Metabox Halloween in Hildesheim

Zwei Tage vor Allerheiligen lud die AG nach Hildesheim. Auf dem Programm stand die zweite und möglicherweise letzte Hauptversammlung der skandalgeschüttelten Firma. manager-magazin.de war live vor Ort.

10.05 Uhr:

Vor der Halle 39 im Hildesheimer Gewerbepark Flughafen drängen sich die ersten Aktionäre. Das Gebäude liegt am nördlichen Stadtrand und hat eine Fläche von rund 3.500 Quadratmetern. Nach Auskunft der Eigentümer ist hier Platz für bis zu 3.200 Personen, aber so viele werden es heute wohl nicht werden. Im Eingangsbereich hängen Plakate des Chinesischen Nationalzirkus, der hier am 6. November aufspielt. Acht Tage später steht das nächste Großereignis auf dem Programm: Eine Polstermöbelausstellung, allerdings - laut Aushang - nur von 11 bis 16 Uhr.

10.25 Uhr: Die Halle füllt sich langsam. Bislang sind etwa 400 Leute eingetroffen. Im Eingangsbereich stehen einige Herren in schwarzen Anzügen - offensichtlich Sicherheitspersonal. An der Garderobe werden die ersten Fachdiskussionen geführt. Ein etwas kurzatmiger Anleger aus Berlin hat es sehr eilig, an seinen Platz zu kommen. Auf dem Weg in die vierte Reihe erzählt er, dass er erst seit Mitte letzten Jahres dabei ist.

Gekauft hat er im Juli, als die Aktie bei (splitbereinigt) über 40 Euro stand. Jetzt steht sie bei etwa 54 Cent - gegenüber gestern ein Minus von 11,5 Prozent. Auf Metabox-Gründer Stefan Domeyer ist er nicht gut zu sprechen. "Der hat uns alle belogen und betrogen", so sein Fazit. "Wenn der da heil aus der Affäre rauskommt, dann stimmt was nicht mit unserem Rechtssystem."

10.35 Uhr: In den vorderen Sitzreihen bimmelt ein Handy. Es folgt ein längeres Telefonat, offenbar ein Gespräch mit der Bank, soviel ist zu hören. Der Teilnehmer ist sichtlich erregt, vermutlich hat er gerade den aktuellen Aktienkurs erfahren. Der Rest des Gesprächs geht im Stimmengewirr unter.

10.40 Uhr: Noch ist das Podium leer. Auch die Aktionäre laufen noch durch die Halle. Die Stimmung ist eher gedämpft, im Hintergrund erklingt Musik - Panflöte und Bratsche. Rechts und links neben der Bühne sind die orange-farbenen Logos der Metabox AG zu sehen, darunter Grünpflanzen, die offenbar für etwas freundliche Stimmung sorgen sollen. Der Hintergrund ist mit einem dunklen Vorhang drapiert.

10.45 Uhr: Der neue Vorstandschef Herbert Steinhauer und sein Vorgänger Stefan Domeyer sind eingetroffen. Sie stehen rechts neben dem Podium und lassen das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Beide wirken entspannt, aber noch ist ungewiss, ob das Unternehmen die dringend benötigten sieben Millionen Mark auftreiben konnte. Bis heute muss ein Geldgeber gefunden sein, sonst ist die Insolvenz nicht mehr abzuwenden.

10.55 Uhr: Die Veranstaltung hat begonnen. Auf dem Podium sitzen: Ein Notar, Aufsichtsrat Manfred Schütz, Aufsichtsrat Siegfried Fleischer, Anwalt Hassan Sohbi, CEO Herbert Steinhauer, Stefan Domeyer und - ganz links - der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Graaff. Fleischer eröffnet die Versammlung mit einer kurzen Ansprache.

11.05 Uhr: Während Fleischer noch redet, packt ein Teilnehmer im hinteren Teil des Saals einen Laptop aus und und loggt sich ins Internet ein. Das Ergebnis seiner Recherchen ist nicht sonderlich erfreulich. Der Kurs der Metabox AG  fällt weiter und notiert derzeit mit einem Minus von 22 Prozent gegenüber Vortag. Noch immer ist nicht klar, ob Steinhauer die sieben Millionen Mark auftreiben konnte.

11.10 Uhr: Nun spricht Herbert Steinhauer, der aktuelle Vorstandschef der Aktiengesellschaft. Er bestätigt die Vermutungen: Metabox ist noch nicht gerettet, das benötigte Kapital konnte bislang nicht aufgebracht werden.

11.15 Uhr: Stefan Domeyer hat das Wort ergriffen. Gleich zu Anfang macht er klar: Er übernimmt für alles die Verantwortung.

11.25 Uhr: Domeyer redet seit etwa zehn Minuten. Er betont, wie glücklich er darüber ist, dass die HV am Ende doch noch stattfinden konnte, und dankt dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michaael Graaff für seine Arbeit. Einen Dank richtet er auch an die Firma UV7G, die nach seiner Ausssage mit einem Überbrückungskredit dazu beigetragen hat, dass die HV finanziert werden konnte.

Domeyer wirkt relativ ruhig, er liest vom Manuskript und macht einen konzentrieren Eindruck. "Das Jahr 2000", beginnt er sein Rückschau auf die vergangenen Monate, "sollte ein Aufbruch in eine neue Dimension werden. Leider gab es Probleme." Er geht erneut auf die Verträge mit Internordic und Worldsat ein und begründet die Verzögerung der Auslieferung mit "immer neuen Ausstattungwünschen der Partner und einige hausinternen Problemen".

Daneben nutzt er die Gelegenheit zu einigen Anmerkungen in eigener Sache. Zu den revidierten Prognosen sagt er: "Als eine der ersten Firmen am Neuen Markt haben wir im Dezember eine Gewinnwarnung herausgegeben und damit den Kapitalmarkt sehr früh informiert. Leider wurde das nicht gewürdigt." Aus dem Publikum ist Räuspern zu hören, vereinzelt auch hämische Lacher.

Noch heiterer wird die Stimmung, als er auf das schlechte Image seiner Firma zu sprechen kommt. Eines der Hauptprobleme, so Domeyer, sei die negative Berichterstattung über Metabox gewesen, "aber wir sind kein Skandalunternehmen, sondern eine Technologieschmiede mit mit Produkten für einen aufregenden Markt". Quittiert wird diese Äußerung mit Applaus, der allerdings sehr kurz ausfällt.

Abschließend entschuldigt sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende bei den Aktionären für die horrenden Kursverluste. Der Unternehmensführung seien im alltäglichen Geschäft Fehleinschätzungen unterlaufen, die schließlich zum Insolvenzantrag im Mai geführt hätten. Ursache sei vor allem die zu verflochtene Aufstellung der Metabox mit zahlreichen Töchtern gewesen.

Es berichtete live mm.de-Redakteur Kai Lange


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