Donnerstag, 18. Juli 2019

Ökonomie des Terrors 500 Millionen Dollar Einsatz

Der Verdacht, dass die Terroristen vor den US-Anschlägen an der Börse spekuliert haben, erhärtet sich. Im Interview mit mm.de erläutert der Sicherheitsberater Klaus-Dieter Matschke die neusten Indizien.

Klaus-Dieter Matschke ist Präsident des Fachverbands Deutscher Sicherheitsunternehmensberater und zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter Firma für Sicherheitsberatung KDM. Der 53-jährige Matschke hat viele Jahre für den deutschen Geheimdienst gearbeitet und berät heute Großkonzerne unter anderem in Fragen der Spionage- und Terrorabwehr.

 Klaus Dieter Matschke: "Die Gerüchte kommen aus Japan"
Klaus Dieter Matschke: "Die Gerüchte kommen aus Japan"
mm.de: * An den Kapitalmärkten hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Terroristen an ihren eigenen Anschlägen verdient haben. Gibt es konkrete Hinweise für den Verdacht?

Klaus-Dieter Matschke: Die Ermittlungen laufen nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Deutschland auf Hochtouren. Auf der ganzen Welt arbeiten die Nachrichtendienste fieberhaft an den Recherchen, ob Terroristen auf fallende Kurse gesetzt haben.

mm.de: Hat auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt Ermittlungen aufgenommen?

Matschke: Diese Ermittlungen laufen schon seit einigen Tagen.

mm.de: Wie ist das Gerücht entstanden, und gibt es Hinweise, dass an dem unglaublichen Verdacht etwas dran ist?

Matschke: Die Gerüchte kommen aus Japan. Es sieht wohl so aus, als hätten die Terroristen über die Börse Tokio tatsächlich auf fallende Kurse bei Fluggesellschaften und Großversicherungen gesetzt.

mm.de: Wie viel Geld haben die Terroristen vermutlich in Put-Optionen investiert?

Matschke: Ich habe Informationen, dass es sich da um rund 500 Millionen Dollar handeln soll.

mm.de: Ist dies eine neue Dimension des Terrors, oder gab es schon ähnliche Fälle in der Vergangenheit?

Matschke: Das ist eine Entwicklung des intelligenten Terrorismus, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Vergleichbare Fälle sind mir nicht bekannt.

mm.de: Wie hoch ist die Chance, die Akteure dieser Transaktionen zu identifizieren?

Matschke: Soweit ich informiert bin, sind die zuständigen Stellen durchaus in der Lage, all diese Transaktionen zurückzuverfolgen. Schwierig allerdings wird es, wenn mehrere Scheinfirmen die Geschäfte abgewickelt haben.

mm.de: Kommen die Ermittler an die Hintermänner heran?

Matschke: Ja. Ich denke, dass sie die Geldströme zurückverfolgen können. Dann werden sie in der Lage sein, konkrete Ermittlungsergebnisse zu erzielen.

mm.de: Was hat sich in Ihrem Geschäftsfeld Sicherheitstechnik seit dem 11. September verändert?

Matschke: Wir werden sehr stark angefragt von Unternehmen, die erkennen, dass Sicherheitssysteme eingeführt werden müssen. Nach den entsetzlichen Schlägen ist bei der Wirtschaft die Erkenntnis gereift, sich sinnvoller gegen alles, was es an Angriffen von draußen gibt, zu schützen. Erst sieben Prozent der deutschen Unternehmen haben einen vernünftigen Schutz.

mm.de: Wie können die Konzerne ihre Sicherheit verbessern?

Matschke: Indem die Manager eine intensive Sicherheitsanalyse durchführen. Das beginnt an der Torkontrolle, geht über sämtliche technischen Einrichtungen bis hin zum Bereich des Vorfeldes, indem man feststellt, wer interessiert sich in welcher Art für welches Unternehmen.

* Das Interview führte mm.de-Redakteur Andreas Nölting

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