US-Konzerne Apple, AMD und Texas Instruments enttäuschen nicht

Apple meldete einen Gewinn über den Erwartungen, korrigierte aber die Prognosen für das nächste Quartal nach unten. AMD erwirtschaftete Verluste wie erwartet, bei Texas Instruments fielen sie überraschend geringer aus.

New York - Die Ertragssaison hat bislang mehr positive als negative Überraschungen gebracht. Die Quartals-Ergebnisse des Medienkonzerns AOL Time Warner sowie der Hightechriesen IBM und Intel sorgten am Mittwoch Morgen für gute Stimmung an der Börse. Doch die Börsenstimmung drehte im Handelsverlauf, nur IBM konnte die Gewinne bis zum Börsenschluss halten.

Angesichts der wachsenden Unsicherheit nach den neuen Anthrax-Fällen im US-Kongress und nach der Rede von Notenbank-Chef Greenspan, der vor Euphorie warnte, rutschte die Wall Street am Mittwoch in die Verlustzone.

Nach Börsenschluss meldete Apple Quartalszahlen über den Schätzungen der Analysten. Trotzdem lag das Ergebnis um 61 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der Computerkonzern meldete einen Gewinn von 18 Cents pro Aktie, 2 Cents über den Markterwartungen. Im Vorjahr hatte der Computerkonzern noch 47 Cents pro Aktie eingefahren. Der Umsatz ging seitdem um 22 Prozent zurück.

Für das vierte Quartal warnte das Management vor einem Ergebnis unter den Erwartungen. Apple begründete den negativen Ausblick mit dem schwachen wirtschaftlichen Umfeld und der unsicheren politischen Situation. Für die kommenden drei Monate kündigte das Management ein Gewinn von etwa 10 Cents pro Aktie an. An der Wall Street war man bisher von 18 Cents ausgegangen. Apple hatte im regulären Handel 4,6 Prozent verloren. Nachbörslich kletterte die Aktie um mehr als ein Prozent.

AMD leidet unter dem Preiskrieg in der Chip-Branche

Advanced Micro Devices meldete am Abend einen Verlust im Rahmen der Markterwartungen: Der Chiphersteller fuhr im dritten Quartal ein Minus vor außerordentlichen Kosten von 28 Cents pro Aktie ein. Unter Einbeziehung der Einmalkosten verlor AMD 54 Cents, nach einem Nettogewinn von 5 Cents pro Aktie im Vorjahr. Der Umsatz fiel seitdem um 37 Prozent zurück.

Das Management begründete den Verlust mit dem Preiskrieg in der Chipbranche: Der Konkurrent Intel kämpft um Marktanteile und hatte deshalb in den vergangenen Monaten die Preise für den Pentium 4-Chip gesenkt.

In den kommenden drei Monaten erwartet AMD stagnierende Umsätze oder eine Steigerung um bis zu 10 Prozent gegenüber dem dritten Quartal. Das Management kündigte außerdem die Schließung von zwei Fabriken und die Streichung von 2300 Stellen an, etwa 15 Prozent der Arbeitsplätze. Der Kurs von AMD war im regulären Handel um 9,5 Prozent zurückgefallen. Nachbörslich notierte die Aktie erneut schwächer.

Der Konkurrent Texas Instruments meldete am Mittwoch Abend einen geringeren Verlust als von Wall Street Analysten vorhergesagt. Der Chiphersteller fuhr ein Minus von 3 Cents pro Aktie ein, nach einem Gewinn von 33 Cents im Vorjahr. Der Umsatz gab seit dem vergangenen Jahr um 43 Prozent nach. Der Kurs von Texas Instruments fiel nachbörslich um mehr als 6 Prozent zurück.

AOL übertrifft Erwartungen

Der weltgrößte Medien- und Internetkonzern AOL Time Warner  hat im dritten Quartal seinen Nettoverlust von 902 auf 996 Millionen Dollar ausgeweitet. Dies entspreche einem Minus von 22 Cent je Aktie nach minus 21 Cent im Vorjahr, teilte AOL am Mittwoch vor Börseneröffnung in New York mit.

Der Cash-Ertrag je Aktie, also der Gewinn einschließlich aufgelaufener Abschreibungen, stieg binnen Jahresfrist von 21 auf 30 Cent. Damit übertraf AOL die Schätzungen der Analysten, die im Schnitt mit 26 Cent gerechnet hatten.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 20 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz kletterte um sechs Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Analystenprognosen, die mit 9,15 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Allerdings gingen die Werbeerlöse um fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar zurück.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Neukunden bei AOL um 1,3 Millionen auf insgesamt 31,3 Millionen. Das Kabelgeschäft von Time Warner verzeichnete 2,9 Millionen Neukunden.

Für 2002 hat sich der Konzern optimistisch geäußert. Das Ebitda soll den Prognosen zufolge zweistellig wachsen. Auch von Analysten gibt es positive Einschätzungen. "AOL ist im Medienbereich nach wie vor am breitesten aufgestellt", sagte Peter Mirsky, Analyst der Investmentbank SG Cowen. Es sei für die Werbebranche schwer, an AOL als Werbeträger vorbeizukommen. Das Unternehmen würde einfach eine zu breite Bevölkerung erreichen, hieß es.

IBM und Intel haben die Erwartungen erfüllt

Bereits am Dienstag nach Börsenschluss haben die US-Technologieriesen IBM und Intel ihre Zahlen bekannt gegeben und trotz erheblicher Gewinneinbrüche die Erwartungen der Analysten erfüllt. Beide Firmen leiden unter dem schwachen Chip- und Computergeschäft.

Der weltgrößte Computerkonzern IBM  konnte aber dank eines erfolgreichen Dienstleistungs- und Softwaregeschäfts die Erwartungen an der Wall Street übertreffen. Intel  , Branchenführer in der Chipherstellung, erfüllte die - allerdings bereits stark reduzierten - Prognosen der Analysten.

IBM verdiente im 3. Quartal nur noch 1,6 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Mark), 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz schrumpfte um sechs Prozent auf 20,4 Milliarden Dollar, teilte die Gesellschaft mit. Der Quartalsgewinn von 0,90 (Vorjahresvergleich: 1,08) Dollar je Aktie übertraf jedoch die Wall-Street-Erwartungen von 0,89 Dollar je Aktie leicht. Die Analysten-Gewinnprognose für das Schlussquartal 2001 von 1,35 Dollar je Aktie hält IBM-Finanzchef John Joyce nach Angaben der US-Wirtschaftsnachrichtenagentur "Bloomberg" für "vernünftig".

In den ersten neun Monaten schrumpfte der IBM-Gewinn um 0,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg minimal um 0,4 Prozent auf 63 Milliarden Dollar.

IBM verbuchte im dritten Quartal im Hardware-Sektor einen Umsatzrückgang von 21 Prozent auf nur noch 7,5 Milliarden Dollar. "Das Personal-Computer-Segment unserer Branche bereitet weiterhin Sorge", betonte Louis V. Gerstner. Das Mikroelektronik-Geschäft, das die Chip-Sparte einschließt, fiel deutlich. Der Softwareumsatz stieg hingegen um zehn Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar.

Im Dienstleistungsbereich legte IBM um fünf Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar zu. Das Unternehmen verbuchte dort im dritten Quartal Aufträge in Höhe von zehn Milliarden Dollar. IBM hatte Ende September in dieser Sparte, die Computernetze von Großkunden betreibt, einen Auftragsbestand von 97 Milliarden Dollar.

Preiskrieg mit AMD lastet auf Intel

Intel hatte unter harten Preiskämpfen mit dem Hauptrivalen Advanced Micro Devices (AMD) und der anhaltenden Misere der Chip-Branche zu leiden. Der Quartalsgewinn sackte um 96 Prozent auf nur noch 106 Millionen Dollar ab, gab Intel bekannt.

Der Umsatz schrumpfte um 25 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie erreichte unter Ausklammerung von Sonderfaktoren mit zehn Cents allerdings die Prognosen der Wall-Street-Analysten. Intel hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 19,6 (25) Milliarden Dollar umgesetzt. Der Gewinn fiel auf 787 Millionen Dollar gegenüber 8,3 Milliarden Dollar im Vorjahr.

"Während die Weltwirtschaftslage schwach blieb, haben wir unsere Wettbewerbsposition weiter gestärkt und erwarten im vierten Quartal ein mäßiges Wachstum für Mikroprozessoren und Flash Chips", betonte Intel-Chef Craig R. Barrett. Flash Chips werden in Handys und anderen elektronischen Geräten verwendet. Intel prognostizierte für das vierte Quartal allerdings nur einen Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar bis 6,8 Milliarden Dollar. In der Vorjahresvergleichszeit hatte Intel noch 8,7 Milliarden Dollar umgesetzt.

Von Christian Tempich, New York