Popnet Pleitebude Neuer Markt - die Reihen lichten sich

"Einer der führenden europäischen Dienstleister im Bereich eBusiness-Enabling" ist insolvent.
Von Clemens von Frentz

Hamburg - Nun ist es amtlich: Die Popnet Internet AG  hat wegen Zahlungsunfähigkeit beim Hamburger Amtsgericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch-Nachmittag mit. Hintergrund: Einen Tag zuvor hatte die Commerzbank die erst im Mai 2001 eingeräumten Kreditlinien von 17,5 Millionen Mark "aus wichtigem Grund und mit sofortiger Wirkung" gekündigt.

Zur Begründung wurde auch hier auf die jüngsten tragischen Ereignisse in den USA verwiesen. Diese hätten, so der Vorstand, dazu geführt, dass intensive Bemühungen und Verhandlungen mit einem potenziellen Partner unterbrochen werden mussten.

"Zunehmende Liquiditätsbedürfnisse"

Nach erneuter Prüfung der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens, der zu erwartenden Umsatzrückgänge, zunehmender Liquiditätsbedürfnisse bis Jahresende und der negativen gesamtwirtschaftlichen Perspektive hätten Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen.

Das Unternehmen beschäftigt 500 Mitarbeiter und erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2001 bei einem Umsatz von knapp 20 Millionen Euro einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,8 Millionen Euro. Das Unternehmen ist seit Februar 2000 an der Börse. Der Aktienkurs fiel in diesem Zeitraum von knapp 80 auf unter 1 Euro.

Erst Mitte Juli hatte sich das Unternehmen von seinem damaligen Vorstandschef getrennt. In der Ad-hoc-Meldung hieß es dazu: "Die PopNet Internet AG, IT-Dienstleister für eBusiness-Lösungen, gibt die Amtsübergabe durch den Vorstandsvorsitzenden Werner Marcinowski bekannt.

Die Vorstandsebene wird nun von den Vorständen Thomas Spar, Marketing/Vertrieb, und Thomas Rabe, Finanzen, gebildet, denen Werner Marcinowski die Aufgabenbereiche überträgt. Der Medienexperte übergibt sein Amt auf eigenen Wunsch."

Ende März hatte Popnet noch für Optimismus bei seinen Anlegern gesorgt. In einer Ad-hoc-Meldung teilte der Vorstand mit, man halte "an der geplanten Umsatzsteigerung um 134 Prozent von 21,9 Millionen Euro auf 51,3 Millionen Euro in 2001 fest."

Restrukturierung offenbar ohne Erfolg

Auch Liquiditätsprobleme, so der Eindruck für viele Aktionäre, waren kein Thema. Zu diesem Punkt hieß es in der Meldung: "Für die bereits im Herbst 2000 begonnene Restrukturierung ist ein Betrag in Höhe von 2 Mio. Euro im Ergebnis 2000 rückgestellt. An liquiden Mitteln standen zum 31.12.00 7,2 Millionen Euro zur Verfügung."

Dass dem Unternehmen nun ausgerechnet von der Commerzbank der Geldhahn zugedreht wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Noch vor einem halben Jahr hatten die Hamburger stolz gemeldet: "PopNet, einer der führenden europäischen eBusiness-Enabler, ist von der Commerzbank AG mit der Erweiterung und Überarbeitung des Internet-Auftritts für Privatkunden beauftragt worden. (...) Der Etat für diesen Auftrag liegt im einstelligen Millionen-Bereich."

"Einer der führenden europäischen Dienstleister"

Im Selbstporträt beschrieb sich das Unternehmen als "einer der führenden europäischen Dienstleister im Bereich eBusiness-Enabling". Und weiter: "Das 1995 gegründete Unternehmen ist seit dem 2. Februar 2000 am Neuen Markt notiert. Der Großteil der Aktien wird dabei von den Unternehmensgründern und der Commerz-Beteiligungsgesellschaft, einem Tochterunternehmen der Commerzbank, gehalten."

Die Commerzbank war darüberhinaus Konsortialbank beim IPO und riet noch Mitte vergangenen Jahres zum Kauf der Aktie. Damals notierte sie bei 24 Euro - aus Sicht der Commerzbank-Experten krass unterbewertet. Sie gaben ein Kursziel von 50 Euro aus und testierten dem Wert wegen seiner "erstklassigen Aussichten" ein Potential von über 100 Prozent. Die Entwicklung seitdem: minus 98 Prozent.