Biodata Miese Zahlen verschleiert?

Kurssprung und Strafanzeige. Die Frist für den IT-Sicherheitsanbieter läuft Dienstag ab.

Kassel - Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat nach eigenen Angaben gegen die alten Vorstände und den Aufsichtsrat der angeschlagenen Biodata AG Strafanzeige beim Landgericht Kassel gestellt. Die DSW befürchte, dass Führungskräfte die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des am Neuen Markt gelisteten IT-Sicherheitsspezialisten mehrfach verschleiert hätten, teilten die Aktionärsvertreter am Freitag mit.

Biodata befindet sich derzeit nach eigenen Angaben in abschließenden Gesprächen mit Gläubigern und hat nur noch wenig Zeit die Insolvenz abzuwenden. Ende Oktober hatte Biodata mitgeteilt, man brauche innerhalb von 21 Tagen einen Investor.

Bei Biodata sei es möglicherweise zu teuren, nutzlosen Aufwendungen gekommen, schreibt die DSW. Ein im August 2000 veröffentlichter Auftrag mit einem Volumen von 20 Millionen Euro pro Jahr sei im März diesen Jahres vom Vorstand bestätigt worden. Erst im Oktober habe die Gesellschaft dann mitgeteilt, dass der Auftrag nicht zustande gekommen sei. Dadurch sind nach Angaben der DSW möglicherweise nutzlose Aufwendungen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich entstanden.

Sonderprüfung beantragt

Die in Auftrag gegebene Sonderprüfung durch Wirtschaftprüfer hat nach Firmenangaben einen Wertberichtigungsbedarf von insgesamt mehr als 40 Millionen Euro festgestellt. Der neue Vorstand spreche zudem auch von "Unregelmäßigkeiten bei der Umsatzrealisierung" von Tochtergesellschaften. Die DSW ergänzte, die Staatsanwaltschaft müsse nun prüfen, inwiefern die Verantwortlichen die Verhältnisse der Gesellschaft unrichtig dargestellt haben. Bei Biodata war am Freitagnachmittag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Der IT-Sicherheitsspezialist befindet sich nach eigenen Angaben in abschließenden Gesprächen mit Gläubigern und hat nur noch bis Dienstag Zeit, um die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abzuwenden. "Der Vorstand befindet sich mit diversen Gläubigern in abschließenden Gesprächen, um eine Verschuldung abzuwenden und einen Gläubigerschnitt zu erreichen", sagte der Sprecher der im Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 gelisteten Gesellschaft, Heiko Scholz.

Biodata suche zudem nach einem oder mehreren Kapitalgebern, um Liquidität ins Unternehmen zu holen. Um wen es sich dabei handele, wollte Scholz nicht sagen. Wenn beides bis Dienstag nicht gelinge, müsse Biodata Insolvenz beantragen, fügte er hinzu.

Zocker treiben Aktie hoch

Anfang Oktober hatte Biodata angekündigt, seine Umsatz- und Ertragsziele für das dritte Quartal und das Gesamtjahr deutlich zu verfehlen. Für 2001 erwartet die Gesellschaft den damaligen Angaben zufolge einen Umsatz auf Vorjahresniveau von 23,5 Millionen Euro. Vorstandschef Tan Siekmann hatte als Konsequenz der Planverfehlung sein Amt niedergelegt. Zocker am Neuen Markt hatten zum Wochenschluss ihre Freude mit dem Pennystock Biodata: Die Biodata-Aktie, die am 27. Dezember aus dem Nemax50 herausfällt, stieg am Freitag um knapp 26 Prozent auf 0,73 Euro.