SAP Auf Schlingerkurs

Hasso Plattner enttäuscht die Anleger. Der Chef des Softwarekonzerns SAP senkt die Umsatzprognosen für das Gesamtjahr.

Nach Gewinnwarnungen von Großkonzernen aus aller Welt als Folge der Anschläge vom 11. September hat am Donnerstag auch der Softwarekonzern SAP Chart seine Jahresprognose gesenkt. Der Konzern teilte mit, nunmehr werde für dieses Jahr nur noch ein Umsatzwachstum von 15 Prozent erwartet. Die operative Rendite werde etwa auf dem Vorjahresniveau bleiben.

15 statt 20 Prozent Umsatzwachstum

Bislang hatte SAP ein Umsatzwachstum um 20 Prozent und ein Renditeplus von einem bis zwei Prozentpunkte erwartet. Im dritten Quartal ging der Reingewinn des Konzerns zurück und fiel damit deutlich schwächer aus als von Analysten erwartet. SAP kündigte weitere Maßnahmen zur Kostensenkung an, ohne diese genau zu erläutern. Der Kurs der SAP-Aktie brach am Donnerstag um knapp zwölf Prozent ein und schloss bei 112 Euro. Die Verluste im Tagesverlauf waren noch größer.

"Es sind nicht so sehr die Zahlen an sich", sagte eine Fondsmanagerin in Frankfurt. Es sei eher ein Vertrauensbruch mit dem Unternehmen, das bis zuletzt an seinen Prognosen festgehalten habe.

Mitarbeiterstruktur steht auf dem Prüfstand

SAP begründete die geänderte Prognose für das Gesamtjahr damit, dass Kunden den Softwarekauf derzeit aufschöben. "Der Softwaremarkt, besonders in den USA, hat sich in der jüngsten Vergangenheit deutlich verändert", teilte Vorstandssprecher Hasso Plattner mit. Bestehende und neue Kunden verschöben Entscheidungen zum Kauf von Softwarelösungen.

SAP kündigte als Folge weitere Einsparmaßnahmen an. "Konsequenterweise wird die SAP Maßnahmen zur Kostensenkung beschleunigen", hieß es. Dazu gehöre auch die Anpassung der Zahl der Mitarbeiter sowie der Mitarbeiterstruktur, und dies vor allem in den USA. Im Geschäftsjahr 2000 hatte SAP bei einem Umsatz von knapp 6,3 Milliarden Euro einen bereinigten operativen Gewinn von 1,23 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Im dritten Quartal 2001 steigerte SAP nun seinen Umsatz um 16 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ohne Berücksichtigung von Sondereffekten stagnierte dagegen bei 201 (Vorjahreszeitraum: 202) Millionen Euro. Der Überschuss ohne Berücksichtigung von Aufwendungen durch Zukäufe verringerte sich um mehr als ein Zehntel auf 78 (88) Millionen Euro. Damit blieben die Ergebnisse erheblich unter den Erwartungen von Analysten, die für den Umsatz im Schnitt einen Zuwachs von 19 Prozent und für den Reingewinn einschließlich der Einmaleffekte um nahezu drei Viertel erwartet hatten.

Viele Analysten waren nicht davon ausgegangen, dass SAP eine Gewinnwarnung veröffentlichen wird, da der Konzern in der Vergangenheit oft schon wenige Tage nach dem Ende eines Quartals darüber informiert hatte, falls die Zahlen erheblich von den Erwartungen abgewichen waren.

Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann verwies darauf, dass SAP insgesamt die Prognosen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres erfüllt habe. Gleichwohl habe SAP für das dritte Quartal mit einem höheren Umsatz aus Softwarelizenzen gerechnet. Der Lizenzumsatz sank zwischen Juli und September den Angaben zufolge um sieben Prozent auf 447 Millionen Euro, während der Umsatz aus Beratung (plus 30 Prozent) und aus Schulungen (plus 19 Prozent) stark wuchs.

Widersprüchliche Analystenstimmen

Die Analystenstimmen zu der SAP-Aktie in den vergangenen Tagen waren widersprüchlich. Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) gab sich optimistisch und stufte die Aktie von "Outperform" auf "Kauf" hoch. Das neue Kursziel wird bei 200 Euro gesehen.

Bedeckter hielt sich die renommierte Investmentbank Goldman Sachs. Zwar bleiben die Titel auf der Empfehlungsliste ("Recommended List"), doch könnten die Schätzungen des Hauses für das Software-Lizenzgeschäft im vierten Quartal angesichts der schlechten Wirtschaftsentwicklung etwas zu positiv ausgefallen sein, räumten die Experten ein. Kritisch äußerten sich hingegen die Helaba ("Untergewichten") und die Berenberg Bank ("Reduzieren").