Börse Zwergenaufstand am Neuen Markt

Das neue Regelwerk der Deutschen Börse hat längst seinen Schrecken verloren. Immer mehr Unternehmen wehren sich juristisch gegen eine Verbannung vom Neuen Markt - mit Erfolg.

Frankfurt - In ihrem Bestreben, schwache Kandidaten vom Neuen Markt zu verbannen, hat die Deutsche Börse AG eine weitere Schlappe erlitten. Nun hat auch die insolvente Teamwork information management AG beim Landgericht Frankfurt einen Aufschub erwirkt. Bemerkenswert hierbei: Die Einstweilige Verfügung gibt dem Paderborner Unternehmen gleich ein ganzes Jahr Gnadenfrist.

Teamwork hatte vor gut einem Monat vor dem Landgericht eine Einstweilige Verfügung beantragt, nachdem Verhandlungen mit der Deutschen Börse AG über eine einvernehmliche Einigung gescheitert waren. Der Teamwork-Vorstand führte ins Feld, dass ein Listing am Neuen Markt für die laufenden Sanierung des Unternehmens von existenzieller Bedeutung ist.

Damit wird die Liste der standhaften Delisting-Verweigerer immer länger. Der jüngste Fall: Am Mittwoch-Mittag teilte die e.multi Digitale Dienste AG aus Ettlingen mit, dass sie beim Landgericht Frankfurt ebenfalls erfolgreich eine einstweilige Verfügung gegen den drohenden Rauswurf aus dem Neuen Markt erwirkt hat. Neuer Stichtag ist nun der 1. April 2002.

Der seit dem 19. Juli 2000 börsennotierte Anbieter von Gewinnspielen im Internet erklärte dazu, das vom Vorstand erarbeitete Restrukturierungskonzept könne somit ohne zusätzlichen Druck von außen fortgesetzt werden. Durch den Aufschub erhalte e.multi die Möglichkeit, "geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um dauerhaft am Neuen Markt notiert zu sein".

Mehr als ein Dutzend Firmen bleiben vorerst verschont

Die Tochter der ebenfalls vom Delisting bedrohten Kinowelt AG hatte am 10. Oktober eine Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2001 veröffentlicht. Die Umsatzerwartung wurde von 13 Millionen Euro auf 4,5 Millionen Euro herabgesetzt und ein Jahresfehlbetrag von neun Millionen Euro prognostiziert.

Insgesamt haben sich bislang 15 Nemax-Firmen auf juristischem Weg den vorläufigen Verbleib am Neuen Markt gesichert. Sie entgehen damit vorerst den schärferen Regeln am Neuen Markt, die seit Anfang Oktober gelten.

Die Werte im einzelnen:

Die Deutsche Börse will mit den neuen Regeln wieder Vertrauen in das ramponierte Image des Neuen Marktes bringen. Auf dem Prüfstand stehen Unternehmen, deren Aktienkurs an 30 aufeinander folgenden Börsentagen den Kurs von 1 Euro unterschreitet und deren Marktkapitalisierung zugleich unter 20 Millionen Euro sinkt.

Nur gegen Foris geht die Börse in Berufung

In Berufung gehen will die Deutsche Börse bisher erst gegen die Foris AG. Der Prozessfinanzierer hatte als erstes Unternehmen Mitte August eine Einstweilige Verfügung gegen die neuen Penny-Stock-Regeln durchgesetzt.

Bei der Deutschen Börse heißt es mit Blick auf die anderen Unternehmen, die vor Gericht gezogen waren: "Wir prüfen unsere Rechtsmittel." Nach früheren Angaben der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sind über 40 Firmen vom Ausschluss vom Neuen Markt bedroht.


Die Liste der Penny-Stocks am Neuen Markt

Die Penny-Stock-Umfrage von mm.de

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