Telekom Bilanzpflege wird zum Bumerang

Mit einer neuen Anleihe will der Konzern seinen Schuldenberg abbauen. Das derzeitige Kredit-Rating sei jedoch nicht in Gefahr. Anleger reagieren dennoch nervös und drücken die Aktie tief ins Minus.

Bonn - Die Deutsche Telekom will zum Schuldenabbau und zur Verbesserung ihres Finanzergebnisses erstmals einen Teil ihrer bestehenden Kundenforderungen aus dem Festnetzgeschäft am Kapitalmarkt veräußern. Die Telekom teilte in Bonn mit, Kundenforderungen in Höhe von zwei Milliarden Euro würden zum Jahresende durch die Emission von Wertpapieren verbrieft.

Anleger reagieren dennoch nervös: Die Aktie der Deutsche Telekom  gehörte am Freitag zu den schwächsten Werten im Dax. Ein Händler führte die starken Verluste jedoch überwiegend auf den Verlust des Monopols im Ortsnetz zurück. Die Milliarden schwere Umschuldung des Konzerns zum Jahresende sei kein Grund, die Aktie zu verkaufen.

Fünfjähriger Bond mit erstklassigem Rating

Im Rahmen dieser so genannten Asset-Backed-Securisation (ABS) will die Telekom einen fünfjährigen Bond mit variabler Verzinsung begeben. Wegen der Besicherung der Anleihe mit erstklassigen Kundenforderungen werde das Papier ein AAA-Rating erhalten.

Infolge geringerer Refinanzierungskosten werde das Vorsteuerergebnis pro Jahr um 20 Millionen Euro höher ausfallen, sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. In der Bilanz werde sich die Verschuldung zudem um zwei Milliarden Euro reduzieren. Die Einmalkosten beliefen sich auf vier bis fünf Millionen Euro über die Laufzeit des Bonds, bei einer erneuten Auflage seien die Kosten dann geringer.

Nach den Worten von Eick handelt es sich bei der ABS-Anleihe um ein Standardprodukt der Betriebsmittelfinanzierung, das zahlreiche Firmen nutzten. Neben dem Beitrag zum Schuldenabbau und der Verbesserung des Finanzergebnisses wolle die Telekom mit der Anleihe auch die Investorenbasis verbreitern.

Mit dem zu erwartenden Kredit-Rating AAA spreche man Investoren an, die nicht in Anleihen mit dem Rating (A-) von Telekom Corporate Bonds investierten. Nach den Worten des Leiters des Zentralbereichs Treasury der Telekom, Gerhard Mischke, wird das ABS-Programm spätestens im Januar abgeschlossen sein. Veräußert würden nur bestehende und keine künftigen Forderungen.

Keine neuen Mittel bis 2002

Zunächst sei auch nicht daran gedacht, weitere Vermögensgegenstände oder Forderungen zu verbriefen. Für die Kunden ändere sich durch den geplanten Verkauf der Forderungen nichts. Die Privatkunden würden lediglich mit der nächsten Telefonrechnung über eine notwendige Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen informiert.

Finanzvorstand Eick bekräftigte zudem, dass die Telekom bis über das Jahr 2002 hinaus durchfinanziert sei und keine neuen Mittel am Kapitalmarkt aufnehmen müsse. Die Liquiditätsreserven des Unternehmens lägen bei 28,5 Milliarden Euro. Man werde 2002 jedoch erneut am Anleihemarkt aktiv werden. Zum Umfang und zum Zeitpunkt wollte sich Eick nicht äußern, da dies auch vom geplanten Börsengang der Mobilfunkholding T-Mobile abhängig sei.

Herabstufung der Bonität

Langfristig sehe man das gegenwärtige Kredit-Rating des Unternehmens mit (A-) nicht in Gefahr. Selbst eine kurzfristige Herabstufung auf die Note BBB, wie sie die übrigen großen europäischen Telekom-Konzerne hätten, sei "kein Beinbruch", sagte Eick. Die höheren Zinskosten infolge einer Herabstufung würden sich auf rund 120 Millionen Euro pro Jahr summieren.

Einen Verkauf des Festnetzgeschäfts zum Schuldenabbau schloss das Vorstandsmitglied aus. Branchenkreisen zufolge hat der Rivale British Telecom Angebote von Kaufinteressenten für sein Festnetz erhalten.

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