Mittwoch, 24. Juli 2019

T-Aktie Die Party fällt aus

Zum fünften Geburtstag wünschen Anleger dem Telekom-Papier gute Besserung. Bringt Ron Sommer die "Volksaktie" wieder auf Touren?

Ron Sommer

Hamburg - T-Aktionäre haben alle Höhen und Tiefen der Börse miterlebt. Aktionäre der ersten Stunde, die Freud und Leid bis heute durchgestanden haben, stehen derzeit immerhin wieder im Plus: Die am 18. November 1996 zum Preis von umgerechnet 14,57 Euro ausgegebene T-Aktie Börsen-Chart zeigen notiert fünf Jahre später wieder um die 20-Euro-Marke. Im September war die "Volksaktie" zeitweise unter ihren Emissionspreis gefallen und hatte auch dem geduldigsten Aktionär den letzten Nerv geraubt.

Entwarnung kann es für den gebeutelten Konzern nicht geben, obwohl die Performance der vergangenen Wochen sich sehen läßt. Ein Schuldenberg von 65 Milliarden Euro, die schlechte Bilanz der teuren Tochter Voicestream und die Unsicherheit über den Erfolg von UMTS sind nur einige der Probleme, die den Konzern drücken.

"Die Telekom ist noch kein Global Player"

Die Deutsche Telekom habe es trotz Milliardeninvestitionen in den USA noch nicht geschafft, zum Global Player zu werden, meint Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Internationale Investoren zeigen bislang wenig Vertrauen in die T-Aktie: Nach Abschluss der Voicestream-Übernahme ließen sie die Aktie fallen wie eine heiße Kartoffel, wie der immense Aktienrückfluss nach dem Voicestream-Deal zeigt.

Hauptaktionär Bundesregierung hält seine schützende Hand weiterhin über Konzernlenker Ron Sommer. Mit der leichten Erholung des Sektors und dem bequemen Hinweis auf die globale Wirtschaftsflaute ist Druck von Sommer gewichen. Kritiker bemängeln, dass Sommer wichtige Entscheidungen in einem komplexen Markt am liebsten im Kreis seiner engsten Berater fällt.

"Debakel der besonderen Art"

Die T-Aktie biete die Geschichte eines Debakels der besonderen Art, meint Aktionärsschützerin Reinhild Keitel. Die atemberaubende Talfahrt der Volksaktie habe die junge Aktienkultur in Deutschland beschädigt. Viele T-Aktionäre stünden mit ihren Beständen dick im Minus und seien nun skeptisch gegenüber der Anlageform Aktie: "Was da in fünf Jahren an Kapital vernichtet worden ist, kann seinesgleichen suchen", so Keitel.

Geburtstagsparty fällt aus

Zur Emission hatte es noch eine rauschende Party in Frankfurt mit 500 geladenen Gästen gegeben. Den fünfjährigen Geburtstag der Aktie will die Telekom bescheiden, still und leise begehen. Die Kraft werde statt dessen "auf die Steigerung des Kurses konzentriert", heißt es aus Bonn. Und da gibt es ja noch einiges zu tun.

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