Liquiditätsfalle Wenn Fonds das Geld ausgeht

Einen Teil der Gelder, die Anleger in einen Aktien-Fonds investieren, legt das Fondsmanagement nicht an der Börse, sondern auf dem Renten- oder Devisenmarkt an - als Barreserve, auf die ständig zugegriffen werden kann.

Auf diese "Spardose", die Liquidität, greifen die Fondsmanager gern zurück, um schnell auf günstige Kurse an den Börsen zu reagieren. Das bringt auch einen Zeitvorteil, denn um die neuen Aktien zu kaufen, brauchen die Fondsmanager nicht erst andere Werte aus ihrem Portfolio zu veräußern. Weniger gern greifen die Profis auf ihre Barreserven zurück, um Verkaufs-Aufträge der Anleger zu bedienen. Doch genau mit dieser Situation haben viele Fonds im Moment zu kämpfen.

Ungeliebte Situation

Wenn ein großer Teil der Anleger eines Fonds sein Geld zurückhaben will, gerät der Fondsmanager unter Druck: Sind die Barreserven aufgebraucht, muss er zwangsweise Aktien verkaufen, um seine Kunden auszahlen zu können. Ob der Fondsmanager den Zeitpunkt für einen Verkauf von Aktien als ungeeignet erachtet, ist dabei unerheblich. In schlechten Börsensituationen reichen auch die Mittel, die neue Anleger in den Fonds investieren, nicht aus, um die Verkäufer zu bedienen. Zwar lässt der Gesetzgeber in Deutschland zu, dass ein Fonds bis zu 49 Prozent seiner Gelder liquide halten darf. Die Fondsgesellschaften selbst legen im Prospekt aber meist wesentlich geringere Quoten (häufig nicht mehr als zehn Prozent) fest. Damit wollen die Fondsgesellschaften dafür sorgen, dass ihre Anleger mit im Boot sitzen, wenn die Börsen schnell nach oben drehen. Kehrseite der Medaille: Wenn die Anleger in Massen ihre Anteile versilbern wollen, muss der Fondsmanager Aktien verkaufen, auch wenn er den Werten grundsätzlich Aufwärtspotenzial zutraut.

Brenzlige Entwicklung

Derart schmerzliche Aktionen mussten die Fondsmanager in den vergangenen Monaten zuhauf durchführen, denn auf Grund des Konjunkturabschwungs kam es nach einer Auswertung der "Bank of America" zu Rekordabflüssen aus Aktienfonds. 20 Milliarden US-Dollar wurden in einem Vierteljahr aus den Fonds abgezogen, 14 Milliarden US-Dollar beträgt die Verkaufssumme allein für den September, als die Terror-Attacken die Börse bremsten. Mit einem Minus von fast 16 Prozent stürzte der Leitindex Dow Jones im dritten Quartal so stark ab, wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Hightech-Börse Nasdaq trudelte sogar mit beinahe 31 Prozent ins Minus. Und es war das erste Quartal seit Herbst 1990, in dem mehr Geld aus den US-Fonds herausgezogen als neu investiert wurde. Viele Experten deuten dies als Zeichen dafür, dass die Märkte jetzt "überverkauft" seien. Als positives Signal wertet die Investment-Abteilung von Merrill Lynch weiterhin, dass die Geldmenge in den USA ansteigt. Dies bedeutet, dass Kredite - wenn auch zögerlich - weiter vergeben werden. Die Investoren hätten ihr Vertrauen in Banken und Kapitalmärkte also nicht verloren.

Sondersituation für kleine Fonds

Von markanten Mittelabflüssen sind Fonds mit einem Anlagevolumen unter zehn Millionen Mark stärker betroffen als milliardenschwere Fonds-Dickschiffe wie der Templeton Growth oder der DWS Vermögensbildungsfonds I. Hintergrund: Je geringer das Volumen, das ein Fonds bewegt, umso stärker fallen die Nebenkosten ins Gewicht: Die Gehälter für Fondsmanagement und -Research, Verwaltungs- und Handelsgebühren fressen einen größeren Teil der Rendite auf als bei Fonds, die Milliarden verwalten. Viele der kleineren Fonds werden deshalb in mageren Zeiten von den Fondsgesellschaften einfach geschlossen. Die Begründung ist immer die gleiche: mangels Volumen. In der Regel erhalten die betroffenen Kunden einen Monat vor dem Schließungsdatum das Angebot, kostenlos in einen anderen Fonds zu wechseln (Switch). Die Nachteile überwiegen allerdings: Erstens ist der Fondsmanager gezwungen, seinen Gesamtbestand innerhalb kurzer Zeit aufzulösen. Zweitens muss der Anleger sich für eine neue Anlagestrategie entscheiden - die Investmentidee, für die er sich beim Kauf des Fonds entschieden hatte, ist nun verschlossen.

Christian Buchholz

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