WWL Internet Insider am Werk?

Nach Umsatzaufälligkeiten vor einer Ad-hoc-Meldung hat die Wertpapier-Aufsicht eine Insider-Untersuchung eingeleitet.
Von Clemens von Frentz

Hamburg – Das Frankfurter Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat erneut eine Insider-Untersuchung am Neuen Markt eingeleitet. Betroffen diesmal: Die Aktie der WWL Internet AG .

Aufgenommen wurde das Ermittlungsverfahren Mitte August nach einer längeren Voruntersuchung, die den Verdacht erhärtete, dass es vor einer Ad-hoc-Meldung der WWL Internet AG zu Insider-Verkäufen kam.

In der Mitteilung vom 23.1.2001 hieß es unter anderem: "Die WWL Internet AG rechnet damit, im Geschäftsjahr 2000 Umsätze in Höhe von ungefähr 17,6 Millionen Euro und Gewinne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von etwa -9 Millionen Euro erzielt zu haben." Diese Zahlen lagen deutlich unter den Erwartungen.

Reger Handel vor Schreckensmeldung

Bereits vorher gingen zahlreiche Verkaufsorders für WWL ein, obwohl keine kursrelevanten Nachrichten vorlagen. Die Aktie verlor in wenigen Tagen rund 20 Prozent. BAWe-Sprecherin Sabine Reimer: "Unsere Experten untersuchen den Sachverhalt nun sehr eingehend, um zu klären, ob der Fall an den Staatsanwalt weitergeleitet werden muss."

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich zwei Monate später, als die endgültigen Zahlen für 2000 nachgereicht wurden. Nun wurde das Ebitda plötzlich auf -11,64 Millionen Euro beziffert. Vor der entsprechenden Ad-hoc-Meldung vom 26. März verlor die Aktie massiv an Wert, wobei die Umsätze ungewöhnlich hoch waren.

Allein auf Xetra wechselten fast 60.000 Papiere im Wert von über 90.000 Euro den Besitzer. Zum Vergleich: Der Durchschnittsumsatz der letzten 30 Tage zuvor (in denen der Durchschnittspreis der Aktie noch 100 Prozent über dem aktuellen Niveau notierte!) belief sich ca. 55.000 Euro. Das Bundesaufsichtsamt leitete daher eine Voruntersuchung ein, die nach Auskunft von BAWe-Sprecherin Reimer jedoch negativ ausging.

Viel Arbeit für das Bundesaufsichtsamt

Zuletzt hatte WWL durch ein Teilübernahmeangebot für den angeschlagenen Konkurrenten Kabel New Media von sich reden gemacht. Mitte August zogen die Nürnberger dann aber ihr Angebot zurück und stellten die Pläne ein.

Nach Angaben von BAWe-Sprecherin Sabine Reimer wurden in diesem Jahr bereits 41 neue Untersuchungen vom Bundesaufsichtsamt eröffnet. 30 davon betrafen Aktien am Neuen Markt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden insgesamt 51 neue Fälle untersucht, 19 mal waren Firmen aus dem Nemax-Segment betroffen.

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