US-Zinsen Greenspan erfüllt die Erwartungen

Die amerikanische Notenbank hat die Zinsen zum neunten Mal in diesem Jahr gesenkt - um 50 Basispunkte. Damit sinkt die Rate für Tagesgeld auf 2,5 Prozent, den tiefsten Stand seit fast 40 Jahren.

Washington - Die Entscheidung für eine weitere Senkung war von den meisten Markteilnehmern bereits erwartet worden. Durch die Maßnahme der Fed sinkt die Rate für Tagesgeld auf 2,5 Prozent, den tiefsten Stand seit fast 40 Jahren.

Es war der neunte Zinsschnitt in diesem Jahr und der zweite innerhalb von gut zwei Wochen. Anfang des Jahres lag der Satz für Tagesgeld bei 6,5 Prozent. Zudem verringerte die Fed ihren Diskontsatz um 50 Basispunkte von 2,5 auf 2,0 Prozent.

Die Börse in New York hatte zuvor verhalten eröffnet. Der Dow Jones Index der Standardwerte legte in den ersten Minuten wenige Punkte zu, der Nasdaq-Index rutschte leicht ins Minus.

Die US-Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung der meisten Ökonomen bereits in einer Rezession. "Daran ist nichts mehr zu rütteln. Zwei Quartale mit negativem Wachstum sind äußerst wahrscheinlich", sagte Kenneth Rogoff, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits in der vergangenen Woche.

Wie erste Umfragen bestätigen, haben die Terroranschläge in New York und Washington das schon zuvor angeschlagene Verbrauchervertrauen nachhaltig erschüttert. Die Verbraucher tragen mit ihren Ausgaben Zweidrittel der US-Wirtschaft.

Die Fed hatte die Leitzinsen zuletzt am 17. September gesenkt; damals mit der Absicht, den erwarteten Kurssturz am ersten Börsentag nach den Anschlägen abzufedern. Die Rechnung ging nicht auf: Der Dow Jones verlor in der Woche 14,3 Prozent. Von einer weiteren Zinssenkung erhoffen sich Wirtschaftswissenschaftler vor allem psychologische Signalwirkung.

Weitere Zinsschritte der EZB unwahrscheinlich

Auch andere führende Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England waren dem Schritt der Fed gefolgt, um das Vertrauen von Wirtschaft und Finanzmärkten zu stärken. Nach Einschätzung von Analysten wird die EZB der US-Notenbank diesmal aber nicht unmittelbar folgen.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte zuletzt den Zinsschritt vom 17. September mit der nach den Anschlägen herrschenden Ausnahmesituation erklärt. "Wir wollten bewusst ein Zeichen setzen. Dies ist und war ein Ausnahmefall und nicht der Beginn einer Abkehr von unserer Strategie", hatte Issing in einem Zeitungsinterview gesagt.

Kursruck nach oben wird nicht erwartet

Börsenhändler rechneten allerdings auch nach der neuen Zinssenkung nicht mit einem Kursruck nach oben. Die meisten Marktteilnehmer hätten die Senkung bereits fest einkalkuliert.

Der Dow Jones legte direkt nach der Entscheidung der Fed rund 20 Punkte zu, um dann ins Minus abzudrehen. Gegen 20.20 Uhr deutscher Zeit lag der Index mit Abschlägen von 0,1 Prozent bzw 10,45 Punkten bei 8.826,38 Zählern.

Dax schloss auf Tageshoch

Der S&P-500-Index präsentierte sich dagegen mit einem Plus von 0,3 Prozent und notierte bei 1.042,38 Punkten. Der Nasdaq-Composite-Index zeigt sich nahezu unverändert mit einem Plus von 0,50 Zählern bei 1.480,69 Stellen.

In Deutschland stieg der Dax kurz vor Handelsende noch einmal kräftig an und schloss auf Tageshoch - ein Plus von etwa 64 Punkten. Der Euro legte direkt nach der Zinsentscheidung durch die US-Notenbank leicht auf 0,9167 Dollar zugelegt. Unmittelbar danach fiel der Euro jedoch wieder auf das Niveau vor den Zinssenkungen auf 0,9162 Dollar zurück.

Droht ein "Japan-Effekt"?

Das begleitende Statement der Notenbank fiel im Gegensatz zu den früheren Äußerungen extrem kurz aus. Dies zeigt nach Ansicht des Analysten Mat Johnson von Thomas Weisel, dass auch der Offenmarktausschuss zur Zeit keine vollkommen klare Einschätzung der Auswirkungen der Terroranschläge hat.

"Es scheint bei der Fed wie auch am Markt noch große Unsicherheit zu geben, sonst hätten wir eindeutigere Hinweise bekommen", sagte der Ökonom. "Das wird einige Marktteilnehmer erst einmal erschreckt haben." Mittelfristig gebe es aber nicht die Gefahr eines Japan-Effekts in den USA, da die Struktur und Liquidität des Marktes deutlich besser als in Japan sei.