Versicherungstitel Aus der Krise gestärkt

Die Terrorattentate kosten Milliarden. Branchenexperten sehen dennoch gute Zukunftschancen.

Frankfurt am Main - Die Terroranschläge gegen die USA dürften nach Ansicht von Marktbeobachtern mittelfristig die Positionen der großen europäischen Versicherer stärken. Lediglich die Gewinne des laufenden Jahres sollten durch die unerwarteten Terrorattacken deutlich reduziert werden.

Besonders die beiden Versicherungsriesen Swiss Re und Münchener Rückversicherung dürften von einer erhöhten Nachfrage nach finanzieller Absicherung profitieren, sagte Frank Stoffel von WestLB Panmure.

Die Münchener Rück erwartet wegen der Anschläge Schadensleistungen in Höhe von etwa einer Milliarden Euro. Dies werde deutliche Kürzungen der bisherigen Gewinnprognosen nach sich ziehen. Die Swiss Re rechnet mit Zahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden Schweizer Franken.

Versicherungsprämien sollten steigen

Rob Proctor, Analyst bei Morgan Stanley, erwartet als Folge der Terroranschläge weltweit einen deutlichen Anstieg der Versicherungsprämien. Eine Erhöhung der Prämien habe ohnehin angestanden, sagte auch Michael Haid von Sal Oppenheim. Nach den Ereignissen in den USA kämen die Verteuerungen jedoch wesentlich schneller und nachhaltiger, meinte er. Zudem sei wegen der geschwächten Märkte und des gestiegenen Risikos mit einem Rückgang des Angebots an Versicherungsleistungen zu rechnen.

Für viele Versicherer stellten die anstehenden Schadensleistungen nur einen geringen Teil ihres verfügbaren Kapitals dar, sagte ein anderer Experte. Allerdings sei das volle Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar. Die ersten Schätzungen der Versicherungen könnten durchaus noch nach oben korrigiert werden.

Münchner Rück bleibt "Outperformer"

Sal. Oppenheim hat unterdessen die Münchener Rückversicherung als "Outperformer" bestätigt. Auch den Titel der Hannover Rück ließen die Experten bei "Outperformer". Die Entwicklungen in den USA hätten vor allem gezeigt, dass es für die Versicherer notwendig sei, ihre akzeptierten Risiken genügend zu decken. Als Gewinner seien besonders die großen Versicherungskonzerne aus der Katastrophe hervorgegangen, die die entsprechenden Sicherheiten in den kriselnden Kapitalmärkten bieten konnten.

Jedoch haben die Analysten ihre Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) der Münchener Rück im laufenden Jahr auf 10,77 Euro von zuvor 14,20 Euro gesenkt. Den fairen Wert der Aktie senkten die Analysten auf 300 Euro von zuvor 370 Euro. Für 2002 rechnen die Experten aber jetzt mit einem Gewinn je Aktie von 33,05 Euro nach zuletzt 32,46 Euro.

Bei der Neubewertung des fairen Wertes spielten auch Verluste an den Kapitalmärkten - minus 30 Prozent seit Ende des Jahres 2000 - und die sinkenden Kurse der Allianz, an der die Münchener Rück mit 20,9 Prozent beteiligt ist, eine entscheidende Rolle. So koste der Kursverlust des Allianz-Titels von 320 auf 230 Euro etwa 4,6 Milliarden Euro.

Schwerwiegende Folgen sehen die Analysten auch für die Hannover Rück: So haben sie ihre Prognose für das EPS von zuvor 7,25 Euro auf jetzt nur noch 0,61 Euro für 2001 reduziert Für 2002 senkten sie die Schätzung für den Gewinn je Anteilsschein von 8,60 Euro auf 10,02 Euro. Den fairen Preis der Hannover Rück-Aktie sieht das Finanzinstitut nun nur noch bei 80 Euro nach zuvor 100 Euro.

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