Interview "Geduld und konsequente Strategie sind wichtig"

Hans-Peter Schupp, 35, managt für das Bankhaus Julius Bär den Euroland Value Stock Fund (926 082) und den German Value Stock Fund (973 019). Mit der strengen Auswahl von Substanzwerten strebt Schupp langfristiges Wachstum an.

Nachhaltig erzielbare Unternehmensgewinne sind für Hans-Peter Schupp wichtiger als kurzfristige Steigerungen. Während zahlreiche Branchen- und Wachstumsfonds während der Baisse abstürzten, zeigten sich Value-Fonds seit Jahresbeginn recht robust und belegten bei der Performance die vorderen Plätze.

mm.de:* Sie tragen Verantwortung für zwei Fonds. Wie wird man Fondsmanager?

Hans-Peter Schupp: Einen klassischen Ausbildungsweg gibt es meiner Meinung nach nicht, die Werdegänge sind recht unterschiedlich. Ich persönlich habe mich vor zehn Jahren als Diplom-Kaufmann von der Hochschule auf eine Zeitungsannonce beworben und bin als "Junior Fonds Manager" eingestiegen. Zunächst habe ich im Spezialbereich Derivate gearbeitet, nun bin ich für zwei Fonds verantwortlich.

mm.de: Wie sieht Ihr Alltag aus? Welche Rolle spielt das Team?

Schupp: Da muss man zwischen kleineren und größeren Fondsgesellschaften unterscheiden. Als Manager bei einer kleineren Gesellschaft habe ich auch Research-Verantwortung, während Fondsmanager in großen Gesellschaften diese Arbeiten an das Research-Team übertragen können. Wir sind sieben Leute im Team, die alle neben der Fonds-Disposition auch für Research und die Ordervergabe zuständig sind. Daraus folgt, dass wir alle Werte stets im Blick behalten und regelmäßig im Team über die von uns ausgewählten Werte diskutieren - auch über die, die wir eventuell neu aufnehmen.

Unser Arbeitstag beginnt früh: Vor Handelsbeginn haben wir die Zeitungen gelesen und die Ad-hoc-Meldungen vom Morgen ausgewertet. Die aktuellen Nachrichten auf dem Reuters-Screen muss man natürlich verfolgen. Die Börse sorgt dann schon dafür, dass der Alltag nicht eintönig wird.

mm.de: Wie haben Sie den 11. September, den Tag der Attentate auf die USA, erlebt?

Schupp: Für uns kam es eher darauf an, in den Folgetagen den Markt zu analysieren und zu schauen, welche Werte über Gebühr heruntergedrückt und welche hochgehalten wurden. Wir haben dann zum Beispiel Deutsche Telekom verkauft, da die Kurse durch Short-Eindeckungen hochgehalten wurden, und haben Vorzugsaktien von Volkswagen aufgestockt. Dieser Wert ist nach unserer Ansicht zu stark gefallen.

mm.de: Das klingt nach einer eher ruhigen Hand, auch wenn die Börsen zittern.

Schupp: Wir lassen uns nicht so sehr von allgemeinen Marktstimmungen leiten, sondern schauen uns lieber genau die einzelnen Werte an. Unternehmensbewertung steht bei uns im Mittelpunkt: Bei der Aktienauswahl schauen wir zunächst auf die aktuelle Bewertung des Unternehmens, sammeln dann weitere Informationen und besuchen - in der Regel bei kleineren Unternehmen - das Management. Ein Blick auf die Nebenwerte lohnt sich durchaus, weil dort noch unentdeckte Perlen schlummern. Viele Blue Chips im Euro Stoxx sind bekannt, beliebt und von Analysten gründlich durchleuchtet, aber auch hoch bewertet.

Eine Investition nach dem "Value-Ansatz" bedeutet für uns, genau zu prüfen, wie die Aktie im Vergleich zu ihrem Buchwert am Markt bewertet ist. Ist in einem allgemeinen Abwärtssog die Marktkapitalisierung in die Nähe des Buchwertes oder sogar unter das Eigenkapital gefallen und verfügt das Unternehmen über stille Reserven, bietet sich zum Beispiel eine Investitionsmöglichkeit. Weitere entscheidende Fragen lauten: Wie viel kann das Unternehmen nachhaltig verdienen? Welche Bewertung würden wir, ein normales Geschäftsjahr zugrunde gelegt, als gerechtfertigt ansehen? Wegen einer Gewinnwarnung während einer allgemeinen Marktschwäche muss man nicht zwangsläufig aus einer Position aussteigen. Schon eher, wenn ein Unternehmen seine Strategie und seine Strukturen ändert.

mm.de: Konservative Fonds, die nach dem Value-Ansatz investieren, galten während des jüngsten Aktienbooms als langweilig. Inzwischen sind sie sehr beliebt...

Schupp: Im September haben sowohl die aggressiveren Wachstumsfonds als auch die konservativen Value-Fonds gelitten. Die Moden wechseln, und die Fondsauswahl hängt auch von der Risikoneigung des Anlegers ab. Während des Booms im Frühjahr 2000 standen wir erheblich unter Druck, weil wir nicht in Werte mit dreistelligen KGVs investiert haben. Wir suchen statt dessen nach unterbewerteten Unternehmen mit guter Substanz und erwarten, dass sie sich auf lange Sicht besser entwickeln als der Markt. Nun zeigt sich, dass wir sowohl während des Booms als auch während der anschließenden Flaute eine akzeptable Performance erzielt haben: Beim German Value Stock Fund ergibt sich zum Beispiel auf Dreijahressicht eine jährliche Rendite von rund sieben Prozent.

mm.de: Wie sichern Sie den Fonds in Krisenzeiten? Bereitet Ihnen ein Bärenmarkt schlaflose Nächte?

Schupp: Natürlich ist auch bei uns die Stimmung besser, wenn der Markt nach oben geht. Immerhin haben die Anleger uns ihr Geld anvertraut, damit wir es vermehren. Dennoch muss man jetzt nicht zwangsläufig in festverzinsliche Wertpapiere fliehen - ein Aktienfonds sollte schließlich Aktien enthalten. Wir adjustieren unsere Fonds durch die sorgfältige Auswahl der Aktien und stellen durch unterschiedliche Gewichtung einen angemessenen Chance/Risiko-Mix her. Das wichtigste sind Geduld und eine konsequente Strategie: Das gilt für einen Fondsmanager wie in jedem anderen Beruf.

* Das Interview führte Kai Lange

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