Metabox Halloween in Hildesheim, Teil 3

Zwei Tage vor Allerheiligen lud die AG nach Hildesheim. Auf dem Programm stand die zweite und möglicherweise letzte Hauptversammlung der skandalgeschüttelten Firma. manager-magazin.de war live vor Ort.

13.40 Uhr:

Ein Teilnehmer nutzt die Pause, um in der Kantine telefonisch den Kurs der Aktie  abzufragen. "52 Cent in Frankfurt", murmelt er, "ein Minus von rund 15 Prozent." Seinem Tischnachbarn schlägt diese Nachricht sichtlich auf den Appetit. Er hatte, so stellt sich heraus, gestern noch einmal kräftig nachgekauft. Sein leises Fluchen geht in den Geräuschen unter, die aus dem Saal herüberdringen.

14.00 Uhr: Die Abstimmung ist beendet, es wird ausgezählt. Ein Aktionär reicht einen Ergänzungsantrag zur geänderten Entlohnung von Aufsichtsrat und Vorstand ein. Fleischer unterbricht die Sitzung für 20 Minuten, um über diesen Antrag zu beraten. Die meisten Besucher nutzen die dadurch verlängerte Pause zum Mittagessen oder für einen Gang in die Herbstsonne. In der mit dunklen Tüchern ausgehängten Halle halten sich noch rund 100 Menschen auf, es wird geplaudert.

An dem Tisch für Vertreter der Finanzbranche haben sich seit Beginn der HV gerade einmal zwei Vertreter eingefunden: Ein Mitarbeiter der Deutschen Bank und ein Angestellter der Hallbaum-Bank. Sie folgen dem Fortgang der Veranstaltung und machen sich von Zeit zu Zeit Notizen.

14.10 Uhr: Während immer noch über den Ergänzungsantrag beraten wird, fachsimplen die Kleinaktionäre über mögliche Ergebnisse der HV. Eine Frage, die alle beschäftigt: Wird es dem Vorstand gelingen, die erforderlichen sieben Millionen bis zum Abend noch aufzutreiben? Die meisten Teilnehmer sind skeptisch. Ähnlich beurteilen sie den Wunsch des Vorstands nach Entlastung. Ein Aktionär aus Dortmund bringt die Stimmung auf den Punkt: "Die Genehmigung zur Kapitalerhöhung können sie haben, aber entlastet wird von denen keiner - jedenfalls nicht mit meiner Stimme." Beifälliges Gemurmel.

14.25 Uhr: Der Vorstand hat wieder komplett auf dem Podium Platz genommen. Fleischer fährt mit der Abstimmung über die Tagesordnungspunkte 6 bis 13 fort. Auf das Ergebnis der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat müssen die Teilnehmer weiter warten. Über dem Saal liegt eine gewisse Müdigkeit. Keine Wortmeldungen. Auf die Frage Fleischers, ob die Berichte des Vorstands zu den einzelnen Tops verlesen werden sollen, folgt nur ein mattes Kopfschütteln der Teilnehmer. Fleischer fährt fort: "Wer den Vorschlägen zustimmt, braucht nichts zu tun." Die Helfer mit den kleinen grauen Stimmboxen schwärmen wieder aus.

14.40 Uhr: DSW-Vertreter Wolfgang Krafczyk äußert sich am Rande der Veranstaltung zu den Aussichten seines Antrags auf Nichtentlastung. Krafczyk : "Bei nur rund 30 Prozent Präsenz des freien Kapitals auf dieser HV haben wir gute Chancen auf einen positiven Entscheid."

Er fügt hinzu: "Für die eigene Glaubwürdigkeit des Vorstands wäre es besser gewesen, wenn er den Antrag auf Entlastung - ähnlich wie bei der Bankgesellschaft Berlin - aus freien Stücken zurückgestellt hätte." So aber fordere der Vorstand einen Freibrief, ohne dass die Untersuchung aller Vorgänge abgeschlossen sei.

14.55 Uhr: Endlich wird das Ergebnis der Abstimmung verkündet. Das erstaunliche Resultat: 73 Prozent der Teilnehmer haben sich für eine Entlastung des Vorstandes ausgesprochen, nur 26 Prozent dagegen. Noch deutliche fällt die Entlastung des Aufsichtsrates aus: 78,7 Prozent stimmten dafür, lediglich 21,2 Prozent dagegen.

Nachdem Fleischer diese Zahlen verkündet hat, schaut er ins Auditorium. Dort regt sich keine Hand zum Applaus. Stefan Domeyer zeigt sich erleichtert, gegenüber einigen Vertretern der Presse sagt er: "Diese Entscheidung ist ein Vertrauensvorschuss für meine künftige Arbeit."

15.00 Uhr: Im Saal sitzen nur noch 50 bis 60 Teilnehmer, die anderen halten sich in der Kantine oder vor der Halle auf. Ein weiteres Abstimmungsergebnis wird verlesen. Es geht um die Aufnahme von Karl-Heinz Jäger in den Aufsichtsrat. Hier fällt das Votum ziemlich eindeutig aus: 99,1 Prozent der Teilnehmer haben zugestimmt. Dafür gibt es kräftigen Applaus.

15.05 Uhr: Aufsichtsrat Fleischer unterbricht ein weiteres Mal, um die weiteren Stimmen auszuzählen. Noch steht die Entscheidung über die Kapitalerhöhung aus.

15.15 Uhr: Das Ergebnis der Abstimmung über die Tagesordnungspunkte 6 bis 9 wird verkündet. Dabei geht es vor allem um die Kapitalerhöhung. Hier sind die Aktionäre offensichtlich einer Meinung: Alle Vorschläge werden mit über 99 Prozent Zustimmung abgesegnet. Damit ist Metabox nun auch zum Rückkauf eigener Aktien berechtigt.

15.20 Uhr: So müde die Veranstaltung ablief, so schnell kommt jetzt das Ende: Siegfried Fleischer schließt die Hauptversammlung, da keine weiteren Wortmeldungen auf der Liste stehen. Einige Aktionäre, die jetzt erst aus der Mittagspause kommen, sind sichtlich überrascht. Im Hintergrund erklingt erneut die Panflöte.

15.30 Uhr: Im Saal wird aufgeräumt, Ordner rollen die Kabel zusammen. Die Halle leert sich zusehends, möglicherweise liegt das an der Fahrstuhlmusik im Hintergrund, die nun aus allen Lautsprechern klingt. Aufsichtsrat Fleischer strahlt über das ganze Gesicht und umarmt seine Mitarbeiter, lehnt jedoch jede Stellungnahme ab. Auch er weiss: Es gibt eine letzte Chance, doch Metabox ist damit noch lange nicht gerettet.

Es berichtet live mm.de-Redakteur Kai Lange


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