Deutsche Telekom "Herr Sommer erzählt immer viel"

CEO Ron Sommer bestätigt die eigenen Prognosen. Analysten dagegen erwarten tiefrote Zahlen.

Frankfurt am Main – Das Geschäft der Deutsche Telekom  ist nach Angaben ihres Chefs Ron Sommer durch die Folgen der Terroranschläge in den USA nicht belastet worden. Dies Auffassung vertrat der Vorstandsvorsitzende zumindest gegenüber dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Seine These: Die Angst vor Terroranschlägen stärke derzeit eher die Telekom-Branche.

Die Kunden würden weniger reisen, mehr telefonieren und ihre Post vermehrt elektronisch versenden. Die Zahl der vermittelten Telefonminuten sei nach den Anschlägen vom 11. September zweistellig gestiegen. Allerdings mache das Minutengeschäft nur noch 7 Prozent des Umsatzes aus. Gestiegen sei auch die Nachfrage nach breitbandigen Internetanschlüssen.

Die schwache Konjunktur sei für die Telekom bisher kein Problem. "Unser Geschäft ist weitgehend unabhängig von konjunkturellen Einflüssen", sagte Sommer. Die Zahlen für das dritte Quartal lägen im Rahmen der eigenen Ziele. Am Mittwoch will die Telekom ihre Daten für das Quartal veröffentlichen.

Experten sind skeptisch

In der Fachwelt wurden Sommers Äußerungen mit Skepsis aufgenommen. "Herr Sommer erzählt immer viel", sagte ein Händler. "Da warten die Anleger lieber erstmal ab, was für Zahlen am Mittwoch wirklich auf den Tisch kommen." Sommer wolle kurz vor der Veröffentlichung der Quartalzahlen "wohl noch mal Stimmung machen".

Auch Robert Weinel, Telekom-Analyst bei der DG Bank Asset Management, führte die Kurseinbußen auf Skepsis der Anleger gegenüber manchen Äußerungen Sommers zurück. Die aktuellen Kurseinbußen wiesen darauf hin, dass die Anleger "sehr skeptisch" seien, sagte Weinel.

Analysten rechnen mit erneutem Verlust

Nach Einschätzungen von Analysten dürfte die Deutsche Telekom für das dritte Geschäftsquartal 2001 trotz Beteiligungsverkäufen erneut einen Verlust ausweisen und damit den negativen Ergebnistrend der Vorquartale beschleunigt fortsetzen.

Von Reuters befragte Analysten rechnen vor allem wegen der unprofitablen Geschäfte der US-Mobilfunktochter VoiceStream durchschnittlich mit einem Konzernverlust von 0,42 Milliarden Euro im dritten Quartal, nach einem ausgeglichenen Ergebnis im zweiten Quartal und einem Minus von 0,35 Milliarden Euro im ersten Vierteljahr. Ohne die überwiegend positiven Sondereffekte dürfte sich der Verlust auf 1,27 Milliarden Euro belaufen und den seit knapp sechs Wochen aufwärtstendierenden Aktienkurs nach Expertenmeinung belasten.

Die Telekom wird am Mittwoch ihre vorläufigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal als kumulierte Neun-Monatszeitraum bekannt geben. Veröffentlicht werden voraussichtlich Umsatz, Konzernüberschuss und Kundenzahlen für die Geschäftssparten Festnetz, Mobilfunk und Internet. Endgültige Daten sollen ebenfalls als Neun-Monatszahlen am 28. November folgen.

Die Analysten rechnen beim Umsatz mit einem deutlichen Wachstum gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahreszeitpunkt auf durchschnittlich 12,78 Milliarden Euro. Damit wird die Telekom voraussichtlich ihre eigene Prognose erfüllen, wonach im Gesamtjahr der Umsatz um 15 Prozent über dem Vorjahresergebnis von 40,94 Milliarden Euro liegen soll.

VoiceStream und Powertel belasten

Im Neun-Monatszeitraum werden kumulierte Umsätze der vergangenen drei Quartale von durchschnittlich 35,15 Milliarden Euro erwartet. Als Umsatztreiber gelten die Mobilfunksparte und das Systemhaus-Geschäft. Über die weiteren Fortschritte bei der angestrebten Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebitda) werden erst nach der Veröffentlichung der endgültigen Zahlen Aussagen möglich sein.

Als Belastung für das Quartalsergebnis gelten den Analysten zufolge vor allem die US-Töchter VoiceStream und Powertel. "Es ist zu erwarten, dass die Verluste nahezu so hoch wie die Umsätze ausfallen werden, die wir auf 1,2 Milliarden Euro schätzen", sagte WestLB-Analyst Frank Wellendorf.

Auch Holger Bosse, Analyst bei der Helaba, sieht die Geschäfte von VoiceStream und Powertel tief in den roten Zahlen. "Allein im Juni wurde ein Verlust von rund 300 Millionen Euro verbucht. Wenn man das auf drei Monate hochrechnet, bedeutet dies einen Verlust von rund 900 Millionen Euro im dritten Quartal", sagte er.

Telekom avisiert Erreichen der Gewinnschwelle

Die Telekom hatte sich zuletzt allerdings gegen derartige Prognosen über den im dritten Quartal bei VoiceStream zu erwartenden Verlust gewandt und das Erreichen der Gewinnschwelle für einen Zeitpunkt um die Jahreswende bekräftigt.

Die eigenen Erwartungen seien im Quartal "absolut" geworden, hatte es geheißen. VoiceStream und Powertel waren im zweiten Quartal wegen der zum 1. Juni erfolgten Übernahme nur einen Monat in den Büchern berücksichtigt worden. Auch das profitabel arbeitende tschechische Mobilfunkunternehmens RadioMobil war nur im Juni konsolidiert worden.

WestLB geht von Kursverlusten aus

Analyst Bosse erwartet grundsätzlich "nichts positives von den Unternehmensdaten". Die jüngsten Zahlen könnten sich sogar negativ auf den Aktienkurs auswirken. Auch die WestLB geht von Kursverlusten in Folge schwacher Quartalsergebnisse aus, da diese schlechter als die Markterwartungen seien.

Die Bewertung der Telekom-Aktien sei auf Underperform von zuvor Neutral zurückgenommen worden, da die Quartalsergebnisse negative Überraschungen enthielten, teilte die Bank am Freitag mit. Die Telekom könne nur auf Grund positiver Sondereffekte einen positiven Konzernüberschuss im Quartal und für den Neun-Monatszeitraum ausweisen, sagte Analyst Wellendorf.

Sprint-Verkauf brachte 1,6 Milliarden Euro

Als positiv auf das Konzernergebnis durchschlagende Sondereffekte hat die Deutsche Telekom eigenen Angaben zufolge den mehrheitlichen Verkauf des Kabelnetzes in Baden-Württemberg mit einen Kaufpreis von rund 900 Millionen Euro in bar plus Wertpapiere verzeichnet. Dazu kommt der Verkaufserlös der Anteile an dem US-Mobilfunkunternehmen Sprint PCS in Höhe von 1,6 Milliarden Euro.

Daraus könnte sich Analysten zufolge ein positiver Ergebniseffekt in Höhe von zusammen 1,6 Milliarden Euro ergeben. Aus dem jüngsten Verkauf eines Immobilien-Pakets für 1,1 Milliarden Euro werden im Quartal nach Telekom- und Analystenerwartungen noch keine Sondereinnahmen verbucht, die zum Abbau der sich zuletzt auf 68,8 Milliarden Euro summierenden Netto-Verschuldung genutzt werden sollen.

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