EADS Höhenflug beendet

Die Flugindustrie trudelt in eine Krise. Analysten warnen vor Gewinneinbrüchen.

Die durch die Anschläge in New York und Washington verunsicherten Anleger müssen sich nach der Ansicht von Analysten auch beim größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS auf eine Gewinnwarnung gefasst machen.

Der Konzern, der Zweidrittel seines Umsatzes und fast seinen ganzen Gewinn mit dem Flugzeugbauer Airbus erwirtschaftet, werde seine Ziele für das laufende Jahr wegen der schwierigen Lage der Fluggesellschaften nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon wohl nach unten korrigieren müssen, heißt es bei den Experten. Die EADS will ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2001 am Donnerstag in Amsterdam vorlegen.

Befürchtungen der Passagiere vor neuen Anschlägen und Flugzeugentführungen haben vor allem die US-Fluggesellschaften in Bedrängnis gebracht, die zum Teil Massenentlassungen von Mitarbeitern und die Gefahr eines Konkurses angekündigt haben. Airbus müsse nun einen Einbruch bei den Flugzeugbestellungen befürchten, sagen Branchenexperten.

Gewinnwarnung gilt als sicher

Howard Wheeldon, Analyst bei Prudential Bache in London, rechnet damit, dass 20 bis 25 Prozent der Bestellungen bei Airbus um ein bis zwei Jahre verschoben würden. "Wir werden sicher eine Gewinnwarnung sehen", sagt er.

Bisher ging die EADS für das Jahr 2001 von einer Steigerung des Gewinns vor Steuern und Zinsen von 15 Prozent im Vergleich zu den 1,4 Milliarden Euro des Vorjahres aus. Der Umsatz sollte um 20 Prozent zulegen. Airbus will in diesem Jahr eigentlich noch 330 (2000: 311) Flugzeuge ausliefern. Anfang August hatte der Boeing-Konkurrent allerdings wegen der schwächeren Nachfrage sein Absatzziel für 2003 auf 400 von zuvor 450 Maschinen herunter korrigiert.

Rund ein Drittel des Umsatzes erzielt die EADS mit Rüstungsgütern, für die die Nachfrage bei möglichen Militärschlägen der USA steigen könnte. "Der Nicht-Airbus-Teil der EADS-Geschäfte sieht ganz solide aus, aber Airbus ist der größte Ergebnisbringer", sagt ein Pariser Luftfahrt-Analyst.

Ergebnisschätzungen für die Rüstungssparte sind schwer

Ergebnisschätzungen für das erste Halbjahr sind den Analysten zufolge schwierig, weil die Transparenz bei Gewinnen aus Kurssicherungsmaßnahmen und den Preisen für militärische Güter gering sei. Die Prognosen von Reuters befragten Analysten für das operative Ergebnis des ersten Halbjahres liegen in einer weiten Spanne von 525 Millionen bis 918 Millionen Euro, mit einem Median bei 777 Millionen Euro.

Vergleichszahlen für das Ergebnis will der Konzern, der im vergangenen Jahr aus der Fusion der DaimlerChrysler-Tochter Dasa mit der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen Casa hervor gegangen war, nicht vorlegen.

Nach bereits veröffentlichten Zahlen stieg der EADS-Umsatz in den ersten sechs Monaten um 33 Prozent auf 14 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verdoppelte sich beinahe auf 42,8 (24) Milliarden Euro. Dabei wurde Airbus, an der EADS mit 80 Prozent beteiligt ist, zum ersten Mal zu 100 Prozent statt zu 80 Prozent wie im Vorjahr konsolidiert. Die restlichen 20 Prozent an Airbus hält die britische BAe Systems.

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