Konjunktur Wird die Rezession noch abgewendet?

Die Wirtschaft lahmt, die Aktienmärkte liegen am Boden. Mit massiven Hilfsprogrammen versuchen Fed und US-Regierung, den Konjunkturmotor wieder anzuwerfen – mit zweifelhaften Erfolgsaussichten.

Hamburg – Mit einem 60 bis 75 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramm will US-Präsident George W. Bush die Wirtschaft wieder ankurbeln. Weitere Hilfe kommt von der US-Notenbank (Fed). Erst am Dienstag hatte der oberste Währungshüter, Alan Greenspan, den Leitzins um 50 Basispunkte auf 2,5 Prozent zurückgenommen. Damit hat die Fed in diesem Jahr bereits zum neunten Mal in diesem Jahr die Zinsschraube gelockert.

Hintergrund der Aktion: Nach den Terroranschlägen gehen immer mehr Ökonomen davon aus, dass die USA bereits in einer Rezession stecken. Eine Erholung wird erst im ersten bis zweiten Quartal 2002 erwartet. US-Finanzminister Paul O'Neill setzt auf den Patriotismus seiner Landsleute: Je schneller das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Wirtschaft wieder steige, so seine Hoffnung, desto schneller sei mit einer Belebung der Konjunktur zu rechnen.

Dafür nimmt US-Präsident Bush nun sogar ein Haushaltsdefizit in Kauf. Nach einem ersten Hilfspaket in Höhe von 40 Milliarden Dollar für die Aufräumarbeiten in New York soll der Kongress jetzt dem Konjunkturprogramm "so schnell wie möglich" zustimmen. Nun sei eine "starke und aktive Rolle" der Regierung gefragt.

In Deutschland verteidigt die Regierung dagegen ihre Politik der ruhigen Hand. "Wir haben bereits mehrfach deutlich gemacht, dass es keinen Sinn hat, nationale Konjunkturprogramme bei globalisierten Märkten aufzulegen", sagte Maria Heider, die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Auch EU-weite Konjunkturhilfen seien nicht beabsichtigt, denn "Grundvoraussetzung ist, dass der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt eingehalten werden muss".

Börse honoriert US-Konjunkturprogramm

Die Aktienmärkte in den USA setzten nach Bekanntgabe des milliardenschweren Wirtschaftspakets zu einer Rallye an. Die Nasdaq verzeichnete am Mittwoch bei hohen Umsätzen den größten Prozentgewinn seit sechs Monaten. Dow Jones, Dax und Neuer Markt reagierten ebenfalls positiv. Der positive Trend setzte sich auch am Donnerstag fort. Ein nachhaltiger Aufschwung ist damit Experten zufolge aber noch nicht zu erwarten.

Manfred Hübner, Fondsmanager bei der Deka, stuft das US-Konjunkturprogramm als "vertrauensbildende und entschlossene Maßnahme" ein, die zumindest für die Stimmung am Aktienmarkt förderlich sei. Wichtig sei nun, "ob innerhalb von zwei bis drei Monaten auch Zeichen sichtbar werden, dass diese Maßnahmen auch wirken", sagte er zu manager-magazin.de. Hübner ist Spezialist für verhaltensorientierte Kapitalmarktforschung.

Auch die vorherigen Zinssenkungen in diesem Jahr hätten bislang nicht gefruchtet, weil die Wirtschaftsdaten nicht besser, sondern zum Teil eher schlechter geworden sind. Zinssenkungen oder Konjunkturprogramme seien immer zweiteilige Prozesse. Zuerst reagiere der Markt meist positiv, parallel dazu würden Anleger aber auf erste Erfolge warten. Schließlich lasse sich aus der Entwicklung heraus das Potenzial für das kommende Jahr ableiten. Aber egal, wie die kommenden Wirtschaftsdaten auch aussehen mögen, "man gewinnt auf jeden Fall Zeit am Markt".

Harald Grimm (mit Agenturen)


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