Deutsche Telekom "Nicht teurer als ein Kinobesuch"

"Nicht mehr als ein Kinobesuch mit der Familie" sollte die Aktie der Deutschen Telekom nach der Vorstellung ihres Vorstandschefs Ron Sommer zur Börseneinführung am 18. November 1996 kosten. Fünf Jahre später liegt der Preis mit rund 20 Euro kaum darüber.

Bonn - Vor einem Kurs unter Emissionspreis bewahrte die Telekom-Aktie  lediglich die positive Trendwende bei den Telekommunikationswerten seit den Anschlägen in den USA am 11. September.

Mit der mit rund 80 Millionen Mark Werbeetat angeschobenen Börseneinführung der T-Aktien rückte das Unternehmen und sein Vorstandschef stärker als jemals zuvor in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Rund zwei Millionen Deutsche waren mit dem Börsengang zum Teil erstmals in ihrem Leben Aktionäre geworden.

Der Ärger der Anteilseigner über die zunächst schwache Kursentwicklung in den ersten Monaten nach der Emission verhinderte nicht, dass Sommer auf der ersten Hauptversammlung 1997 noch mit Jubel und tosendem Applaus gefeiert wurde. Und entgegen den Erwartungen vieler Beobachter behauptete sich der Konzern trotz Freigabe des Telekom-Marktes für den Wettbewerb mit Jahresbeginn 1998.

Technologieboom: Kurssprung auf 103 Euro

Knapp zwei Jahre später folgte ein von einem Boom bei Technologiewerten getragener Kurssprung von rund 40 Euro auf über 103 Euro binnen sechs Monaten. Sommer wurde Manager des Jahres, noch bevor der jähe Absturz der Aktie im März 2000 begann.

Eine ergebnisbelastenden Abwertung des Immobilienvermögens um 1,5 Milliarden Euro und der überraschende millionenfache Verkauf von Aktien durch Großaktionäre ließ den Kurs dann im laufenden Jahr unter den Emissionspreis von 28 Mark rutschen. Zuletzt verbuchte das Unternehmen in Folge der Übernahme des verlustträchtigen US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream und Investitionen in den Mobilfunk mit 3,1 Milliarden Euro im Neun-Monatszeitraum auch noch den höchsten Verlust seit der Privatisierung.

Wut auf der Hauptversammlung

Anstelle von Autogrammjägern war Konzernchef Sommer auf der Hauptversammlung im Mai massiv von wütenden Aktionären und ihren Forderungen nach seinem Rücktritt bedrängt worden. Doch allen Gerüchten, Anfeindungen und staatsanwaltlichen Ermittlungen zum Trotz steht der promovierte Mathematiker noch immer an der Spitze des Konzerns - noch immer "das verschmitzte Lächeln eines herzigen Pelzotters" im Gesicht, wie die "Süddeutsche Zeitung" Sommer einmal nach der Erstnotiz der Telekom-Aktien karikierte.

Tiefpunkt 11. September

"Ich fühle mich erst wieder wohl, wenn die Telekom-Aktie mindestens 70 Euro überschreitet", hatte Sommer bei einem Kurs von rund 17,40 Euro in einem Interview Mitte August gesagt. Doch die bislang tiefste Notierung in ihrem Börsenleben erreichte die T-Aktie erst mit 13,12 Euro am 11. September 2000, als in den USA mehrere Anschläge verübt wurden. Seitdem verbuchte das Papier einen markanten Sprung um rund 50 Prozent auf Kurse um 20 Euro.

Schwächer als der Dax

In der Fünf-Jahres-Bilanz schneiden die vom Unternehmen immer als langfristiges Investment empfohlenen T-Aktien jedoch schlechter ab. Während die Kurse der Dax-Werte seit der erstmaligen Telekom-Börsennotiz im Durchschnitt rund 61 Prozent zulegten, verzeichnen die T-Aktien ein Kursplus von rund 35 Prozent. Damit rangiert der Bonner Konzern im Mittelfeld der 26 Dax-Werte, die mindestens seit dem Telekom-Börsengang notiert sind. Die Telekom-Aktien belegen in einer von Reuters berechneten und nach den Kurszuwächsen der vergangenen fünf Jahre sortierten Rangliste Platz Zwölf im Dax.

Zum fünfjährigen Börsen-Jubiläum wollte sich der vertraglich noch bis Mai 2005 amtierende Konzernlenker Ron Sommer nicht äußern. "Interviews und Stellungnahmen dazu gibt es nur zu runden Geburtstagen", vertröstete ein Unternehmenssprecher auf das Jahr 2006.

Von Hendrik Sackmann, Reuters

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