehmerin Christiane Schanzenbach aufgenommen. Am gleichen Tag war bereits ab ca. 11 Uhr ein deutlicher Umsatz- und Kursanstieg bei der Aktie zu beobachten.

Aktie stieg binnen weniger Stunden um 16,07 Prozent

Das Papier legte bis zum Handelsende auf Xetra-Basis 16,07 Prozent zu, das Handelsvolumen lag bei 92.102 Euro. Zum Vergleich: Der 30-Tage-Durchschnittsumsatz von Brain lag zum damaligen Zeitpunkt bei 22.993 Euro. Insgesamt wechselten im Xetra-Handel an dem betreffenden Freitag 31.835 Anteile den Besitzer, am Tag zuvor waren es lediglich 7.736 Aktien.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel beauftragte daraufhin seine Fachleute mit einer Untersuchung des Sachverhalts. In dieser Analyse erhärtete sich der Verdacht auf einen möglichen Insiderhandel.

BAWe-Sprecherin Regina Nößner gegenüber manager-magazin.de: "Wir haben daher nach einer gründlichen Prüfung eine förmliche Insider-Untersuchung eingeleitet und werden nun mit den Betroffenen und ihren Banken reden, um zu klären, ob es im Vorfeld der TV-Sendung tatsächlich zu unlauteren Geschäften gekommen ist."

Alte Bekannte

Ein interessanter Nebenaspekt: Die Börsenspiel-Teilnehmerin Christiane Schanzenbach ist Mitarbeiterin eines Redaktions-Teams, das bis vor einiger Zeit von Gerd Weger geleitet wurde. Weger ist Zuschauern der "3satBörse" bestens bekannt.

Er war - laut Eigenauskunft auf dem Finanzportal "toptrading.de" - "Gewinner des '3satBörsenspiels' 99/00 mit einer Performance von 247 Prozent in 6 Monaten. Das ist mit Abstand das beste dort je erzielte Ergebnis".

Bereits 1999 erste Vorwürfe gegen Weger

Zum damaligen Zeitpunkt war Weger verantwortlicher Redakteur des Börsenbriefs "Finanzen Neuer Markt", ein Ableger des Zeitschrift "Finanzen", die eng mit Kinowelt-Gründer Michael Kölmel verbunden ist. Bevor der Axel Springer Verlag  im September 1996 die Mehrheit an dem Objekt übernahm, gehörten Kölmel 25 Prozent, seiner Frau Doris 10,95 Prozent.

Gerd Weger hielt einen Anteil von 25 Prozent und seine Frau Susanne 9,85 Prozent. Beim Start der Zeitschrift im Februar 1990 zeichnete Weger als Herausgeber verantwortlich. Gleichzeitig saß Weger übrigens gemeinsam mit Kölmel im Anlageausschuss des "K+W Universal-Fonds OS".

"Pseudokritischer Journalismus"

Eines der Papiere, die Weger gleich zu Beginn des "3satBörsenspiels" in sein Depot aufnahm, war Kinowelt  - die Aktie seines Geschäftspartners Michael Kölmel. Auch in das Musterdepot seines Börsenbriefs wurde der Wert aufgenommen. Ein Gebaren, das bei einigen Fachleuten und Anlegern Verwunderung und Missmut auslöste.

Den in diesem Zusammenhang mehrmals geäußerten Vorwurf der "Pusherei" wies Weger allerdings weit von sich. Kinowelt, so seine Begründung, sei kein marktenger Wert, "den können Sie nicht so leicht schieben". Berichterstattern, die das anders sahen, warf er "pseudokritischen Journalismus" vor.

Inzwischen hat Weger sein Amt bei "toptrading.de" wieder aufgegeben und bei der Anleger-Postille "Euro am Sonntag" angeheuert. Als Chefredakteur zeichnet nun laut geändertem Impressum Michael Schröder verantwortlich.