Brokat Aus und vorbei

Die Aktie des ehemaligen Börsenstars ist noch neun Cents wert, der Rauswurf aus dem Neuen Markt besiegelt. Der Vorstandschef hat Deutschland verlassen. Die Aktionäre schauen in die Röhre.

Stuttgart - Der endgültige Verkauf des insolventen Software-Unternehmens Brokat  soll nach Einschätzung des Insolvenzverwalters Volker Grub in der kommenden Woche unter Dach und Fach sein. Derzeit würden letzte Gespräche mit einem börsennotierten deutschen Software-Unternehmen geführt, das ebenfalls im Bereich Finanzsoftware tätig ist.

Durch den Verkauf könne etwa die Hälfte der verbliebenen 90 Arbeitsplätze im alten Kerngeschäft gerettet werden, sagte der Stuttgarter Rechtsanwalt am Freitag. Die Töchter in Großbritannien und Schweden sollen vom dortigen Management übernommen werden.

Aktionäre schauen in die Röhre

Das insolvente Unternehmen muss nach einem Beschluss der Deutschen Börse vom Donnerstag am 27. Januar den Neuen Markt verlassen und wird in den Geregelten Markt wechseln. Die Aktie des Unternehmens fiel bis Freitag Mittag auf neun Euro-Cents und damit um weitere 25 Prozent. Zu Hochzeiten notierte das Papier bei 200 Euro.

Noch unklar sei, wie viel Geld die Gläubiger des Unternehmens erhalten. Die Aktionäre würden jedoch in jedem Fall in die Röhre schauen. "Die gehen komplett leer aus", sagte Grub. Über das Schicksal des einstigen Vorzeigeunternehmens hatten die Gläubiger einer Hochzinsanleihe entschieden, die sich nicht auf eine Umwandlung des Rentenpapiers in Aktien zusammen mit einer Barzahlung einigen wollten. Brokat musste daher Ende November wegen Überschuldung Insolvenz anmelden.

Vorstandschef hat Deutschland verlassen

Das Unternehmen hatte bereits mehrere Geschäftsbereiche abgestoßen, zuletzt den zukunftsträchtigen Bereich für das elektronische Bezahlen per Handy. Nach der ursprünglichen Planung wollte Brokat 2003 Umsätze in Höhe von einer Milliarde Mark erzielen.

Vorstandschef Stefan Röver, der auch Mitglied der vom Bundespräsidenten berufenen Monopolkommission ist, hat nach Grubs Angaben seine Zelte in Deutschland abgebrochen und sich in die USA zurückgezogen.

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