Brokat Schuldenfalle schnappt zu

Das Softwareunternehmen kann seine Schulden nicht mehr bezahlen und hat Insolvenz angemeldet. Das operative Geschäft soll über eine Tochtergesellschaft weiterlaufen.

Stuttgart - Derzeit bestehe keine realistische Chance mehr, die am 12. November 2001 gemeldete Überschuldung zu beseitigen, erklärte die am Neuen Markt notierte Brokat Technologies (Kurswerte anzeigen) am Freitag in Stuttgart. Die Verhandlungen mit den Eigentümern der im Mai 2000 begebenen Anleihe über eine Ablösung dieser Anleihe seien gescheitert. Die Aktie von Brokat war am Freitag vorübergehend vom Handel ausgesetzt und brach anschließend um mehr als 30 Prozent ein.

Das operative Geschäft soll nach Unternehmensangaben in der Brokat eFinance Technologies GmbH & Co. KG weiter geführt werden. Deren Ausgliederung wurde bereits am 12. November auf der außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen. Am gleichen Tag hatte das einstige Vorzeigeunternehmen des Neuen Marktes seine Überschuldung offengelegt.

Suche nach Investor geht weiter

Ziel der Tochtergesellschaft sei es, die darin enthaltenen etwa 150 Arbeitsplätze zu sichern. Auch soll so die Kontinuität der Kundenbeziehungen aufrecht erhalten werden. Brokat suche nach wie vor nach einem Investor, um dem verbliebenen Geschäftsbereich eFinance weiteres Kapital zuzuführen.

Das angeschlagene Unternehmen hatte vor wenigen Wochen versucht, mit einer dreistufigen Kapitalmaßnahme ihre Sanierung voran zu treiben. Dazu seien die Herabsetzung des Grundkapitals und eine anschließende Kapitalerhöhung geplant, hatte der Konzern dazu mitgeteilt.

In einem ersten Schritt sollte das Grundkapital im Verhältnis 50 zu eins auf 745.057 Euro herabgesetzt werden. Damit sollten Wertminderungen ausgeglichen und das Grundkapital an den veränderten wirtschaftlichen Wert des Unternehmens angepasst werden.

Der zweite Schritt sah eine Sachkapitalerhöhung aus bereits genehmigtem Kapital vor. Das ermögliche den Bondinhabern, gegen die Gewährung von jungen Aktien ihre Anteile als Sacheinlage in die Gesellschaft einzubringen. Um zusätzlich weiteres Kapital bereitzustellen, war in einem dritten Schritt eine Barkapitalerhöhung von bis zu 14,9 Millionen auf bis zu 16,8 Millionen Euro geplant.

Insolvenzverwalter aus dem Hause Wellensiek

Zum Sequester wurde Volker Grub vom Insolvenzberatungsbüro Wellensiek Grub & Partner aus Stuttgart bestimmt. Er hat zu entscheiden, was mit der Insolvenzmasse geschieht. Dazu zählen neben dem Liquiditätsbestand die noch ausstehenden Zahlungen für Unternehmensteilverkäufe sowie das Kerngeschäft.

"Ich bin gerade auf dem Weg nach Stuttgart, um einen ersten Einblick in das Unternehmen zu gewinnen", sagte Grub. Er sei bislang noch nicht mit Brokat vertraut und dementsprechend nicht in die Materie eingearbeitet. Eine Pressekonferenz, die einen Überblick über die Lage von Brokat geben soll, werde es Anfang der kommenden Woche geben.

Analyst: Insolvenz kam "nicht überraschend"

Per 1. November hatte Brokat noch 8,3 Millionen Euro in der Kasse. Weitere 25 Millionen Euro werden dem dem Unternehmen aus dem Verkauf seiner M-Business-Tochter Mobile zufließen. Mobile geht für insgesamt 28,25 Millionen Euro an die US-amerikanische eOne Global, die 3,25 Millionen Euro des Kaufpreises bereits als Zwischenfinanzierung bezahlt hat. Außerdem stehen noch Zahlungen aus weiteren Unternehmensteilverkäufen aus, die Brokat auf Anfrage nicht genau beziffern konnte.

Als "nicht überraschend" bezeichnete Felix Ellmann, Analyst von SES Research, den Insolvenzantrag von Brokat im Gespräch mit dpa-AFX. "Wir haben das Rating für die Aktie bereits Ende August ausgesetzt", sagte er. "Das, was jetzt noch da ist, geht an die Gläubiger", erklärte Ellmann und verwies auf die Inhaber der hochverzinsten Unternehmensanleihe von Brokat. Wie lange es dauert, bis die Gesellschaft abgewickelt ist, wollte Ellmann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

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