Die Thilenius-Kolumne Erholt sich der PC-Markt?

Die Computerbranche durchlebt eine ihrer schwersten Krisen. Nur wenige Unternehmen können der Flaute trotzen. Dazu gehört Dell, meint Georg Thilenius.

Seit den Terroranschlägen in Amerika haben die betroffenen Firmen für viele Millionen Dollar PCs bestellt. Diese Ersatzbeschaffungen sehen nach einem großen Volumen aus. Bei näherem Hinsehen werden sie aber kaum einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäfte der PC-Hersteller haben.

Durch die Anschläge ist ungefähr ein Ersatzbedarf von 80.000 bis 100.000 PCs entstanden. Dies ist jedoch kein großer Betrag in einer Branche, die in jedem Quartal 35 Millionen Geräte verkauft. Die Investitionen in Informationstechnologie im Jahr 2001 dürften um zehn Prozent zurückgehen, was der schlimmste Rückgang in 50 Jahren ist.

Dell trotzt der Branchenkrise

In diesem Sturm hält Dell, ungeachtet der Gewinnwarnung von anderen PC-Herstellern, an seinen Prognosen für das laufende Quartal fest. Hier sieht man erneut die Ausnahmestellung des inzwischen weltgrößten PC-Herstellers auf dem insgesamt rückläufigen Markt.

Allein die Bestätigung der Prognose reichte für einen zehnprozentigen Kursgewinn der Dell Aktie an einem Tag. Das Ergebnis pro Aktie soll, wie angekündigt, zwischen 0,15 und 0,16 Dollar pro Quartal liegen. Durch das einzigartige Vertriebsmodell der Direktbestellung hat Dell als einziger weltweit schon im zweiten Quartal Zuwächse erzielt. Dell hat jetzt einen Marktanteil bei Geschäftskunden von etwa 20 Prozent und bei Privatkunden etwa neun Prozent. Im öffentlichen Sektor, einschließlich der Bildungseinrichtungen erfreut sich Dell eines Marktanteils von etwa 25 Prozent weltweit.

Dell erwartet weitere Marktanteilsgewinne in allen Produktkategorien, in allen Kundensegmenten und den regionalen Märkten. Dell ist in der Lage seine Preise wesentlich stärker zu senken als alle anderen PC-Hersteller und dennoch Gewinn zu machen.

Bei einem Kurs von 22 Dollar und einer Gewinnerwartung für 2002 von 0,64 Dollar errechnet sich für Dell ein optisch hohes Gewinnverhältnis von 34. Angesichts der Wachstumschancen in einem, nach der Investitionspause des Jahres 2001 gelegentlich wieder erstarkenden PC Markt ist das für den einzigen profitablen Überlebenden der PC-Krise langfristig ein recht günstiger Preis.

Auf Zwölfmonatssicht sollte sich der Kauf lohnen. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass nach einem möglicherweise schwachen vierten Quartal 2001 Anfang Januar 2002 noch einmal schlechte Zahlen kommen und den Kurs belasten dürften. Dahinter dürfte aber der Weg nach oben offen sein.

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