Interview Teil II "Wir schaffen einen globalen Handelsplatz"

mm.de:

Welche Expansions-Pläne verfolgt die Nasdaq? Wer sind die potenziellen Partner?

Jim Weber: Wir werden einen globalen Handelsplatz schaffen. Und unser Vorstand ist der Meinung, dass wir es mit Partnern versuchen. Das schließt große europäische Partner mit ein. Es geht schließlich darum, die Kosten für Anleger und Unternehmen, die für Kapitalmaßnahmen an die Börse gehen, so gering wie möglich zu halten. Wir haben eine große Produktpalette und sind sehr konkurrenzfähig. Aber je größer das Spielfeld – ein weltumspannendes Spielfeld – desto besser wenn es mit konsolidierten Partnern gebaut ist.

mm.de: Wie weit sind die Planungen des eigenen Börsengangs der Nasdaq fortgeschritten?

Jim Weber: Wir arbeiten daran. Unser Ziel ist eine Erstnotierung Anfang kommenden Jahres. Allerdings hängt das auch von der Marktsituation ab.

mm.de: Die Deutsche Börse hat den Xetra-Handel mit amerikanischen Aktien aufgenommen. Ist das eine ernsthafte Konkurrenz?

Jim Weber: US-Stars ist eine interessante Initiative. Aber es ist ganz offensichtlich eine Initiative, die auf den deutschen Markt zielt. Es freut uns, dass die Deutsche Börse der Ansicht ist, dass es in Deutschland einen Markt für US-Aktien gibt. Das glauben wir auch. Aber wir sind davon überzeugt, dass das beste Modell die Aufmerksamkeit der deutschen Investoren bekommen wird und wir auch die Umsätze haben werden.

Wenn sie sich das Xetra-Modell ansehen, werden sie feststellen, dass wir die besseren Preise haben. Und wir bringen die US-Liquidität zu europäischen Investoren in europäischen Zeiten und mit einem einfachen Zugang. Werte wie Microsoft, Ford und IBM sind Nasdaq- und New-York-Aktien, nicht deutsche Aktien. Und eine Struktur wie Xetra, die für deutsche Wertpapiere entwickelt wurde, wird Investoren vielleicht nicht den besten Wert bieten.

Unser neues Angebot, das wir im vierten Quartal vorstellen werden, ist einfach attraktiver. Wir bringen die US-Märkte nach Deutschland und deutsche Anleger können dann bei uns investieren. Das ist 'the real thing'. Die Struktur und das System besteht in den USA, aber das bedeutet nicht, das es ein US-Markt ist. Es ist ein europäischer Markt für europäische Anleger, Aber wir haben die besseren Konditionen und werden letztendlich gewinnen.

mm.de: Ihr großer Konkurrent, die New York Stock Exchange, drängt ebenfalls nach Europa. Wer ist besser gerüstet?

Jim Weber: Die Nasdaq. Unsere Marktmechanismen, unsere Unternehmensstruktur und die Art, wie wir unser Geschäft betreiben macht uns zum besseren Partner für alle, die Zugang zum US-Markt haben wollen. Die NYSE ist gefangen in ihrem Parketthandel. Beim New Yorker Modell geht es darum, die Welt nach New York zu holen. Unser Modell ist es, das Nasdaq-Logo und unser Geschäftsmodell bei unseren europäischen und asiatischen Partnern einzubringen. Wir haben bereits bewiesen, dass wir flexibler sind. Wir sind auf drei Kontinenten im Geschäft: in Japan, in Belgien für Europa und in Nordamerika. Ich denke, das spricht für sich.

Die Fragen stellte mm.de-Redakteur Harald Grimm


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