Flowtex "Big Manni" in Sack und Asche

Im milliardenschweren FlowTex-Prozess hat der Hauptangeklagte Manfred Schmider ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Schwindel sei Folge "extremer unternehmerischer Herausforderung". Sein Luxusleben habe lediglich "als Blendwerk" gedient.

Mannheim - "Die gegen mich erhobenen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind in vollem Umfang zutreffend", hieß es in einer Erklärung, die Schmiders Anwalt Wolf Schiller verlas. "Ich trage die Hauptverantwortung für die Betrügereien - vor allen anderen."

Schmider bestritt, dass Politiker oder Wirtschaftsprüfer von den Taten Kenntnis gehabt hätten. Neben Schmider werden die damaligen FlowTex-Manager Klaus Kleiser, Angelika Neumann und Karl Schmitz für den größten Wirtschaftsbetrug der Nachkriegszeit verantwortlich gemacht.

Nach der knapp 90-minütigen Verlesung von Schmiders Erklärung sagte der Vorsitzende Richter Michael Meyer, dies sei das "umfassendste und nachhaltigste Geständnis", das er in seiner beruflichen Laufbahn gehört habe.

Begeistert von Horizontalbohrsystemen

Darin schilderte der einstige Vorzeigeunternehmer Schmider, wie er Mitte der 80er Jahre in den USA Horizontalbohrsysteme kennen gelernt habe und von der neuen Technik begeistert gewesen sei. Nachdem er sich in der neuen Technik engagiert habe, sei der wirtschaftliche Erfolg jedoch nicht im erhofften Maße eingetreten.

Um Kredite für weitere Maschinen zu bekommen, habe er dann erstmals Kreditgebern vergegaukelt, dass noch nicht fertig gestellte Maschinen bereits existierten. Mit anderen wirtschaftlichen Projekten wie dem Baden Airpark habe er seit 1995/96 versucht, die nötigen Mittel zu bekommen, um die Kredite eines Tages abzulösen. Auch wegen dieser Engagements habe er weitergemacht. An den Scheingeschäften sei ab einem gewissen Zeitpunkt auch der Deutsch-Syrer Yassin Dogmoch beteiligt gewesen.

Seine Stimmung in dieser Zeit bezeichnete Schmider als eine Mischung aus "Euphorie und massivster unternehmerischer Herausforderung". Einerseits habe er "extremste Angst" vor dem unmittelbaren Zusammenbruch gehabt, andererseits habe er gemeint, "auf dem richtigen Weg zu sein, es zu schaffen". Dabei sei er sich bewusst gewesen, dass er weiteren Betrug begangen und die Banken geschädigt habe.

Luxusleben als "Blendwerk"

"Ich habe über Jahre schwere Straftaten begangen», hieß es in der Erklärung. Er habe hohen materiellen und immateriellen Schaden angerichtet "Schäden, die ich nie wieder gut machen kann".

Bereicherung sei nicht der Anlass gewesen. Der luxuriöse Lebenswandel habe vielmehr zum Blendwerk gehört. Lediglich den Vorwurf des bandenmäßigen Betruges wies Schmider zurück. Juristisch möge der Begriff zutreffen - aber die Vorstellung, man habe sich "zusammengerottet", sei falsch.


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