Börse Unzufriedenheit auf breiter Front

Nicht nur der Neue Markt hat Probleme, auch das Segment für Kleinwerte läuft nicht.

Köln - Zweieinhalb Jahre ist der Smax (Small Cap Exchange) erst alt und steht vor großen Veränderungen. Unter den Unternehmen, die im Börsensegment für kleinere Qualitätswerte notiert sind, wächst die Zahl der Unzufriedenen.

Mancher dort gelistete Mittelständler beklagt den Aufwand, der mit der Notierung verbunden sei und dem kaum ein entsprechender Nutzen gegenüberstehe. Hinzu kommt die Befürchtung, aus dem Index SDax zu rutschen, in dem derzeit noch die nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz 100 größten deutschen SMAX-Unternehmen vertreten sind, der aber Mitte kommenden Jahres auf 50 Werte verkleinert werden soll.

Plettac steigt aus

So ist für den Hagener Gerüstbauer Plettac AG, der seine Zugehörigkeit zum Smax zum Jahresende gekündigt hat, die von der Deutschen Börse AG angekündigte Reduzierung des Index mit ein Auslöser für die Entscheidung gewesen, aus dem Börsensegment auszusteigen. "Plettac würde nach den bestehenden Kriterien künftig nicht mehr unter den verbleibenden 50 Unternehmen im SDax sein", sagte eine Sprecherin des Unternehmens zu vwd. Ein weiterer Grund für die Kündigung waren nach ihrer Darstellung die Kosten: Plettac wird nur noch durch ein Sanierungskonzept am Leben gehalten.

So müssen die Unternehmen trotz bisher nur geringen Interesses ausländischer Anleger an deutschen Nebenwerten künftig zweisprachige Geschäfts- und Quartalsberichte nach den International Accounting Standards (IAS) oder den US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) vorlegen und auch Analystenkonferenzen veranstalten.

Gebühren schrecken ab

"Hinzu kommen nicht unbeträchtliche Gebühren, die die Betreuerbank, der so genannte Designated Sponsor für den Xetra-Handel, sowie die Deutsche Börse AG erheben", so die plettac-Sprecherin. Im Amtlichen Handel soll die Plettac-Aktie jedoch weiterhin vertreten sein.

Auch die derzeit noch im SDax geführte Kampa-Haus AG, Minden, sieht ihre Erwartungen an den Smax nicht erfüllt ("außer Spesen nichts gewesen"). Nach Einschätzung eines Beraters erkennt der Fertighaushersteller die mit dem Smax verbundenen Vorteile für den Anleger hinsichtlich Transparenz und Liquidität durchaus an.

Hoher Aufwand für notierte Unternehmen

Daher stehe ein Rückzug "zum momentanen Zeitpunkt nicht auf der Tagesordnung". Das Anlegerinteresse an der Gesellschaft habe sich durch die Teilnahme an dem so genannten Qualitätssegment aber nicht erkennbar gesteigert, und auch die Kursentwicklung habe keine sichtbaren Verbesserungen gezeigt.

Gleichzeitig hätten sich der Aufwand und die damit verbundenen Kosten spürbar erhöht, begründete der Kampa-Berater die Unzufriedenheit. Auch Kampa schließe für sich ein Ausscheiden aus dem SDAX bei dessen Verkleinerung 2002 nicht aus, sehe jedoch auch keinerlei Nachteile in dem Zusammenhang: "In der Frage herrscht Gelassenheit".

Gesco fühlt sich gut aufgehoben

Der Smax an sich macht auch dem in Wuppertal beheimateten SDax-Vertreter Gesco AG keine Probleme: "Wir fühlen uns zur Zeit in dem Segment ganz gut aufgehoben", meinte ein Sprecher des Unternehmens. Doch wünschten sich auch die Wuppertaler, die sich an mittelständischen Unternehmen für Basis- und Neue Technologien beteiligen, auch ein stärkeres Engagement der Deutschen Börse AG bei der Vermarktung des Smax. "Klar ist aber auch, dass die Segmentszugehörigkeit allein noch kein Erfolgsgarant ist. Letztlich ist jeder Emittent seines Glückes Schmied", sagte der Sprecher.

Gesco wolle die Bedeutung der Verkleinerung des SDAX in nächster Zeit verstärkt mit dem Kapitalmarkt diskutieren: "Mit der Orientierung der Marktkapitalisierung am Free-float wird ja der Smax, aber auch der MDax kräftig durcheinandergewirbelt".

Einige Firmen bleiben nur notgedrungen im Smax

Unternehmen, die eben nicht erwarten müssen, aus dem künftigen SDax herauszufallen, begrüßen natürlich die geplante Index-Straffung. Andere dagegen bleiben - trotz der hohen Kosten - wohl ausschließlich deswegen in dem Segment, deswegen , weil sie nicht ganz zu Unrecht befürchten, sonst von der Öffentlichkeit links liegen gelassen zu werden. Allerdings, so heißt es, hätten manche Nebenwerte, zu deren Analystenkonferenzen vor der Smax-Zugehörigkeit nur ein oder zwei Analysten erschienen seien, auch jetzt keinen größeren Zulauf.