Biodata Doppeltes Ungemach

Den Managern des Unternehmens steht eine Strafanzeige und eine Schadensersatz-Klage ins Haus. Ein Münchner Anwalt wirft dem Vorstand vor, die Anleger getäuscht zu haben.
Von Clemens von Frentz

Frankfurt - Nun wird auch Biodata ein Fall für die Juristen. Der Münchener Rechtsanwalt Klaus Rotter, der bereits die Klage eines geprellten Infomatec-Anlegers erfolgreich vertreten hatte, will in den kommenden Tagen Strafanzeige gegen verantwortliche Mitarbeiter der Software-Firma einreichen. Außerdem bereitet er im Auftrag mehrerer Anleger eine Schadensersatzklage vor.

Hintergrund: Am 24. August 2000 meldete das Unternehmen in einer Ad-hoc-Meldung einen "Großauftrag aus Australien", der die Aktie kräftig nach oben schnellen ließ. In der Mitteilung des Vorstands hieß es: "Über den Servicepartner Alphagen Pty Ltd. installiert Biodata für das Unternehmen NetCard bis zu 6000 Firewalls gegen monatliche Pauschalen. In der Endstufe bedeutet dies zusätzliche jährliche Umsätze von rund 20 Millionen Euro."

Der gemeldete Vertrag kam nie zustande

Der Vertrag hatte einen Schönheitsfehler: Er kam nie zustande. Die Aktionäre allerdings erfuhren dies erst etwa zehn Monate später, am 5. Oktober 2001, als Biodata eine Umsatz- und Ertragswarnung für das dritte Quartal und das Gesamtjahr veröffentlichte.

Für Anwalt Rotter ein klarer Fall von Anleger-Täuschung. Er sieht einen Verstoß gegen die Paragraphen 88 Börsengesetz (Kursmanipulation) und 400 Aktiengesetz (falsche Angaben) und verfaßt derzeit eine Strafanzeige, die bis Ende Oktober bei der Staatswanwaltschaft Kassel eingereicht werden soll.

Außerdem wurde nach Rotters Einschätzung offensichtlich gegen den Paragraphen 15 des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen. Rotter: "Diese Vorschrift regelt die sogenannte Publizitätspflicht der Aktiengesellschaften. Sie schreibt unter anderem vor, dass kursrelevante Tatsachen unverzüglich, wahrheitsgemäß und vollständig veröffentlicht werden müssen."

Parallelen zum Infomatec-Skandal

Dies war bei dem gemeldeten "Großauftrag" augenscheinlich nicht der Fall. Rotter: "Der Auftrag war - wie das Unternehmen ja nun zugibt - noch nicht so rechtsverbindlich vereinbart, wie es die Ad-hoc-Meldung suggerierte. Hier sehen wir klare Parallelen zum Verhalten der Infomatec AG, die mehrmals Großaufträge vortäuschte, ohne entsprechende Verträge unterzeichnet zu haben."

Mit Interesse wartet der Anwalt nun auf die Ergebnisse des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe), das die Rechtmäßigkeit der Ad-hoc-Mitteilung zur Zeit prüft. Eine weitere Untersuchung hat das BAWe gestartet, um "Umsatzauffälligkeiten" vor der Gewinnwarnung vom 5. Oktober zu klären. Im Vorfeld kam es zu einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens, was auf Insider-Handel hindeutet.

Schadensersatzklage für mehrere Anleger geplant

Nach dem Erfolg der 100.000-Mark-Klage gegen die ehemaligen Infomatec-Manager Gerhard Harlos und Alexander Häfele sieht Rotter nun auch gute Chancen für eine Schadensersatzforderung gegen Biodata. Er bereitet zur Zeit eine entsprechende Klage für einige Mandanten vor, die aufgrund des Kursverfalls der Biodata-Aktie erhebliche Verluste erlitten haben. Der Streitwert liegt nach Rotters Angaben im sechsstelligen Bereich.

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