Die Thilenius-Kolumne Drei Halbe für Aktionäre

Erstmals hat auch die EZB den Märkten ein positives Signal gegeben. Die Baisse ist noch nicht ausgestanden, aber Anlegern bieten sich jetzt Einstiegschancen, meint Georg Thilenius.

Drei Halbe: Dieses Zitat ist nicht die Bestellung für Bier im Freundeskreis in der Kneipe an der Ecke, sondern eine sehr ernste wirtschaftspolitische Weichenstellung. Die Notenbanken in den USA, England und Euroland haben innerhalb kurzer Zeit die Leitzinsen um jeweils ein halbes Prozent gesenkt.

Wege aus der Rezession

Das bedeutet, dass die europäische Zentralbank nach langem Zögern und nach vielen Bitten aus der Politik und der Wirtschaft nun eingesehen hat, was erforderlich ist, um Europa aus einer Rezession zu ziehen beziehungsweise Europa die Rezession zu ersparen.

Die europäische Zentralbank hatte sich lange gegen eine Zinssenkung gesperrt, da die Inflation immer noch recht hoch war. Das ist auch richtig, denn die Inflation liegt immer noch bei etwa zwei Prozent im Euroraum. Weiterhin liegt der zentrale Auftrag der europäischen Zentralbank - im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank - in der Wahrung der Geldwertstabilität. Und eine Inflation von immer noch zwei Prozent spricht natürlich gegen jede Zinssenkung.

Zuletzt hat die EZB jedoch eingesehen, dass nicht so sehr das Bekämpfen von Inflation zur Zeit im Mittelpunkt ihrer Bemühungen stehen muss, sondern das Abwenden einer Deflation. Diese ergibt sich dann, wenn ein Land in eine Rezession gerät und die Preise nicht mehr nicht weiter steigen, sondern sinken. Wir erleben das zur Zeit mit schrecklichen Konsequenzen in Japan. Erfreulicherweise hat nun also auch die europäische Zentralbank gesehen, was zu tun ist und entsprechend gehandelt.

Alle ziehen an einem Strang

Das bedeutet für den langfristigen Investor, dass zwar die drei großen Wirtschaftsblöcke der Welt, USA, Japan und Euroland, derzeit in der Rezession sind oder knapp daran vorbei treiben. Offensichtlich sind aber alle Zentralbanken gewillt, alles zu unternehmen, um die Rezession kurz werden zu lassen oder sie zu verhindern.

Der Zinsschritt der EZB ist größer ausgefallen als erwartet und zeigt damit auch die Entschlossenheit der europäischen Zentralbank, der Wirtschaft zu helfen. Das ist das erste Mal in der Geschichte der EZB, dass ein positives Signal für die Märkte ausgesendet wurde.

Der langfristige Investor kann jetzt schon mit dem Aufbau von Positionen beginnen, sollte dabei aber vor allem Aktien im Auge behalten, die rezessionsfest sind und nicht gar zu starken konjunkturellen Schwankungen unterliegen. Denn noch ist die Baisse nicht endgültig ausgestanden. Zu Rückschlägen kann es immer noch kommen.