Metabox Warten auf Godot

Der erwartete Krawall auf der HV blieb aus - aber auch die Nachricht, dass die dringend benötigten sieben Millionen Mark endlich aufgetrieben wurden.
Von Clemens von Frentz

Hildesheim - Auch nach der HV ist die entscheidende Frage weiter unbeantwortet: Wird die Insolvenz-Eröffnung der Metabox AG  noch verhindert oder nicht?

"Die Vorstände gehen heute noch in Verhandlung", sagte Sprecherin Melanie Hoffmann im Anschluss an die Versammlung. "Bisher ist über einen Insolvenzantrag noch nichts entschieden."

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Graaf braucht das Unternehmen insgesamt sieben Millionen Mark, um die Insolvenz abzuwenden. Graaf auf der Bilanz-Pressekonferenz am 22. Oktober: "Wenn wir bis zum 30. Oktober nicht das benötigte Geld bekommen, müssen wir die Insolvenz unverzüglich eröffnen."

Nun hat der zuständige Richter die Frist offenbar erneut verlängert. Nach Auskunft von Gerichtssprecher Michael Meyer-Lamp bleibt der angeschlagenen Firma jetzt noch Zeit bis zum kommenden Wochenende. Entweder werde bis dahin der Insolvenzantrag zurückgezogen oder das Insolvenzverfahren eröffnet.

Entscheidung möglicher Geldgeber weiter offen

Auf der Hauptversammlung allerdings wurde das Thema Insolvenz nicht behandelt. Unklar ist nach Hoffmanns Angaben zudem, wie die dringend erwartete Entscheidung möglicher Geldgeber über insgesamt 17 Millionen Mark ausfällt. Ein Analyst sagte dazu in Frankfurt: "Das Ganze erinnert mich doch langsam an das Stück 'Warten auf Godot'. Man harrt ewig aus, aber am Ende passiert nix..."

Insgesamt verhandelt Metabox nach früheren Angaben derzeit mit potenziellen Investoren über eine Summe von 17 Millionen Mark. Zehn Millionen benötige das Nemax-Unternehmen für die Fortführung seiner Arbeit.

Dennoch dürfte die Unternehmensleitung mit dem Ergebnis der HV zufrieden sein. Die Anteilseigner ermächtigten den Vorstand unter anderem, das Grundkapital um 15,1 Millionen Mark gegen Bar- oder Sacheinlagen zu erhöhen - ein Punkt, der dem seit Ende August amtierenden Vorstandschef Herbert Steinhauer besonders am Herzen gelegen hatte.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte er einen leidenschaftlichen Appell an die Teilnehmer gerichtet. "Wir brauchen Ihre Hilfe", sagte er. Metabox sei noch nicht gerettet, und ohne die Zustimmung wäre die Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht mehr abzuwenden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Graaff sagte am Rande der Hauptversammlung, für den Verkauf eines Grundstückes gebe es eine mündliche Zusage. Wenn Metabox den ersten Auftrag vermelden könne, gebe es Zusagen von potenziellen Geldgebern. Wie viel Geld damit in die Metabox-Kasse kommt, wollte er nicht sagen.

Domeyer: "Ich übernehme die Verantwortung"

Steinhauer sagte, als er Ende August zu Metabox gekommen sei, habe es an Führung gefehlt, der Vertrieb habe ziellos gearbeitet und bei Kunden keine Glaubwürdigkeit besessen. Das Rechnungswesen von Metabox sei wegen des Weggangs von Mitarbeitern nicht funktionsfähig gewesen. Es habe keine klare Ausrichtung oder Strategie gegeben. Die Unternehmensstruktur sei nicht mehr überschaubar gewesen.

Unternehmensgründer Stefan Domeyer überraschte mit dem Geständnis, ihm seien in seiner Funktion als Vorstandschef in der Vergangenheit unternehmerische Fehleinschätzungen unterlaufen, die schließlich zum Insolvenzantrag geführt hätten. "Ich übernehme die Verantwortung." Er habe aber stets Rat eingeholt. Ursache für die Probleme sei die verflochtene Aufstellung des Unternehmens gewesen. Die Töchter hätten Metabox zu sehr beansprucht.

Domeyer entschuldigte sich bei den Aktionären für den Kursverlust. Seit dem Börsengang im Juni 1999 habe die Aktie - nach zeitweiligen Höchstständen im Juli 2000 von mehr als 40 Euro - 93 Prozent ihres Wertes verloren.

Trotz dieser unerfreulichen Entwicklung wurde dem langjährigen Vorstandschef am Ende die Entlastung nicht verweigert. Domeyer dazu im Interview mit manager-magazin.de: "Ich bin überrascht und freue mich. Ich verstehe die Entlastung als Aufforderung, verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen, und ich werde alles tun, um diese Aufgabe zu erfüllen."


Live-Ticker der HV von Metabox, Teil 1 Live-Ticker der HV von Metabox, Teil 2 Live-Ticker der HV von Metabox, Teil 3 Interview mit Stefan Domeyer: "Firmenschicksal im Ermessen des Amtsgerichts"

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