Die Trinkaus-Kolumne Epcos - wie geht's weiter?

Die Siemens-Tochter ist solide aufgestellt, aber sie hat auch einige Probleme. Eine Analyse von Klaus Lüpertz, Aktien-Experte von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Epcos  berichtete in der letzten Woche die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001. Mit einem Umsatzrückgang um 18 Prozent zum vergleichbaren Quartal des Vorjahres und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von minus 52 Millionen Euro wurden die Erwartungen vieler Analysten enttäuscht.

Immerhin stiegen die Auftragseingänge um 37 Prozent; dabei ist zu berücksichtigen, dass der Vergleichszeitraum für diese Zahl das wirklich sehr schlechte dritte Quartal des Geschäftsjahres war.

Zu viel Beachtung wurde nach meiner Auffassung der leichten Belebung in den Bereichen SAW-Komponenten und keramische Bauelemente geschenkt. Diese Produkte sind immer ein guter Indikator für die Verfassung des Marktes für mobile Telefone. Einige Publikationen schrieben gar den Mobilfunkmarkt 2002 aufgrund dieser Zahlen wieder deutlich in den Himmel.

Euphorische Erholung eher unwahrscheinlich

Realität bleibt aber: Durch die Verschiebung der neuen Mobilfunkgeneration und die übrigen allseits bekannten Probleme bleibt dieser Bereich auch in den kommenden Monaten noch etwas unter Druck. Zumindest ist eine euphorische Erholung, die mittlerweile vielerorts erwartet wird, eher unwahrscheinlich.

Die Aussagen des Unternehmens, aus denen die Hoffnung auf eine weitere dynamische Markterholung herausgehört werden kann, sind allein schon deshalb anzuzweifeln, weil viele Konkurrenzfirmen nach dem guten Oktobergeschäft für den November deutlich rückläufige Zahlen vermelden.

In den Bereichen Industrie, Automobile und Konsumelektronik merkte Epcos deutlich die Auswirkungen der Konjunkturschwäche, unter anderem in Form von erheblichen Preisverfällen. Von daher fällt es aus heutiger Sicht schwer, trotz der Nachfragebelebung im Mobilfunkbereich an eine baldige Erholung zu glauben.

Zweifellos bleibt auf lange Sicht der Bereich der Bauelemente wachstumsstark. Neben der Telekommunikation kommen die größten Impulse aus der fortschreitenden Digitalisierung von "Old-Economy"-Produkten (zum Beispiel Autos, Unterhaltungselektronik et cetera).

Für Epcos spricht auch, dass die Firma sich in ihrem Marktsegment europaweit auf Platz eins und weltweit auf Rang drei behauptet hat. Das Wachstum im Unternehmen liegt über dem des Gesamtmarktes, und das schon seit 1994. Selbst in einem schwachen Jahr 2000/2001 wurde mehr verdient als die Kapitalkosten.

Solide Finanzierung

Dazu kommt die solide Finanzierung des Unternehmens: Die Eigenkapitalquote liegt bei 49 Prozent, das Gearing bei gerade einmal 35 Prozent. Die Kreditlinien hat das Unternehmen mit etwa zwölf Prozent ausgeschöpft.

Sollte es zu einer deutlichen Verbesserung des Umfeldes in 2002 kommen, wird auch Epcos davon profitieren. Bis dahin reicht es allerdings, die Aktie noch einige Zeit zu beobachten; sollte es dann mit der Bekanntgabe der Zahlen für das erste oder zweite Quartal des neuen Geschäftsjahres zu einer Kurskorrektur kommen, wird der Titel vielleicht wieder interessant.



Hinweis: Das neue Buch unseres Kolumnisten Klaus Lüpertz ist seit einigen Tagen erhältlich. Es ist im Gabler Verlag erschienen und trägt den Titel "Internetaktien - Gewinnstrategien nach dem Crash".

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