Deutsche Bank Welcome Mr. Breuer

Warme Worte von New Yorks Bürgermeister Giuliani und eine Millionenspende zum Einstand - der Börsengang der Deutschen Bank an der Wall Street ist perfekt. Vorstandschef Breuer hält derweil Ausschau nach potentiellen Übernahmekandidaten. Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen.

New York/Frankfurt - Die Aktien der Deutsche Bank sind am Mittwoch in New York mit einem Kurs von 52,70 Dollar gestartet. Die größte europäische Bank erschien damit erstmals auf dem Kurszettel der wichtigsten Börse der Welt. Sie ist die 15. Deutsche Aktiengesellschaft, die an der Wall Street notiert wird.

Börsengang ein Zeichen der Verbundenheit

Vorstandssprecher Rolf Breuer wollte mit dem Festhalten an dem seit Monaten festgelegten Termin des Börsengangs wenige Wochen nach den Terroranschlägen in New York und Washington ein Signal setzen. Er sieht darin ein Zeichen der "engen Verbundenheit zum weltweit wichtigsten Finanzplatz und zum amerikanischen Volk".

New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani läutete die Aufnahme des Aktienhandels an der Wall Street ein. Angesichts der terroristischen Anschläge vollzog sich die Aufnahme des Handels im Vergleich zu anderen Börsengängen deutscher Firmen in New York unspektakulär.

Deutsche Bank offen für Übernahmen

Die Bank sieht ihre im Handel an der Nyse gestarteten Global Registered Shares (GRS) als Akquisitionswährung für die USA. Das Finanzinstitut erklärte am Mittwoch, der Handlungsspielraum der Deutschen Bank vergrößere sich. Neben Übernahmen könnten die eigenen Aktien künftig auch bei der finanziellen Unterlegung von Kooperationen und Partnerschaften eingesetzt werden. GRS sind global und rund um die Uhr handelbar. Sie verbriefen die gleichen, direkten Eigentumsrechte für Aktionäre weltweit.

Im Interview mit dem Fernsehsender n-tv erklärte Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer am Mittwoch, dass es derzeit keine konkreten Übernahmepläne gebe. "Aber wir halten unsere Augen offen."

Breuer steht zu Standort Frankfurt

Der Vorstandschef dementierte in dem Interview Berichte, die Deutsche Bank plane hinter den Kulissen, ihre Zentrale aus Frankfurt ins Ausland zu verlagern. Breuer räumte allerdings ein, dass der Standort Deutschland im Gespräch mit potentiellen Partnern bei gemeinsamen grenzüberschreitenden Planungen wenig Resonanz finde.

New Yorks Bürgermeister voll des Lobes

New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani hat die Aufnahme des Handels mit Aktien der Deutschen Bank am Mittwoch an der Wall Street euphorisch begrüßt. "Was die Deutsche Bank heute mit der Zulassung an der New Yorker Börse getan hat ist unglaublich", lobte Giuliani das deutsche Kreditinstitut.

"Es ist sehr sehr wichtig, Vertrauen in New York, in Amerika und die Börse zu zeigen", betonte er. Er würdigte auch die Spende der Deutschen Bank. Zum Einstand spendete das Kreditinstitut insgesamt 14 Millionen Dollar an Hilfsorganisationen, die Familien der Terror-Opfer unterstützen.

Bei dem Anschlag vor drei Wochen auf das World Trade Center sei auch ein Mitarbeiter der Deutsche Bank ums Leben gekommen, berichtete Breuer. Von den insgesamt 400 Beschäftigten sei sonst niemand zuschaden gekommen. Auch in einem Nachbargebäude hätten 1300 Mitarbeiter evakuiert werden können. "Wir haben Glück gehabt", betonte er. Die Bank hat in Manhattan 5000 Beschäftigte, insgesamt sind es 16.000 in den USA.

25 Prozent des Konzerngewinns in den USA

Geschäftliche Kontakte zwischen der Deutschen Bank und den USA gibt es bereits seit mehr als einem Jahrhundert. Schon vor rund 130 Jahren beteiligte sie sich an einem New Yorker Bankhaus. Seit 1979 ist die Frankfurter Großbank mit einer eigenen Filiale vertreten. Vor allem aber seit der Übernahme von Bankers Trust 1999 hat das Nordamerika-Geschäft der Bank einen Quantensprung erlebt.

Mittlerweile wird in den USA rund ein Viertel des Konzerngewinns erwirtschaftet. Die Übernahme von Zurich Scudder Investments bringt die Deutsche Bank nicht nur im Bereich des Vermögensverwaltung weltweit auf Position vier.

Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen

Der Gang an die New Yorker Börse könnte der Deutschen Bank den Weg in die Top-Liga der internationalen Finanzdienstleister ebnen, doch Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen. "Das Listing ist eine langfristige Investition und kein Selbstläufer, an der aktuellen Situation der Bank wird sich vorerst nichts ändern", sagte Georg Kanders von der WestLB. Aus Marketing-Sicht sei die Erstnotiz an der größten Börse der Welt positiv zu bewerten, vor allem angesichts der drängenden Kosten- und Ertragsprobleme der Bank in Deutschland und Europa, sagten Experten.

"Die Probleme bleiben"

"Die Notiz an der Wall Street wird den Bekanntheitsgrad in den USA erhöhen, doch damit werden die US-Investoren die Bank auch genauer beobachten und an den Konkurrenten wie Goldman Sachs oder Merrill Lynch messen", sagte Konrad Becker, Bankanalyst von Merck Finck in München. Es bleibe abzuwarten, ob damit der Durchbruch auch schnell kommt. "Auch beim Gang etwa von Siemens oder der Allianz an die Wall Street hat nicht gleich die Erde gebebt", sagte Becker. Es sei unzweifelhaft, dass die Bank in den USA stärker werden will. "Aber die Probleme liegen eher auf der Kostenseite in Europa und vor allem in Deutschland."

An der New Yorker Börse sind mehr als 3000 Unternehmen notiert, davon 450 aus 53 anderen Ländern. Der Tagesumsatz beläuft sich durchschnittlich auf mehr als 1,2 Milliarden Aktien. Von den deutschen Konzernen sind Allianz, BASF, Celanese, DaimlerChrysler, Deutsche Telekom, Epcos, E.On, Fresenius Medical Care, Infineon, Pfeiffer Vacuum, SAP, Schering, SGL Carbon und Siemens vertreten.