Interview Übernommen

Der Crash bei Technologieaktien ist in seiner Dimension einzigartig. Wie konnte es zu einem solchen Desaster kommen? Wie geht es weiter? manager magazin sprach mit Ulrich Dietz, Chef des Internet-Unternehmens GFT.

mm:

"Wann, wenn nicht jetzt, soll ein Internet-Dienstleister denn überhaupt Gewinne machen?" Herr Dietz, kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor?

Dietz: Könnte glatt von mir sein.

mm: Richtig. Im August vergangenen Jahres haben Sie im manager magazin mit dieser Formulierung Unternehmer wie Peter Kabel kritisiert, denen Wachstum wichtiger war als Gewinn. Heute ist Kabel New Media pleite. Fühlen Sie sich bestätigt?

Dietz: Es ist unglaublich, wie schnell der Einbruch bei Investitionen in die Informationstechnologie (IT) über die gesamte Branche gekommen ist. Mit einem Umschwung in dieser Geschwindigkeit hat auch in unserem Unternehmen niemand gerechnet – und gefreut hat mich diese Entwicklung erst recht nicht.

mm: Der Einbruch bei den IT-Investitionen muss in allen Internet-Firmen als Begründung für miese Zahlen herhalten. Nur ein Alibi oder die ganze Wahrheit?

Dietz: Die Wahrheit. Das Tückische an der derzeitigen Situation besteht darin, dass die Nachfrage im Wortsinn sehr wohl existiert. Die IT-Entscheider in den Konzernen sind aufgeschlossen, man steht schnell in Verhandlungen über konkrete Projekte. Das Beraterteam scharrt schon mit den Hufen. Nur: Der Auftrag kommt dann nicht. Irgendein Konzerngremium muss noch mal beraten, irgendeine Unterschrift fehlt noch. Es werden Entscheidungen über Monate verschleppt.

mm: Überrascht es Sie tatsächlich, dass die Konzerne heute etwas genauer hinschauen, bevor sie ihr Geld in E-Business-Projekte stecken?

Dietz: Im Internet-Bereich liefen die Dinge bislang anders, da zählte auch für die Konzerne Geschwindigkeit. Heute wird die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte doppelt und dreifach geprüft. Das hätte man schon viel früher tun sollen, dann wären viele Projekte erfolgreicher verlaufen. Aber momentan sehe ich dies als Übertreibung.

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GFT-Profil: Das Unternehmen im Überblick

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