Konjunktur Seit März geht es schon bergab

Das zehnjährige Wirtschaftswunder ist beendet. Die USA stecken in der Rezession.

Washington - Die größte Volkswirtschaft der Welt wächst nicht mehr. Im März dieses Jahres, genau zehn Jahre nach dem Beginn des Booms, schrumpfte die US-Konjunktur und hat seitdem kontinuierlich an Kraft verloren. Das gab das zuständige Wirtschaftsforschungsinstitut National Bureau of Economic Research (NBER) am Montag in Washington bekannt. Damit sei der bislang längste Aufschwung seit 1920 beendet.

Das NBER ist von Amts wegen damit betraut, die Dauer der Wirtschaftszyklen in den USA festzulegen. Als wichtigstes Indiz sehen die Experten dabei die Beschäftigung, die im März ihren Gipfel erreichte. Eine Rezession bedeute einen bedeutenden, nicht nur wenige Monate anhaltenden Rückgang von Produktion und Beschäftigung, Realeinkommen und Handel.

In den vergangenen sechs Rezessionen sei die Industrieproduktion durchschnittlich um 4,6 Prozent gefallen und die Beschäftigung um 1,1 Prozent geschrumpft, betonte das NBER. Die jüngsten Daten zeigen demnach, dass der zuletzt gemessene Rückgang groß genug ist, um ihn als Rezession zu werten.

Daten zum Arbeitsmarkt und etwa zur Industrieproduktion lägen häufiger vor als die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) als bloßem Maß der Wirtschaftsleistung, betonte das NBER. BIP-Berechnungen gebe es nur vierteljährlich, zudem würden die Zahlen häufig korrigiert. Die meisten anderen Experten sehen einen BIP-Rückgang in zwei aufeinander folgenden Quartalen als Rezession an.

Ende dieser Woche sollen neue Berechnungen zum BIP in den USA im dritten Quartal vorliegen, für die Euro-Zone und die gesamte Europäische Union werden am Donnerstag erste Zahlen erwartet.

Präsident Bush ist besorgt

US-Präsident George W. Bush hat sich nach Angaben des Präsidialamtes besorgt über die Situation der US-Wirtschaft gezeigt und den Senat aufgefordert, einem Konjunkturprogramm zuzustimmen. Präsidialamtssprecher Ari Fleischer sagte am Montag, Bush sei "seit langer Zeit in Sorge um die Stärke der Wirtschaft".

Das von den Republikanern Bushs kontrollierte Repräsentantenhaus und der von den Demokraten dominierte Senat streiten sich über die Ausgestaltung des Wirtschaftsprogramms. Während Bush großzügigen Steuererleichterungen für Unternehmen den Vorzug gibt, wollen die Demokraten die Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung erhöhen.