Gesetzreform Kommt die Analysten-Polizei?

Das Finanzministerium verwirft die Idee einer freiwilligen Selbstkontrolle im Aktien-Research und schlägt eine schärfere Tonart an: Per Gesetz sollen Analysten zu mehr Transparenz gezwungen werden.

Berlin - Eine neue Gesetzes-Vorschrift soll die Aktientipps von Analysten für den Anleger durchschaubarer machen. Geht es nach den Entwürfen eines Expertengremiums im Finanzministerium, müssen Analysten in Deutschland bald zu jedem Aktienurteil einen Vermerk stellen. In der Pflichtinformation soll offen gelegt werden, welche wirtschaftlichen Interessen das Finanzinstitut, für das der Analyst arbeitet, an dem beurteilten Unternehmen hat. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Bundesministerien für Finanzen und Wirtschaft.

Bei den geplanten Pflicht-Vermerken könnte es beispielsweise darum gehen, ob und wie viele Aktien eines Unternehmen, das von einem Analysten beurteilt wird, in Händen der Bank sind, für die er arbeitet. Auch ob der Analyst persönlich Aktien besitzt, muss er nach dem geplanten Gesetz offen legen. Mit der geplanten Informationspflicht soll der Anlegerschutz verbessert werden. Denn die Kauf-Empfehlung einer Bank für Aktien, die sie selbst in großem Umfang besitzt, ist kritischer zu sehen als eine Empfehlung ohne diesen Umstand.

Die Informationspflicht soll nach dem Willen einer Börsensachverständigen-Kommission des Finanzministeriums in die vierte Novelle des Finanzmarktfördergesetzes festgeschrieben werden. Ebenso soll das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel auf diesem Weg mehr Rechte erhalten. Die Vorlage im Kabinett ist für den 7. November vorgesehen.

Gegen "interessengesteuertes Hochschreiben" von Aktien

Margareta Wolf (Bündnis 90/ Die Grünen), Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, hatte im Januar die Diskussion um eine stärkere Kontrolle der Aktien-Analysten angestoßen: "Ich habe den Eindruck, dass Analysten zum Teil interessengesteuert bestimmte Papiere hochschreiben", hatte Wolf erklärt. Dies hätte insbesondere dem Ruf des Neuen Marktes geschadet.

Seit einigen Monaten hatte das Deutsche Aktieninstitut gemeinsam mit Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg, einen Kodex erarbeitet, der den "interessengesteuerten" Aktienempfehlungen entgegenwirken sollte. Der Vorschlag wurde auf Basis einer freiwilligen Selbstkontrolle der Banken und Analysten erarbeitet. "Mit Pauken und Trompeten" sei die Idee der freiwilligen Selbstkontrolle allerdings jetzt bei der Börsensachverständigen-Kommission durchgefallen, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" einen Sprecher des Finanzministeriums. Dabei sei auch die Einbeziehung von Journalisten, die Berichte über Aktien schreiben, als "nicht praktikabel" zurückgewiesen worden.

Gerke selbst hatte sich in der Vergangenheit gegen eine freiwillige Selbstkontrolle ausgesprochen und empfohlen, eine Instanz wie etwa das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel über die Einhaltung der Richtlinien wachen zu lassen. "Ich halte es für wichtig, dass möglichst viele Aspekte einer verbesserten Kontrolle in die Gesetzgebung einfließen", betonte Gerke gegenüber mm.de.