Metabox Halloween in Hildesheim, Teil 2

Zwei Tage vor Allerheiligen lud die AG nach Hildesheim. Auf dem Programm stand die zweite und möglicherweise letzte Hauptversammlung der skandalgeschüttelten Firma. manager-magazin.de war live vor Ort.

11.30 Uhr:

Steinhauer ergreift erneut das Wort. Sein Auftritt ist deutlich nüchterner als der von Stefan Domeyer. Seine Analyse fällt knapp aus. Er stellt sich kurz vor und beschreibt die Verhältnisse, die er bei seinem Eintritt in die Firma vorfand. "Der Vertrieb", so Steinhauer, "war desorientiert und ziellos, die technische Abteilung war ohne Führung. Die neue Metabox 1000 wurde viel zu früh vorgestellt, so dass wir auf den alten Exemplaren sitzen geblieben sind."

Steinhauer nennt zwei Hauptursachen für das Scheitern: "Erstens: Viel zu komplexe Strukturen, ein kaum überschaubares Firmengeflecht und die Entfernung von den Kernkompetenzen, so dass eine effiziente Leitung immer schwieriger wurde." Das Publikum sieht das offenbar genauso, der Applaus ist deutlich lauter als bei Domeyer.

Der CEO fährt fort: "Zweitens: Gravierende Fehler in der Außendarstellung führten zu einem Imageschaden, der Verhandlungen mit Partnern massiv erschwert hat. Durch eine nicht immer glückliche Außenkommunikation hat Metabox selbst zu den Probleme beigetragen."

Abschließend spricht Steinhauer die laufenden Verhandlungen mit potenziellen Partnern aus Israel und Großbritannien an. Er betont: "Jeder Partner hätte nach demn Antrag auf Insolvenzeröffnung kündigen können. Dies ist aber bislang nicht geschehen." Das neue Lizenz-orientierte Vertriebsmodell stoße auf reges Interesse.

11.43 Uhr: Der Vorstandsvorsitzende kommt zum Schluß seiner Ausführungen und beschwört die Anleger, den Beschlußanträgen unbedingt zuzustimmen. "Wir sind auf die Mittel dringend angewiesen, sonst droht die Insolvenz. 69 Abeitsplätze stehen in Hildesheim auf dem Spiel. Ich bitte Sie, dies zu bedenken. Nach den kühlen und deutlichen Worten gibt er den Anlegern Hoffnung: "Die neue Metabox AG hätte nach einer erfolgreichen Rettung gute Zukunfts-Chancen."

11.45 Uhr: Die Metabox 1000 wird von einem Mitglied der Marketing-Abteilung vorgestellt. Das Publikum hört mit großem Interesse zu.

11.55 Uhr: "Es ist kurz vor zwölf", sagt der Marketing-Mann, "aber die Metabox hat eine große Zukunft." Mit bunten Bildern aus Günther Jauchs Show "Wer wird Millionär?", Anwendungen zum Online-Banking, Urlaubsvideos aus Australien und Pay-per-View-Modellen soll diese große Zukunft illustriert werden. Zahlreiche Zuschauer wandern in die Cafeteria ab.

12.15 Uhr: Dr. Wolfgang Krafczyk, Landesgeschäftsführer Niedersachsen bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), ergreift das Wort und schlägt vor, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. "Wie wollen Sie die Metabox 1000 zur Lizenzreife entwickeln?", fragt der Aktionärsschützer. Außerdem will er wissen: "Sieht sich die Verwaltung imstande, eine wertbezogene Unternehmensführung zu gewährleisten? Wird weiteres Kapital wirklich zweckgebunden eingesetzt?" Der DSW-Vertreter betont allerdings auch, er werde bei allem berechtigten Zorn den Kapitalerhöhungsmaßnahmen zustimmen. Zitat: "Sonst können wir alle unsere Aktien komplett vergessen."

12.30 Uhr: Karl-Heinz Jäger von der Aktionärsgemeinschaft Metabox tritt an das Rednerpult. Er bekräftigt seine Kandidatur für den Aufsichtsrat und schlägt ebenfalls vor, den Vorstand nicht komplett zu entlasten. Er habe die Hoffnung, dass mit dem neuen Chef Steinhauer das Unternehmen kompetent geführt werde. Zitat: "Wir werden nicht gerade Weltmarktführer sein, aber vielleicht erfolgreich in einem Nischengeschäft."

12.45 Uhr: Aktionär Peter Schupp greift Stefan Domeyer massiv an. "Ich habe mein Kapital schon abgeschrieben", sagt er verbittert. "Ich bezweifle, dass die neue Metabox wirklich arbeitet - vielleicht ist es nur ein Fake wie vieles in dieser Firma." Er fordert Domeyers Rücktritt sowie die Offenlegung aller Beteiligungen. Als ehemaliger Mitarbeiter hege er den Verdacht, dass die AG Immobilien zu überteuerten Preisen gekauft habe. Domeyers Fehler seien nicht verzeihlich: "Das war pure Kapitalvernichtung." Zudem habe Domeyer seine Aktien im Gründungsgang mit der Pios AG zu sehr viel günstigeren Konditionen bekommen als dargestellt. Im Saal herrscht betroffene Stille.

12.55 Uhr: Steinhauer nimmt zu den Fragen und Ausführungen Stellung. Seine Antworten sind sehr knapp, er ist spürbar angespannt. Krafczyks Fragen kanzelt er mit dem Hinweis auf den Geschäftsbericht sowie auf die "Überwachungs-Gremien des Unternehmens" ab. Seine Prognose: "Wenn wir diese Hauptversammlung überstehen, werden wir künftig bei bescheideneren Umsätzen stärkere Gewinnmargen erwirtschaften." Er könne die Gespräche mit Partnern zügig zum Abschluß bringen, wenn er der Antrag auf Insolvenz zurückgenommen werde.

13.00 Uhr: Stefan Domeyer tritt wieder ans Pult und bekräftigt, die Metabox 1000 sei besser als die Konkurrenzprodukte von Sony und Loewe. Der offenbar erhoffte Applaus bleibt aus.

13.10 Uhr: Immer mehr Aktionäre drängen in die kleine Kantine auf der Rückseite der Halle. Zumindest hier zeigt sich Metabox kostenbewußt, das Putengeschnetzelte kostet 7,50 Mark, die Rösti dazu 3,50 Mark. Immerhin - Kaffee und Wasser sind umsonst. Das Geschehen im Saal wird mit kaum hörbarer Lautstärke in dem Raum übertragen, das Interesse am interaktiven Fernsehen und seiner großen Zukunft ist allerdings gering. "Was nützen die alten Geschichten?", grummelt ein älterer Aktionär am Mittagstisch. "Ohne Kapitalerhöhung geht die Klappe zu."

13.15 Uhr: Hans-Georg Kauffeld von der "Aktionärsgemeinschaft Metabox" fragt, in welchem Zeitraum eine eventuelle Kapitalerhöhung eingetragen werden kann. "Wir reden über die Zukunft des Unternehmens, und Sie geben nicht einmal einen Ausblick auf die kommenden drei Wochen." Er schließt mit der Frage: "Gibt es überhaupt Hoffnung, dass irgendwelche Investoren diese neuen Aktien aufnehmen?"

CEO Steinhauer windet sich um die Anwort. Geplant sei ein "Maßnahmenbündel", zu dem er derzeit nichts weiter sagen könne, zu dessen Gelingen eine Kapitalerhöhung aber "zwingend notwendig" sei.

13.25 Uhr: Die Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat beginnt. Siegfried Fleischer erläutert das Prozedere. Etwa ein Drittel des Stammkapitals sei derzeit vertreten. Zitat Fleischer: "Wer den Vorschlägen des Unternehmens zustimmen will, braucht nichts zu tun." Dennoch begeben sich zahlreiche Aktionäre in Richtung der kleinen Sammelboxen, die in der Halle herumgereicht werden. Kein gutes Zeichen für Stefan Domeyer und seine Mitstreiter.

13.30 Uhr: Noch dauert die Abstimmung an. Die Stimmung schwankt zwischen Ruhe und Resignation. Ein Aktionär: "Wie es auch ausgeht, das Geld ist wohl weg."

Es berichtete live mm.de-Redakteur Kai Lange


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